MyChannel.de: Staatsanwaltschaft beendet Ermittlungen
Die Staatsanwaltschaft Berlin teilte gegenüber Golem.de mit, dass das von Peter Huth initiierte Ermittlungsverfahren eingestellt wurde. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft stellt das Ausspähen der Daten im Fall von MyChannel.de keine Straftat dar. Der Grund liegt darin, dass MyChannel.de die ausspähbaren Kundendaten nicht ausreichend vor Zugriffen Dritter geschützt hatte.
Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, wurde nach der Anzeige von Peter Huth in zwei Richtungen ermittelt. Zum einen wurden die IP-Adressen der Nutzer gesammelt, die Zugriff auf die Kundendaten von MyChannel.de hatten. Zum anderen wurde geprüft, ob die Homepage ausreichend gesichert war, so dass bei einer Überwindung von Sicherheitsmechanismen der Straftatbestand der Ausspähung von Daten erfüllt wurde.
Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Berlin war der Straftatbestand der Ausspähung von Daten allerdings nicht erfüllt, weil die Daten eben nicht gegen Zugriffe Dritter geschützt waren. Somit kommt der Paragraf 202a(öffnet im neuen Fenster) des Strafgesetzbuches nicht zum Tragen, der voraussetzt, dass die betreffenden Daten ausreichend abgesichert sind. Da eine solche Absicherung nicht gegeben war, wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt. Im Laufe des Verfahrens sind nach Auskunft der Staatsanwaltschaft 200 IP-Adressen ermittelt worden, wovon ein Teil der Personen identifiziert wurde.
Ende Juli 2004 wurde eine Sicherheitslücke auf der von MyChannel.de betriebenen Website dialersiegel.de bekannt, so dass Kundendaten über ein PHP-Script, dem elementare Sicherheits-Checks fehlten, für jeden einsehbar im Internet standen. So war es möglich, auf beliebige Dateien auf dem Server von dialersiegel.de zuzugreifen. Über einen Blick in die Bash-History stolperte man über Backups von MySQL-Datenbanken, die Kundendaten samt Kreditkartennummern enthielten. Entsprechende Links machten in Chatforen die Runde.
Hinter dialersiegel.de und MyChannel steckt Peter Huth, der wiederholt in TV-Sendungen wie Planetopia, Stern TV und Akte als Internet-Sicherheitsexperte auftrat. Im August 2004 erstattete Peter Huth "Anzeige gegen Unbekannt" und hat die Logfiles zur Auswertung an das LKA übergeben. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft Berlin die Ermittlungen aufgenommen, die mittlerweile abgeschlossen sind.



