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Spieletest: Elite Starfighter - Elite-Klon weckt Erinnerung

Niedrigpreisspiel von Peppergames lässt Atmosphäre entweichen. Die Programmierer David Braben und Ian Bell machten 1984 mit der Weltraumsimulation Elite erstmals den nicht nur Star-Trek-Fans bekannten Satz "Der Weltraum, unendliche Weiten..." am Heimcomputer erlebbar. Peppergames hat mit dem Niedrigpreisspiel Elite Starfighter nun versucht, das alte Spiel nachzubilden und will Elite-Veteranen am PC neue Abenteuer erleben lassen.
/ Christian Klaß
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Wie David Brabens Meisterwerk aus 8-Bit-Zeiten kombiniert auch Elite Starfighter Weltraum-Action und Handelssimulation. Wie beim Ur-Elite startet man auch im Nachbau in einem unterbewaffneten und nur mit kleinem Laderaum ausgestatteten Handelsschiff der Cobra-Klasse, genauer gesagt einer Cobra MK4, während es im Ur-Elite nur die Cobra MK1 und MK3 gab. Mit dem Schiff gilt es nun erst einmal, auf der Raumstation im Orbit von Lave zu landen, um Waren zu kaufen und dann weiterzufliegen. Ein Intro oder eine Story gibt es nicht – das Handbuch gibt wenigstens ein paar Tipps zum Spiel, aber ist auch eher dürftig.

Schon beim ersten Landeanflug ist man verwundert, wie einfach das Andocken mit der Raumstation gelingt – bei Elite war es recht schwierig und ohne Landecomputer eine echte Herausforderung, da beim Anflug Geschwindigkeit und Rotation angepasst werden mussten. Andernfalls zerschellte man an der Station. Elite Starfighter ist da deutlich gnädiger – zu gnädig leider, denn es war uns möglich, bei voller Geschwindigkeit zu landen, selbst mit aktiviertem Nachbrenner (Taste J). Letzteres führte dazu, dass das Schiff außerhalb der Station kreiste und dennoch das Handelsmenü der Station eingeblendet wurde.

Wenigstens erklingt beim Landeanflug aber der Donauwalzer, der allerdings in Elite besser zu den ehrfurchtgebietenden Raumstationen passte. Dafür gibt es dann aber recht ordentlichen Funkverkehr zu belauschen, sei es von Polizeischiffen, die nach illegalen Gütern suchen, von anderen Händlern oder Piraten. Grafisch bietet Elite Starfighter natürlich deutlich mehr als das Urspiel, das nur Drahtgitter-Modelle aufwies.

Das Spiel muss sich aber heutzutage auch eher mit "X2 – Die Bedrohung" von Ego-Soft oder Freelancer von Microsoft messen – nur dass es sich bei diesen beiden um Vollpreisspiele handelt und ein Vergleich deshalb ungerecht wäre. Gut gelungen ist dem Team zwar die Planetendarstellung – die vom Design her an die alten Elite-Objekte angenäherten Raumstationen und Schiffe könnten aber deutlich aufwendigere Texturen und ein paar mehr Details vertragen.

Wie beim Ur-Elite springt man in Elite Starfighter von Sternensystem zu Sternensystem und versucht etwa, Industrieplaneten Nahrung zu verkaufen, während Agrarplaneten in der Regel Bedarf an Computern haben. Insgesamt wirkt der Handelssimulationsteil von Elite Starfighter aber eher schwach – auch ein wiederholtes Wechseln zwischen verschiedenen Raumstationen und das Handeln mit den immer gleichen Waren führte im Test nicht zu nennenswerten Veränderungen der Preise.

Der Kitzel beim Handeln kommt dabei nicht wirklich auf – zumal man selbst bei voller Ladung nicht mit Horden von hartnäckigen Piraten zu kämpfen hat, diese lassen einen nämlich meist in Ruhe. Wenn nicht, lässt man sie mit dem Nachbrenner schnell hinter sich. Zumal man ja den Raumstationshangar sehr leicht trifft. Wirkliche Stimmung kommt beim Raumflug also leider kaum auf.

Stück für Stück verdient man sich sein Geld dazu und kann das eigene Schiff mit besseren Waffen, einem Schildgenerator und einem Greifer bzw. Traktorstrahl aufrüsten. Dies geschieht, wie auch der Handel, in der Raumstation. Störend ist dabei, dass das eigene Schiff permanent unter den Listen für Handelsgüter und Raumschiffausrüstung rotierend dargestellt wird, was doch mitunter ablenkt. Ein komplettes Verkaufen oder Kaufen des gesamtes Bestandes einer Sorte Handelsgüter ist leider nicht möglich, so dass sehr viel mit der Maus herumgeklickt werden muss.

Das Spiel für Windows-PC verkauft Peppergames seit Ende November 2004 für rund 15,- Euro, kurz nach Erscheinen gab es bereits einen ersten Patch, der verschiedene Probleme beseitigte. Am gestrigen 16. Dezember 2004 erschien noch der Patch auf die Spielversion 1.3, mit einem Weihnachts-Patch sollen dann noch die Flugzeiten zur Raumstation vergrößert und ein Kritikpunkt beseitigt werden.

Fazit:
Elite Starfighter schafft es nicht, die Stimmung des etwa 20 Jahre alten Vorbildes Elite einzufangen. Dazu wäre, auch bei einem Niedrigpreisspiel, im Vorfeld etwas mehr Sorgfalt und weniger das ständige, aber immerhin erfolgende Nachbessern vonnöten gewesen. Wer echtes Elite-Feeling haben will, hat zum Glück genügend andere Möglichkeiten: Die echten Elite-Nachfolger "Frontier: Elite II" und "Frontiers: First Encounters" sind als DOS-Versionen mittlerweile Shareware(öffnet im neuen Fenster) und können 30 Tage getestet werden – und es gibt mit Ego-Softs X- und X2-Spielen eine Weltraum-Action-Handels-Strategie-Herausforderung, die bis zur Veröffentlichung des sehnlichst erwarteten Elite 4 bei Laune halten dürfte.


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