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Spieletest: Medal of Honor Pacific Assault

Viel Licht und etwas Schatten. Der neue EA-Shooter Medal of Honor Pacific Assault spielt getreu seinem Titel nicht auf dem europäischen Kriegsschauplatz, sondern wendet sich dem pazifischen zu, auf dem man sich als amerikanischer GI den japanischen Truppen entgegenstellen muss.
/ Andreas Donath
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Gegenüber dem ursprünglichen Medal of Honor, das im Zweiten Weltkrieg in Europa spielte, ist nun eine deutlich verbesserte Grafik hinzugekommen und auch am Spielprinzip wurde einiges geändert. So ist man zwar weiterhin mit einem mehr oder minder großen Trupp Soldaten unterwegs, man kann sie jedoch an manchen Stellen des Spiels auch mit ein paar simplen Kommandos befehligen.

Neben Sperrfeuer kann man Rückzug, Vorwärtsstürmen und Sammeln veranlassen, nicht jedoch auf Ebene einzelner Soldaten und erst recht nicht auf bestimmte Punkte auf der Karte bezogen. Die Steuerung erfolgt in der Grundeinstellung mit dem Cursortastenblock, während man mit der anderen Hand die eigene Spielfigur mit der üblichen W-A-S-D-Tastenfeldsteuerung durch die Gegend schickt. Die Blickrichtung, das Feuern sowie den Waffenwechsel erledigt man wie üblich mit der Maus.

Auch wenn sich das Taktikfeature kompliziert anhört, ist es recht intuitiv verwendbar - allerdings auch fast überflüssig. Im Spiel ist die Benutzung praktisch nie notwendig, da die eigenen Soldaten auch ohne Spielereingriff recht vernünftig agieren und zum Erfolg der Mission beitragen. Ein herbeirufbarer Sanitäter ersetzt die sonst genreüblichen, umherliegenden Verbandspäckchen.

Die Grafik des Spiels hinterlässt, um dies gleich vorwegzunehmen, einen durchaus guten Eindruck. Auf höchster Detailstufe, die allerdings einen sehr schnellen Rechner samt ebensolcher Grafikkarte erfordert, sind die einzelnen Gesichtspartien der Soldaten animiert, die in den Zwischensequenzen besonders gut beobachtet werden können - während des Spiels ist man eher damit beschäftigt, sich der anstürmenden Feinde zu entledigen als Charakterstudien anzufertigen. Auch die Animation der Personen und Gegenstände bietet keinen Grund zum Tadel - allerdings hätten es schon ein paar mehr Varianten der anstürmenden Fußsoldaten sein können, um etwas Abwechslung in das Spiel zu bringen.

Besonders die Explosionen und davon abgeleiteten Begleiterscheinungen wie einstürzende Bauten und herumwirbelnde Fahrzeuge sind äußerst beeindruckend und ein Ergebnis der erstmalig eingesetzten Havok-2-Physik-Engine.

Sehr ungünstig ist mitunter die Vegetation gestaltet - besonders in den Dschungelszenen bei Nacht sieht man vor lauter Blätterwerk den Feind nicht, obwohl dieser scheinbar überhaupt keine Probleme hat, unsere Männer auszumachen und zu bekämpfen.

Die Einzelplayerkampagne beginnt unvermittelt mit einer Landungsmission, bei der die Hauptperson, der Private Tom Conlin, verwundet wird und sich dann an sein Ausbildungscamp und alle Missionen, die davor lagen, zurückerinnert. Es ist für den Einsteiger recht schwer zu verstehen, dass man die erste Mission gar nicht gewinnen kann, sondern unumgänglich danach im Ausbildungslager anfängt, danach nach Pearl Habour versetzt wird, wo die Geschichte bekanntlich ihren Lauf nimmt.

