Test: Sony PSP - Kleines Display-Wunder zum Spielen und mehr

Offiziell wird die PSP in Japan für 26.040 Yen inklusive Steuer verkauft, was umgerechnet etwa 190,- Euro entspricht. Dank der Knappheit liegen die Preise im Importhandel auch schon mal doppelt bis dreimal so hoch - ohne Spiel wohlgemerkt. Analysten argwöhnen allerdings, dass Sony die Konsole deutlich unter den Produktionskosten verkauft und somit mit jedem Gerät Verlust macht; angeblich, um nicht deutlich teurer zu sein als Nintendos DS, das etwa ein Viertel günstiger ist.
Hält man die PSP das erste Mal in Händen, fällt zunächst das edle Design auf - hier hat Sony wirklich ganze Arbeit geleistet. Die schwarz glänzende Front vermittelt der PSP den Touch eines absoluten Hightech-Lifestyle-Gimmicks. Richtig ins Staunen kommt man dann, sobald die Konsole angeschaltet wird - das Display stellt alles in den Schatten, was bisher an mobilen Geräten zu haben war.
Die edel schimmernde Oberfläche des PSP hat allerdings auch einen gravierenden Nachteil: Fingerabdrücke machen sich äußerst sichtbar bemerkbar. Wer auf das durch eine Kuntsstoffschicht geschützte Display tatscht, bekommt dafür sofort die Quittung, um ein häufiges Putzen der Oberfläche kommt man somit nicht herum. Inwiefern das - im Gegensatz etwa zum Nintendo DS - nicht durch einen Klappmechanismus geschützte Display im Laufe der Zeit Schaden nehmen kann, konnten wir natürlich nach dem nur wenige Tage dauernden ersten Test nicht beurteilen; hierzu werden Langzeitbeurteilungen nötig sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte deshalb Display-Schutzfolie nutzen.
Überhaupt lässt sich über die Ergonomie durchaus streiten; auch die Bedienelemente sind so angebracht, dass sie nicht jedem zusagen. Der Großteil der Tasten ist dem PS2-Pad nachempfunden. So gibt es rechts die vier typischen Aktionstasten, unterhalb des Displays liegen der "Start"- und der "Select"-Button sowie die Lautstärkeregler. Auf der linken Seite gibt es neben den vier Richtungstasten, die mittig angebracht sind, auch einen sehr kleinen Analog-Stick. Dieser sitzt so weit unten, dass es schon eine kleine Daumenverrenkung ist, mit ihm zu spielen. Mit der Zeit gewöhnt man sich allerdings auch daran.
Das Hauptmenü der PSP erinnert grob an das Menü, das von der PlayStation 2 bekannt ist. Hier ist es unter anderem möglich, die Grundeinstellungen des Gerätes zu ändern oder aber Spiele, Filme, Fotos oder Musik zu starten. Grundsätzliches Datenmedium der PSP ist die so genannte UMD - die Universal Media Disc. Die sieht einer Minidisc sehr ähnlich - der Datenträger ist rund und steckt in einem Plastikgehäuse.
Per Schieberegler öffnet sich die mittig an der Rückseite des Gerätes angebrachte Klappe, in die sich die UMD einlegen lässt. Bisher sind nur Spiele auf UMDs erhältlich, Sony will allerdings zukünftig auch Filme auf diesen 1,8 GByte fassenden Datenträgern anbieten. Wer sich ein Gerät aus Japan importiert, sollte bedenken, dass es bei diesen Filmen - ähnlich wie bei DVDs - Regional-Codes geben soll; während Spiele wohl weltweit in einem einheitlichen Format angeboten werden und auf allen PSPs laufen, gilt dies für Filme wahrscheinlich leider nicht.
Ein erster Versuch, diesen für Filme und Videos eigentlich unterdimensionierten 32-MByte-Datenträger mit MP3s zu füllen und diese abzuspielen, schlug fehl - im Menü der PSP erhielten wir nur die Mitteilung, dass keine Soundfiles vorlägen. Des Rätsels Lösung war aber schnell gefunden: Der Memory Stick muss zunächst von der PSP selbst formatiert werden. Dabei wird dann eine Ordnerstruktur für Bilder, Musik und Filme angelegt, die dann mit Daten gefüllt werden kann.
Das Videoabspiel-Feature der PSP konnten wir leider nicht wirklich testen. Zwar ist das Handheld in der Lage, MPEG-4-Videos mit spezieller Kodierung (H.264 / AVC MP Level3) wiederzugeben. Eine zum Encoden derartiger Filme geeignete Sony-Software mit Namen "Image Converter 2" scheint es derzeit nur in Japanisch zu geben und kostenpflichtig zu sein - die Kodiereinstellungen für andere MPEG-4-Codecs konnten nicht aufgetrieben werden. Die Zwischensequenzen aus dem uns vorliegenden Spiel Ridge Racer machen allerdings deutlich, dass es ein wirklicher Genuss sein dürfte, Videos mit der PSP zu betrachten.
Wer Ridge Racer auf der PSP in Bewegung und nicht nur die vergrößerten Screenshots sehen will, kann einen Blick auf einen Sony-Videomitschnitt(öffnet im neuen Fenster) (MPEG-Format) werfen.
Als einer der größten Knackpunkte wurde im Vorfeld immer wieder die Akkulaufzeit der PSP genannt. Da uns keine Videos zur Verfügung standen, konnten wir leider nur Ridge Racer im Dauerbetrieb testen. Bei sehr hellem Display und mittlerer Lautstärke gab der Lithium-Ionen-Akku im Schnitt Strom für drei Stunden Spielspaß; ein eher mäßiger Wert, wobei noch bedacht werden muss, dass die WLAN-Funktion dabei ausgeschaltet war.
An weiteren Anschlüssen bietet die PSP übrigens noch einen Kopfhörerausgang und eine Infrarot-Schnittstelle. Letztere kann auch für eine bisher nicht erhältliche separate Fernbedienung genutzt werden. Die PSP soll in Europa voraussichtlich im März 2005 auf den Markt kommen; einen Preis für Deutschland nannte der Hersteller bisher nicht. Noch ist man also auf Importshops aus Asien angewiesen und muss aufgrund der hohen Nachfrage auch mit hohen Preisen leben.
Fazit:
Die PSP ist zweifellos ein verdammt gut aussehendes und ziemlich aufregendes Stück Technik. Ihr größtes Pfund ist das fantastische Display - kaum jemand wird nicht begeistert sein, wenn er das erste Mal diesen Detailgrad und die Bildschärfe zu Gesicht bekommt. Aber es gibt auch ernst zu nehmende Kritikpunkte - die Ergonomie scheint nicht perfekt zu sein, die Akkulaufzeiten sind ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei. Ob sich die PSP durchsetzt, wird zudem zu einem großen Teil auch davon abhängen, wie schnell tolle Software oder Filme für das Gerät verfügbar sind; die nächsten Wochen und Monate werden in dieser Hinsicht durchaus spannend sein.



