Spieletest: The Fall - Last Days of Gaia - Endzeit mit Bugs
Fallout-inspiriertes Echtzeit-Endzeitspiel spielt im 21. Jahrhundert. Im Echtzeit-Rollenspiel "The Fall - Last Days of Gaia" sieht sich der Spieler in ein Szenario Ende des 21. Jahrhunderts versetzt, das trostloser nicht sein könnte: Nach einem weltumspannenden Krieg, einer Klimakatastrophe und Ähnlichem liegt die Zivilisation am Boden und ein Mad-Max-Szenario mit Wüstenlandschaften und marodierenden Gangs ist angesagt.
Das aus der Berliner Spieleschmiede Silverstyle stammende Spiel erinnert in vielem an den Endzeit-Hit "Fallout" und seinen Nachfolger, allerdings ist man hier nicht rundenbasiert zu Gange, sondern in Echtzeit. Der Ausstaffierung der eigenen Spielfigur mit physiognomischen Grunddaten und Charaktereigenschaften sowie der Spezifizierung von Geburtsdatum und -ort folgt der Einstieg in die "The Fall - Last Days of Gaia"-Welt. Hier ist man schnell Söldner einer Nach-Regierungsorganisation und Herr eines kleinen Kampftrupps, der in verschienenen Abenteuern durch die trostlose Welt stapft, die Fähigkeiten seiner selbst und dem Team verbessern und unterwegs immer wieder Rätsel lösen darf.
Hört sich alles ganz schön an, wenn da nicht die Qualitätssicherung des Spieleherstellers schlichtweg abwesend war. So kam das Spiel in den Handel und in schneller Folge erschien eine Hand voll Patches, die das Ganze teils besser und teils sogar schlechter machten. So verloren durch ungünstige Konstellationen am Anfang Spieler ganze Spielstände und mussten beispielsweise mitten im Spiel wieder von vorne beginnen. Die Äußerungen in diversen Foren sprechen dazu eine deutliche Sprache.
Auch die Grafik-Performance war am Anfang katastrophal, trotz schneller Grafikkarten, Rechner, genügend Arbeitsspeicher und aktueller Treiber. Erst mit dem 5. Patch schafften die Entwickler, was man eigentlich von Anfang an erwarten dürfte: ein funktionierendes Spiel.
Dennoch fehlen immer noch einige sogar in der Bedienungsanleitung erwähnte Details wie die Möglichkeit, den Waffen im Inventar eigene Namen geben zu können. Doch dies ist nun wirklich kein Feature, nach dem man sich die Finger lecken würde.
Die Optik des Spiels ist recht durchschnittlich, auch wenn man den Blickwinkel durch Zoomen verändern kann und die endzeitmäßige Story gut vermittelt wird, die auch von den gut gemachten Dialogen im Spiel getragen wird. Der Kampfmodus verläuft zwar grundsätzlich auch in Echtzeit, doch kann man jederzeit mit der Pausetaste eine Unterbrechung einleiten und seine Teammitglieder mit passenden Waffen aufrüsten und instruieren, so dass die Übersichtlichkeit nicht verloren geht.
Die Verteilung von diversen Punkten nach erfolgreichen Taten muss mit Bedacht vorgenommen werden und die Spezialisierung des Teams vorangetrieben werden. Mit gleichstarken Generalisten ist das Spiel nicht zu gewinnen. Die Söldner können auch ausgetauscht und neue Mitglieder angeworben werden. Wer also gnadenlos falsche Talente vergeben hat, kann so sein Team auch umformen.
Die Inventar-Funktion ist aus zweierlei Gründen überarbeitungswürdig: Zum einen passt viel zu wenig an Gegenständen hinein, zum anderen kann man die Eigenschaften der einzelnen Artikel nur erfahren, wenn man sie zunächst aus dem Inventar nimmt und auf den Boden legt.
Fazit: The Fall - Last Days of Gaia ist nicht ganz das Spiel geworden, das die Entwickler versprochen haben, aber ein nettes Echtzeit-Rollenspiel in einer zwar altbekannten, jedoch gut vermittelten Endzeit-Atmosphäre. Die technischen Schwierigkeiten, die durch das viel zu frühe Veröffentlichungsdatum entstanden sind, sind davon abgesehen eine Blamage für die Verantwortlichen. Als gelungen darf man die vielen Freiheitsgrade bezeichnen, die dem Spieler bei der Lösung der Questen offen stehen und die vielen Möglichkeiten, die man mit den gefundenen Gegenständen hat.