Spieletest: Psychotoxic - Deutscher Shooter mit Knieschuss
Publisher Vidis senkte Preis von 45,- auf 30,- Euro. Mit Psychotoxic hat Nuclearvision Großes vorgehabt, inhaltlich und grafisch neue Maßstäbe sollte der ursprünglich für den Herbst 2003 angekündigte Shooter aus deutschen Landen setzen. Nach einem nötigen Publisher-Wechsel kam das Spiel dann erst Anfang September 2004 auf den Markt – begleitet von Problemen mit dem Kopierschutz, Fehlern im Spiel und einem gravierenden Kompatibilitätsproblem mit Radeon-Grafiktreibern. Kurz vor Weihnachten 2004 wurde das Spiel nun im Preis gesenkt und Golem.de nahm – einige ATI-Treiber und Psychotoxic-Patches später – einen zweiten, diesmal erfolgreichen Anlauf, das Spiel zum Laufen zu bringen.
Der nur für Windows-PCs verfügbare 3D-Shooter Psychotoxic spielt in einer düsteren Endzeit-Zukunft: Drei der vier Reiter der Apokalypse haben bereits ihre Spuren auf der Erde hinterlassen – nun schickt sich auch der vierte Reiter an, die Menschheit zu vernichten und sät Agression und Gewalt. Eine große Weltuntergangssekte versucht derweil, die USA zu übernehmen, hat bereits viele wichtige Positionen besetzt und sperrt den Central Park von New York teilweise ab. Erst im Laufe der Geschichte wird klar, was den vierten Reiter der Apokalypse und die Sekte verbindet.
Als Angie Prophet – halb Mensch, halb Engel – obliegt es nun, mit Waffengewalt und Engelskräften die Straßen von sektengläubigen Polizisten und marodierenden Gangs zu befreien. Zur Auswahl stehen ein Schlagstock, ein Taser und verschiedene Schusswaffen, von der schallgedämpften Pistole bis hin zum Scharfschützengewehr mit Zielfernrohr. Die nicht beliebig einsetzbaren Engelskräfte müssen mit magischen Symbolen aufgeladen werden und bieten ein magisches Schnellheilen bis hin zum Schild oder Zeit-Verlangsamen. Anders als bei der Munition können Engelskräfte nicht gesammelt werden, nur das zuletzt aufgesammelte Symbol steht zur Verfügung – bis es aktiviert wurde und nach kurzer Zeit aufgebraucht ist.
Neben den von Shootern eher üblichen Umgebungen wie Bürogebäuden, Tiefgaragen, Häuserschluchten und Parks bietet Psychotoxic noch einige ungewöhnlichere Level, in denen Angie durch die Geistwelten anderer Menschen und schließlich auch sich selbst reist. In einem an den Mystik-Shooter Painkiller erinnernden Level gilt es etwa, alle Pendeluhren zu zerstören und sich dabei Werwölfen und Spinnen zu erwehren – während die Grafik in Sepia und im Film-Look gehalten wird. In einem früheren Level sind eher Jump&Run-Fähigkeiten vonnöten und es gilt, nicht zu Tode gestoßen zu werden.
Im Prinzip bietet Psychotoxic genügend Abwechslung und kann den Spieler streckenweise durchaus vor den Bildschirm fesseln. Die Grafik kann trotz einiger netter kleiner Einfälle allerdings im Vergleich mit anderen 2004 erschienenen Shootern bei weitem nicht mithalten, zumal die zum Einsatz kommende VisionEngine der Trinigy GmbH eigentlich deutlich mehr auf dem Kasten haben soll – auch in der zum Einsatz kommenden älteren Version, die ebenfalls schon für eine hohe Polygonzahl geeignet war. Statt die In-Game-Grafik auch für die Zwischensequenzen zu verwenden, setzte Nuclearvision leider auf verwaschene, da niedrigauflösende Videos mit Gummipuppen-Ästhetik und teils zu leisen Stimmen.
ATI-Nutzer bekommen die 3D-Grafik übrigens erst seit dem im Oktober 2004 erschienenen Catalyst-Treiber Version 4.10 zu Gesicht, davor blieb der Bildschirm schwarz – laut Psychotoxic lag das Problem bei ATI. Damit könnte man noch leben, wären nicht die Abstürze, die im Test vorzugsweise während des Ladens eines neuen Levels auftraten und ein ständiges Speichern nötig machten. Außerdem kam es ein paarmal vor, dass Angie in der Umgebung stecken blieb und nicht mehr freikam – oder dass ein Grafikfehler dazu führte, dass Gegner hinter einer schwarzen Wand verschwanden und erst durch das nichts Gutes verheißende Mündungsfeuer entdeckt werden.
Das am 4. September 2004 erschienene Psychotoxic wurde vom Publisher Vidis zum 20. Dezember 2004 im Preis von 45,- auf 30,- Euro gesenkt.
Fazit: Wäre Psychotoxic Ende 2003 mit weniger Fehlern und von vorne herein zu einem günstigeren Preis erschienen, hätte es auf Grund interessanter Ansätze durchaus seine Chance gehabt. Auch mit der Preissenkung gibt es noch genügend andere Titel, die sich Shooter-Fans vorher anschauen können, bevor sie sich am unausgegorenen Psychotoxic versuchen. Weitere Patches sind laut Vidis zudem nicht zu erwarten, da Psychotoxic bisher nicht sonderlich erfolgreich war – daran wird wohl auch die im Grunde zu niedrig ausgefallene Preissenkung nicht viel ändern.