Es soll an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden, aber das Spiel führt von dem berühmten Marinestützpunkt hinein in Dschungelmissionen, Sabotageaktionen und Landungsmissionen. Insgesamt sind in der Einzelspielerkampagne 25 Level an sieben verschiedenen Orten zu bewältigen.

Im Spiel fällt trotz aller Beteuerungen des Herstellers schnell auf, dass es immer noch stark auf vorher festgelegten, gescripteten Ereignissen basiert, die bespielsweise beim Durchschreiten eines fest definierten Punktes ausgelöst werden, so dass man sich manchmal wie auf einer Geisterbahn vorkommt. Dies wäre nicht weiter schlimm, wenn sich daraus nicht auch Probleme ergeben würden, wenn man aus Versehen einen leicht anderen Weg nimmt, als von den Spieledesignern vorgesehen. In einer Situation konnten wir sogar feststellen, dass die automatischen Speicherpunkte, die innerhalb der Missionen verstreut sind, verhindern, dass man in der vorgesehenen Zeit einen abgeschossenen Piloten retten konnte.

In manchen Missionen kann man auch Fahrzeuge wie Boote, Jeeps, Flaks und schwere MGs und sogar Flugzeuge benutzen. Die Steuerung ist bis auf die des Flugzeugs schnell intuitiv nutzbar. Auf jeden Fall sorgen diese Möglichkeiten für den unrealistischen Eindruck, man würde den Krieg mit seiner Hand voll Männer fast alleine gewinnen können. Die Gegner stellen sich teils recht geschickt an und versuchen sogar, den Spieler und seine Einheit zu flankieren, wenn ein Frontalangriff nicht erfolgreich ist. Sie fliehen auch gelegentlich, wenn der Angriff sich als wenig Erfolg versprechend herausstellt.

Die Geräuschkulisse, die den Vorspann-Informationen nach zu urteilen sogar THX- zertifiziert ist, erschlägt den Spieler, sofern er eine Mehrkanalton-Anlage sein Eigen nennt, förmlich mit Explosionsgeräuschen, einem melodramatisch-patriotischen Soundtrack und den mitunter leider asynchron zu den Gesichtsbewegungen auf Deutsch übersetzten Dialogen der Darsteller. Hier wäre etwas mehr Feintuning angesagt gewesen.

Im Spiel kann man zudem einen ganzen Sack voll Handfeuerwaffen, Maschinenpistolen, Handgranaten, Sprengstoffpaketen und ein Fernglas benutzen, wobei man immer auf den Munitionsvorrat achten sollte, damit es mitten im feindlichen Angriff nicht nur noch leise "Klick" macht.

Der Multiplayer-Modus von Medal of Honor Pacific Assault bietet verschiedene Spielerklassen an, darunter den gemeinen Fußsoldaten, der recht gesundheitsstark und mit mittelmäßigen Waffen ausgestattet ist.

Der Sanitäter kann mit seinen Medipacs andere Spieler heilen und ist ebenfalls leicht bewaffnet. Der Pionier besitzt die Möglichkeit, Sprengsätze und Minen zu legen und zu entschärfen. Dazu kommt noch ein Waffentechniker, der die Spieler mit Munition versorgt und Sprengsätze legen und entschärfen kann.

Fazit:
Wären da nicht die langen Ladezeiten, das teilweise etwas hakelige Scripting, die überflüssige Mitspielersteuerung und die schlechte deutsche Synchronisation, wäre Medal of Honor Pacific Assault ein Spitzenspiel geworden. Dennoch ist es ein atmosphärisch packendes Spiel geworden, das auch auf Grund des Multiplayermodus mit Langzeitmotivation aufwarten kann. Vielleicht verbessert der soeben erschienene Patch (ca. 60 MByte) die einzelnen Punkte ein wenig. Leider erschien er für unseren Test etwas spät, so dass wir das ganze Spiel noch einmal hätten durchspielen müssen, um die leider kaum dokumentierten Änderungen im Single-Player-Modus erfahren zu können.


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