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Reaktion auf Treo-650-Speicher - Erklärung zu Flash-Speicher

Upgrade soll Speicherschwund verringern; palmOne verteilt kostenlose SD-Card. Kurze Zeit nachdem die PalmOS-Smartphones Treo 650 in den USA erhältlich waren, hat sich eine hitzige Debatte um den internen Speicher von 22 MByte entwickelt, weil dieser Wert in der Praxis deutlich darunter liegt. Der Hersteller palmOne hat darauf nun reagiert und stellt ein Upgrade des Betriebssystems in Aussicht, um den Speicherschwund weniger groß ausfallen zu lassen. In diesem Zuge machte palmOne erstmals Angaben zur Arbeitsweise des neuen Speichertyps.
/ Ingo Pakalski
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Durch den Aufruhr um den Treo-650-Speicher hat palmOne einen Knowledge-Base-Artikel(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht, der erstmals genaue Angaben zur Arbeitsweise des nicht flüchtigen Flash-Speichers gibt, wie er im Treo 650 und auch im Tungsten T5 steckt. Bislang waren von palmOne keine Angaben dazu zu bekommen, so dass technikinteressierte Kunden diesbezüglich im Dunkeln tappten.

Der nicht flüchtige Flash-Speicher funktioniert demnach, wie man es von einer Festplatte in einem normalen Rechner gewohnt ist. Applikationen im Flash-Speicher werden ins RAM geladen und dann darin ausgeführt. Bisher war nicht einmal bekannt, dass auch der Tungsten T5 und der Treo 650 mit herkömmlichem RAM bestückt sind. Im Falle des Treo 650 ist der interne RAM 10 MByte groß und genügt für das Ausführen der meisten PalmOS-Applikationen.

Im Folgenden werden die palmOne-Modelle Treo 650 und Tungsten T5 als Flash-Modelle bezeichnet, auch wenn in diesen zusätzlich RAM steckt. Umgekehrt nennen wir herkömmliche PalmOS-Geräte ohne einen solchen Speicherbereich RAM-Geräte, auch wenn in diesen natürlich ein Flash-Speicher residiert, wo das Betriebssystem untergebracht ist.

Die festplattenähnliche Arbeitsweise des Flash-Speichers erklärt auch, warum der Programmstart von Applikationen auf Flash-Geräten doch ein Stück länger dauern kann als man es von RAM-Geräten gewohnt ist. Zwar gilt das oft nur für einen ersten Programmaufruf, weil dann offenbar die Applikation bei einem erneuten Aufruf aus dem RAM geladen wird, sofern diese sich noch darin befindet. Im direkten Vergleich zu einem RAM-Modell kann also der Programmstart eines Flash-Geräts deutlich länger dauern. Während ein RAM-Gerät die meisten Applikationen sofort aufruft, kann es bei Flash-Geräten zu einer im direkten Vergleich deutlichen Verzögerung von 1 bis 2 Sekunden kommen.

Diese Arbeitsweise führt dazu, dass einige Applikationen für die neuen Flash-Geräte erst ein Update erfordern, um den Flash-Speicher entsprechend zu unterstützen, wozu derzeit unter anderem SnapperMail und DateBk5 gehören. Die Probleme resultieren aus dem Einsatz des Flash-Speichers und haben nichts mit der Größenbeschränkung des RAM zu tun. Nach palmOne-Angaben könnten Applikationen aber auch damit Probleme haben, dass der RAM nur 10 MByte groß ist, so dass entsprechende Applikationen aktualisiert werden müssen.

Da der Programmspeicher in den Flash-Geräten aus nicht flüchtigem Flash-Speicher besteht, bleiben Daten und Programme auch bei einem leeren Akku erhalten, weil dieser Speichertyp keine ununterbrochene Stromversorgung benötigt, um die darin abgelegten Daten zu speichern. Allerdings hat Flash-Speicher den Nachteil, dass im Unterschied zu RAM ein Dateisystem verwendet wird.

In diesem Fall ist es ein FAT-Dateisystem, das als kleinste Organisationseinheit mit 512 Byte großen Clustern arbeitet, was verhindert, dass die nutzbare Speichermenge von 22 MByte im Treo 650 in der Praxis voll verwendet werden kann. Denn Dateien, die kleiner als 512 Byte sind, belegen immer einen ganzen Cluster, während der übrige Speicherplatz dieses Clusters ungenutzt bleibt. Dies verringert die Gesamtkapazität des Speichers dann entsprechend.

