Netscape: Firefox und Internet Explorer unter einem Dach
Mit der kommenden Version wird es erstmals mit Netscape möglich sein, entweder mit der Gecko-Engine aus Mozilla, Firefox und Co oder mit der Rendering-Engine vom Internet Explorer durch das Internet zu surfen. Mit der Integration der IE-Rendering-Engine will AOL dem Nutzer die Wahl geben, mit welchem Browser der Nutzer das Internet besucht.
Von Firefox 1.0 übernimmt der Netscape-Browser die wesentlichen Funktionen wie Pop-Up-Blocker, Tabbed-Browsing, Kennwort-Manager, Suchleiste und einen RSS-Reader. Auch das Optionen-Menü ähnelt in Aufbau und Struktur dem, was man von Firefox kennt. Zur Konfiguration der Tabbed-Browsing-Funktion wurden zahlreiche weitere Einstellungen hinzugefügt, die in einem separaten Unterpunkt zusammengefasst sind.
Ein weiterer, neuer Konfigurationspunkt lautet "Site Control" und bestimmt das Verhalten von Netscape auf unterschiedlichen Webseiten. An dieser Stelle legt man fest, ob für die Anzeige einer Webseite die Gecko-Engine oder der Internet Explorer verwendet werden soll. Auch verschiedene Sicherheitseinstellungen können hier vorgenommen werden. Innerhalb der neu gestalteten Netscape-Oberfläche steht eine Möglichkeit bereit, eine aktuell geöffnete Webseite mit dem Internet Explorer anzuzeigen, anstatt die Gecko-Engine zu verwenden. Diese Einstellung merkt sich Netscape automatisch, so dass bei einem erneuten Besuch der betreffenden Seite automatisch der Internet Explorer für das Seiten-Rendering genutzt wird.
Die aktuelle Netscape-Version wird nicht mehr bei AOL entwickelt, sondern stattdessen von dem kanadischen Unternehmen Mercurial Communications(öffnet im neuen Fenster) programmiert. Obwohl die aktuelle Vorabversion noch auf Firefox 0.9.3 setzt, soll die fertige Version von Netscape auf Firefox 1.0 beruhen. Derzeit ist nicht klar, ob Netscape in der Final-Version nur für die Windows-Plattform erscheinen wird oder ob der Browser dann ohne Internet-Explorer-Integration auch wie bisher für Linux und MacOS X angeboten wird.
Um an die aktuelle, nicht öffentliche Vorabversion von Netscape für die Windows-Plattform zu gelangen, muss man sich bei Netscape anmelden, allerdings war die entsprechende Seite(öffnet im neuen Fenster) bis Redaktionsschluss nicht erreichbar. In Kürze will AOL auch eine offiziell verfügbare Beta-Version von Netscape anbieten.
Seit dem Erscheinen von Firefox 1.0 wurden in den vergangenen drei Wochen 7,5 Millionen Exemplare des Browser heruntergeladen. Die Vorabversionen kamen nach sieben Wochen erst auf eine solche Download-Zahl.
Kommentar:
Fraglich bleibt, ob sich AOL mit der Internet-Explorer-Integration in Netscape tatsächlich einen Gefallen tut. Denn bislang wurde Netscape in Unternehmen unter anderem eingesetzt, um nicht den Internet Explorer zu verwenden und sich nicht den damit einhergehenden Sicherheitsrisiken auszusetzen. Diesen Vorzug verspielt AOL hier durch die Internet-Explorer-Einbindung.
Aus Bequemlichkeit vieler Anwender ist zudem zu erwarten, dass die Internet-Explorer-Option in Netscape schnell zur Standardeinstellung wird, da immer noch zahlreiche Webseiten an Web-Standards vorbei programmiert und speziell an den Internet Explorer angepasst wurden. Dies würde langfristig die Marktdominanz vom Internet Explorer weiter stärken, anstatt die Unterstützung von Web-Standards zu fördern.
Nachtrag vom 1. Dezember 2004 um 13:38 Uhr:
Die Spenden-Sammlung für eine Zeitungs-Annonce zu Firefox 1.0 ist bereits seit einer Weile vorbei; nun kann das Ergebnis in Kürze begutachtet werden: Wie soeben bekannt wurde, wird bereits am morgigen 2. Dezember 2004 die Annonce in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf Seite 21 erscheinen. Wer sich bereits einen Eindruck der Firefox-Anzeige machen will, kann diese als PDF-Dokument(öffnet im neuen Fenster) einsehen.



