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Podcasting - Eigenes Radioprogramm für jeden

MP3-Webcasts zum Mitnehmen. RSS ist zu mehr in der Lage, als nur auf aktuelle Nachrichten hinzuweisen: Mit Podcasting hat in den letzten Monaten ein neuer Trend vor allem in der Blog-Szene zu einem regelrechten Hype geführt. Mit der Technik kann jedermann Audio-Inhalte zusammenstellen, die dann automatisch in die MP3-Player von Nutzern geschoben werden.
/ Christian Klaß
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Die Inhaltsflut an Musik und gesprochenem Wort ist - wie auch bei Blogs - sehr bunt und vielfältig: Da stellt ein Pärchen aus den USA "Die schlimmste Musik, die Sie je gehört haben" ins Netz - garantiert alles selbst geschrieben und eingespielt. Jeder kann sich das direkt auf seinen MP3-Player laden(öffnet im neuen Fenster) . Derartiges ist wohl nur mit einem oder sehr vielen guten Bieren zu ertragen. Wie man das selbst herstellt, verrät eine Vereinigung australischer Hobby-Braumeister ebenfalls per MP3-File(öffnet im neuen Fenster) .

Hinter all dem steckt Podcasting, eine Idee des Techno-Pioniers und Ex-MTV-Moderators Adam Curry(öffnet im neuen Fenster) . Er entwickelte im Sommer 2004 zunächst mit AppleScript die Anwendung "iPodder". Damit lassen sich Audio-Inhalte, die auf einem Webserver vorliegen, über RSS-Feeds automatisch herunterladen und in eine Musikbibliothek wie iTunes einpflegen sowie auf portable Geräte übertragen.

Zusammen mit einem MP3-Player wie dem iPod - daher der Name Podcasting - hat man im Endeffekt ein stets aktuelles Audio-Archiv zum Mitnehmen. Oder, in Dotcom-Deutsch: "Near-Audio-on-Demand." Ein iPod ist für das Empfangen von Podcasts inzwischen aber nicht mehr nötig, jeder MP3-Player funktioniert damit. Mit dem Podcasting verwandt ist das auf BitTorrent und RSS setzende Broadcatching , mit dem sich beliebige Inhalte aus RSSF-Feeds auf die Festplatte spülen lassen.

Das Konzept fand besonders in der Blogger-Szene schnell viele Anhänger, die ihre Tagebücher nun auch in der Form des gesprochenen Wortes festhielt. Inzwischen bieten, etwa über das deutsche Portal Podcast.de(öffnet im neuen Fenster) , auch zahlreiche Hobby-Radiomacher ihre Sendungen an. Doch auch die etablierten Medien haben den neuen Verbreitungsweg ihrer Inhalte bereits erkannt. Im Vorfeld der US-Wahl stellte etwa der Deutsche-Welle-Korrespondent Wolfgang Harrer(öffnet im neuen Fenster) seine Podcasts in Zusammenarbeit mit dem ZDF ins Netz.

Das Angebot an Podcasts ist inzwischen so vielfältig wie das Internet selbst. Neben Radio-Shows zu allen musikalischen Genres von Klassik bis Death Metal werden Hörbücher, Audio-Weblogs oder, jahreszeitlich aktuell, auch Weihnachtsgedichte geboten.

Neben selbst erstellten und mal mehr, mal weniger gut gelungenen Inhalten findet sich in den zahlreichen Podcasts inzwischen natürlich auch wieder rechtlich Fragwürdiges. So erstellt beispielsweise ein Programm namens "remote-dircaster" automatisch RSS-Feeds aus den Inhalten eines FTP-Verzeichnisses. Ob die darin gesammelten MP3-Dateien legal sind, kümmert das Programm freilich nicht.

Die derzeitige Podcast-Euphorie erinnert an die News-Push-Dienste wie Pointcast oder Avantgo Ende der neunziger Jahre. Der wesentliche Unterschied ist, dass die dem Podcasting zu Grunde liegenden Technologien aus der Community selbst entwickelt wurden und derzeit frei zur Verfügung stehen. So ist etwa Adam Currys iPodder inzwischen bei SourceForge als eigenständige Anwendung für MacOS und Windows und in einer Beta-Version auch für Linux bei Sourceforge erhältlich(öffnet im neuen Fenster) . [von Nico Ernst]


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