Die Cluster-Speicherung gilt nicht nur für Applikationen, sondern auch für alle Termine, Adressen, Notizen und Aufgaben, was zu einem entsprechen drastischen Speicherschwund führt. Denn diese Art von Daten benötigen in der Regel deutlich weniger Speicher als 512 Byte, so dass auf einem Flash-Gerät jeder Termin, jede Adresse und jede Aufgabe sowie jede Notiz nun mindestens 512 Byte Speicher belegt.

In einer Beispielrechnung von palmOne belegen 200 Aufgaben auf einem RAM-Gerät 10 KByte, während die gleiche Anzahl an Aufgaben auf einem Flash-Modell schon 100 KByte belegen, was eine Verzehnfachung bedeutet. Bei Terminen und Adressen hat der Hersteller eine im Schnitt drei- bis viermal so starke Speicherbelegung errechnet, während erwartungsgemäß der geringste Schwund bei den Merkzetteln zu verzeichnen ist, da sich darin in der Regel deutlich mehr Daten als in Adressen oder Terminen befinden. Insgesamt dürften die PIM-Daten damit im Schnitt drei- bis viermal mehr Speicher auf einem Flash-Modell als auf einem RAM-Gerät verbrauchen. Je nach Anwender kann der Speicherschwund aber auch deutlich größer sein, besonders wenn mehr Termine, Aufgaben und Adressen als in der Beispielrechnung von palmOne verwendet werden.

Wie bereits erste Anwenderberichte von Treo-650-Kunden aus den USA zeigten, kann man davon ausgehen, dass man von dem Speicher im Treo 650 im Schnitt 30 Prozent abziehen kann, um auf den tatsächlich nutzbaren Speicher zu kommen. Die Angaben von palmOne beziehen sich auf den Speicherplatz, den Applikationen auf einem RAM-Gerät belegen, bei dem man 33 Prozent hinzuaddieren müsse, um die Belegung auf einem Flash-Gerät zu ermitteln.

Als Reaktion auf den Missmut der Kunden über den bislang von palmOne nicht kommunizierten Speicherschwund hat der Hersteller ein Upgrade des Betriebssystems in Aussicht gestellt, was den in der Praxis nutzbaren Speicher erhöhen soll. Mit welchen Mechanismen das umgesetzt werden soll, ist noch nicht bekannt. Denkbar wäre hier, dass die Termine, Adressen, Aufgaben und Notizen in jeweils einer Datei abgelegt werden, so dass nicht mehr ein Cluster von 512 Byte für jeden Eintrag verschwendet wird. Ein Erscheinungstermin für ein Upgrade wurde noch nicht genannt. Kunden, die bereits einen Treo 650 besitzen, erhalten von palmOne demnächst als Art Wiedergutmachung kostenlos eine SD-Card mit 128 MByte, um darauf Applikationen auslagern zu können.

Auch wenn palmOne nun alles tut, um seine Kunden zu besänftigen, stellt sich doch die Frage, warum der Hersteller erst jetzt Auskunft zur Arbeitsweise des Flash-Speichers gegeben hat. Man hätte die nachvollziehbare Verärgerung der Kunden leicht verhindern können, wenn man bereits zur Produktvorstellung auf diesen Umstand hingewiesen und die Kunden im Vorfeld informiert hätte. Stattdessen entschied man sich bei palmOne, diese Nachteile für den Kunden zu verschweigen. Auch eine gezielte Nachfrage von Golem.de bei palmOne zur Arbeitsweise des Flash-Speichers im Tungsten T5 – dem ersten palmOne-Gerät mit dem neuen Speichertyp – blieb von palmOne bislang unbeantwortet.

Nachtrag vom 26. November 2004 um 16:40 Uhr:
Auf einem Tungsten T5 konnten die von palmOne gemachten Angaben zu dem erhöhten Speicherverbrauch auf einem Flash-Gerät im Vergleich zu einem RAM-Gerät zum Teil bestätigt werden. Dies gilt zumindest für Aufgaben, Adressen und Merkzettel. Bei Termineinträgen klaffte hingegen eine gewaltige Lücke zwischen den palmOne-Angaben und einem Praxiswert. Eine stark genutzte Kalenderdadatenbank mit einem Volumen von 142 KByte belegt auf einem Tungsten T5 satte 1,5 MByte – damit wird auf einem Flash-Gerät für Kalendereinträge 10 Mal mehr Speicher belegt wie auf einem RAM-Gerät.


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