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GeForce 6200 mit "TurboCache" für Lowcost-Grafik

Kleiner Onboard-Speicher wird durch Hauptspeicher ergänzt. Als Alternative zu lahmer Onboard-Grafik bringt Nvidia jetzt sein Konzept "TurboCache" auf den Markt. Dahinter verbirgt sich eine Lowcost-Karte, die nur über einen kleinen eigenen Speicher verfügt und dennoch gute Leistungen bringen soll.
/ Christian Klaß
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Das Problem ist bekannt: Auf modernen Grafikkarten ist der Speicher mehr als doppelt so schnell wie der Hauptspeicher des Rechners. Die Texturen in den Hauptspeicher auzulagern, obwohl schon zu AGP-Zeiten möglich, ist deshalb unter Spiele-Entwicklern zurecht verpönt. Zudem war es mit AGP deutlich langsamer, Daten aus dem Speicher der Grafikkarte in den Systemspeicher zurückzulesen – für moderne Shader-Programme ist dies aber eine Pflichtübung.

Diese Beschränkung ist mit PCI-Express aufgehoben, so dass nun die eigentlich alte Idee der Grafikkarte mit sehr wenig eigenem Speicher wieder aufgegriffen wird. Anders als bei AGP-Lösungen wird der Hauptspeicher nicht bei Start der Anwendung statisch belegt. Nvidia will immer nur freie Speicherseiten allozieren und bei Bedarf auch wieder freigeben.

Ab Januar 2005 will Nvidia die "GeForce 6200 with TurboCache Technology" auf den Markt bringen. Je nach Speicherausstattung von 16, 32 oder 64 MByte soll sie zwischen 129,- Dollar und zu Preisen deutlich unter 100,- Dollar zu haben sein – so billig ist derzeit keine PCI-Express-Karte mit voller DirectX-9-Funktionalität zu haben.

In der Tat verspricht Nvidia für den mit 350 MHz getakteten Chip volle Kompatibilität zum Shader-Model-3.0. Interessant ist in dieser Preisklasse auch, dass die Karte je nach Ausstattung auch VGA-, DVI- und S-Video-Ausgang mitbringen kann – ebenfalls ein Novum in dieser Preisklasse. Damit können die PC-Hersteller diese Schnittstellen nun auch in sehr preiswerten PCs anbieten. Für Mini-Systeme und Geräusch-Allergiker ist ebenfalls reizvoll, dass der Chip passiv gekühlt wird.

Technisch gelöst hat Nvidia seine zum Patent angemeldete Turbo-Cache-Architektur, indem der Speicher der Karte im Wesentlichen nur noch für den Framebuffer selbst genutzt wird. Eine Texturierung im PC-Hauptspeicher spart Logik in der GPU und teure RAM-Bausteine auf der Karte. Allerdings setzt die Größe des Cache auch der Leistung Grenzen – zumal der Chip bei 16 oder 32 MByte Cache nur 128 MByte adressiert, erst mit 64 MByte sind 256 MByte vorgesehen. Im Idealfall mit 64 MByte Cache sollen noch Transferraten von bis zu 13,6 GByte pro Sekunde erreicht werden, bei 32 MByte nur noch 10,8 GByte/s. Ebenso ist die Technologie natürlich von der Systemleistung und hier insbesondere dem Chipsatz abhängig. Gegenüber Intels i915 will Nvidia mit dem hauseigenen nForce4 über 10 Prozent mehr Leistung erzielt haben.

Neben der integrierten Grafik der Chipsätze sieht Nvidia vor allem ATIs X300-Serie als Hauptkonkurrenten für den GeForce 6200. In einem vergleichenden Benchmark des Grafikgiganten soll der i915 1.400 Punkte im 3DMark03 (1.024 x 768, ohne Antialiasing und anisotropische Filterung) erreicht haben, der 6200 mit 64 MByte ganze 2.965 Punkte. Der Radeon X300SE, immerhin auch noch um 90 Euro zu haben, kam nur auf 1.779 Punkte. Allerdings war das Testsystem mit dem Pentium 4 3,4 GHz Extreme Edition auch mit einer rund 1.000,- Euro teuren CPU bestückt.

In weiteren Nvidia-Tests auf diesem System konnte der 6200 den X300SE zum Teil um 25 Prozent schlagen (Aquamark3, UT2003), vor allem bei aktuellen Spielen wie Doom3 und FarCry mit ihren enorm großen Texturen lag die Lösung aber nur gleichauf mit der Karte, die über einen großen eigenen Speicher verfügt.

Abzuwarten bleibt, wie sich der 6200 in bezahlbaren Systemen schlägt – die Onboard-Grafik solcher Rechner dürfte er allemal schlagen. Dass Kunden demnächst auch Schnäppchen-PCs mit "GeForce 6200 Grafikkarte" angeboten bekommen werden, steht außer Frage – auch Medion will den Chip verbauen. Daneben haben sich alle großen Grafikkarten-Hersteller wie Asus, Gigabyte und MSI zum Bau von TurboCache-Karten verpflichtet. In Zukunft gilt es also, auch auf die Größe des TurboCache zu achten – dass ein PC-Hersteller freiwillig die Zahl von nur 16 MByte Grafikspeicher prominent in sein Angebot stellt, erscheint mehr als fraglich.

ATI ließ vor einigen Wochen am Rande einer Presseveranstaltung bereits durchblicken, dass man mit " HyperMemory " ebenfalls ein zum TurboCache ähnliches Verfahren in petto hat. Ob und wann dieses jedoch erscheinen soll, ist noch unklar. [von Nico Ernst]


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