Spieletest: Chronicles of Riddick - Vin Diesel auch am PC
Atmosphärisch und optisch begeisternde Action. Kurz vor Jahresende brachte Vivendi Universal recht heimlich, still und leise die PC-Umsetzung von "Chronicles of Riddick" in die Läden - dabei hätte der Titel große Aufmerksamkeit mehr als verdient. Denn in Sachen Action-Spiele und Shooter gehört das Spiel zweifelsohne zum Besten, was 2004 erschienen ist - und stellt stellenweise sogar Genre-Highlights wie Doom 3 in seinen Schatten.
Inhaltlich hat sich zu der bereits Mitte 2004 erschienenen Xbox-Version kaum etwas getan. Der Spieler übernimmt also wiederum die Figur des von Vin Diesel verkörperten Schwerverbrechers Richard Riddick. Dieser wird zu Beginn des Spiels mit einer Reihe anderer gefährlicher Krimineller in das Hochsicherheitsgefängnis Butcher Bay eingeliefert. Kaum ist er dort eingetroffen, umtreibt ihn natürlich nur noch ein Gedanke: so schnell wie möglich weg hier. Das ist allerdings leichter gesagt als getan - denn neben unzähligen Wachen, Sicherheitsvorrichtungen und einer unwirtlichen Umgebung sind auch die anderen Gefängnisinsassen kaum Faktoren für ein langes und gesundes Leben.
Bereits kurz nach der Intro-Sequenz darf man seinen ersten Fluchtversuch starten und sich dabei mit der grundlegenden Steuerung vertraut machen: Riddick kann sich in bester Splinter-Cell-Manier unauffällig von hinten an Wachen anschleichen, sie in den Schwitzkasten nehmen und sie bewusstlos schlagen oder sich etwa auch an Rohren an der Decke entlanghangeln und Kontrahenten durch einen beherzten Sprung in die Tiefe erledigen. Kommt es zum Kampf Mann gegen Mann, sind aber auch handfeste Prügeleien kein Problem - mit der linken Maustaste schlägt man zu, die rechte dient zum Blocken.
Zwar entpuppt sich die anfängliche Flucht schnell als Traum, dem Riddick erlegen ist, als Tutorial erfüllt das Ganze seinen Zweck aber hervorragend. Als Nächstes allerdings gilt es erst einmal, sich mit dem rauen Alltag im Knast abzufinden - und der ist nicht nur brutal, sondern hält einen mit viel Abwechslung auch von Anfang an auf Trab.
So geben einem die zahlreichen Knastinsassen immer wieder Aufträge, für deren Erledigung sie sich mit kleinen Gefälligkeiten bedanken - so gelangt man dann etwa auch schnell in den Besitz einer Klinge, mit der sich die ersten "Probleme" recht gut lösen lassen. Auch Geld und Zigarettenpackungen - mit denen sich witzigerweise Extras wie Artworks freischalten lassen - winken als Belohnung für diese Nebenquests.
Da Chronicles of Riddick prinzipiell ein Shooter ist - wenn auch einer mit vielen Schleicheinlagen -, ist es aber natürlich auch bald an der Zeit, sich richtige Waffen zuzulegen. Zunächst geht das nicht - zwar verliert erledigtes Wachpersonal die eigenen Schießprügel, da diese auf Grund eines ausgeklügelten Systems mit der DNA des Schützen verknüpft sind, kann Riddick diese vorerst nicht aufnehmen. Hat man aber erstmal den bisherigen Anführer unter den Knackis erledigt und sich so Respekt unter den anderen Zelleninsassen verschafft, findet sich auch bald ein Weg zum zentralen Computer der Festungsstation - und dann stehen auch die (allerdings nicht sehr vielen) Schusswaffen wie Schrot- und Maschinengewehre zur Verfügung.
Damit aber nicht genug - etwas später erhält Riddick auch die Fähigkeit, im Dunkeln zu sehen, was das Erkunden unterirdischer Gänge - in denen dann auch in die in Shootern mittlerweile obligatorischen Aliens warten - vereinfacht. Sorgt man also dafür, dass sämtliche künstlichen Lichtquellen den Geist aufgeben, ist das Anschleichen an ahnungslose Wachen eine recht simple Sache. Was bei Menschen funktioniert, ist bei Maschinen dann allerdings keine allzu große Hilfe mehr - Wachroboter lassen sich von Riddicks übermenschlichen Kräften kaum beeindrucken und müssen mit purer Waffengewalt von ihrem Ableben überzeugt werden.
Zimperlich darf man bei all seinen Aktionen übrigens nicht sein - von Beginn an gilt es, Mitgefangene auf oftmals recht brutale Art und Weise aus dem Weg zu räumen oder in blutigen Faustkämpfen in den Zellen und Katakomben den Angreifer niederzuringen, bevor man selbst in einer Lache des eigenen Körpersaftes niedergeht; stellenweise übertreibt es das Spiel da schon ein wenig mit der Brutalität, die Altersfreigabe ab 18 Jahren kommt wahrhaftig nicht von ungefähr.
Atmosphärisch ist Chronicles of Riddick eine absolute Meisterleistung - was vor allem an der fulminanten Präsentation liegt. Bereits auf der Xbox war der Titel ein Genuss für Augen und Ohren, am PC wirken die höher aufgelösten Texturen mit dem gut genutzten Normal Mapping sowie die detaillierten Charaktere noch beeindruckender. Für eine fast filmähnliche Akustik sorgen neben dem immer passenden Score vor allem die englischen Stimmen wie die von Vin Diesel selbst, der immer wieder für einen lässigen Spruch gut ist - und dabei ironischerweise überzeugender klingt als im Film zum Spiel. Aber auch die anderen Sprecher wie etwa der Rapper Xzibit vertonen das Geschehen äußerst gut.
Chronicles of Riddick wartet mit drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden auf - während auch Anfänger auf "leicht" relativ wenig Probleme haben dürften, beißen sich selbst Profis bei "hart" die Zähne aus. Das liegt vor allem an der über weite Strecken recht überzeugenden KI: Die Wachen suchen Deckung, setzen Extras wie etwa Taschenlampen geschickt ein, rufen um Hilfe und verfolgen den Spieler auch. Allerdings gibt es leider auch Szenen, in denen man Wachen aus der Distanz beschießt - und die daneben stehenden Kollegen bekommen nichts vom Todeskampf des Nachbarn mit.
Noch spannender als ohnehin schon wird das Ganze übrigens dadurch, dass nur wenig störende Anzeigen den Blick auf die Traumgrafik trüben: Die Gesundheit wird nur in Gefechten eingeblendet, den Munitionsstand liest man direkt am Display der Waffe ab. Ebenfalls genial: Anstelle einer Stealth-Anzeige informiert eine bläuliche Bildschirmfärbung darüber, dass man sich im jeweiligen Moment von den Wachen unbemerkt bewegen kann.
Fazit: Eine kleine Enttäuschung gibt es bei Chronicles of Riddick schon zu vermelden - mehr als zehn Stunden werden kaum benötigt, um Butcher Bay zu bezwingen, einen Multiplayer-Part gibt es zudem nicht. Innerhalb dieser Spielzeit erwartet einen dafür aber auch mit das Unterhaltsamste, was in Sachen Ego-Shooter in letzter Zeit am PC zu sehen war. Chronicles of Riddick braucht sich vor einem Half-Life 2 nicht im Geringsten zu verstecken und bietet über weite Strecken mehr Abwechslung und Atmosphäre als etwa Doom 3 - das sollte man sich nicht entgehen lassen.