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Half-Life 2: Massenlöschung bei Steam - verärgerte Kunden

Valve steckt weiter Kritik für Online-Distributionsplattform ein. Valve hat in seinem Download-Dienst Steam 20.000 Accounts deaktiviert, denen gefälschte Half-Life-2-CD-Keys zugeordnet waren. Unterdessen reißt die Kritik an Steam nicht ab – viele Nutzer fühlen sich dadurch gegängelt, zum Half-Life-2-Spielen kurzzeitig online gehen zu müssen, das Spiel nur bedingt verleihen und derzeit auch gar nicht weiterverkaufen zu dürfen und haben sich schon bei Verbraucherschützern beschwert.
/ Christian Klaß
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Von der Massenlöschung bei Steam sollen Valve zufolge auch einige wenige Spieler betroffen sein, die zwar Half-Life 2 besitzen, aber dennoch einen gefälschten Schlüssel einsetzten. Im Steam-Forum erklärten einige Steam-Nutzer, ohne Grund gesperrt worden zu sein. Spielern mit legitimem CD-Key stehe es aber frei, sich einen neuen Account zuzulegen, um dann damit wieder Zugriff auf Steam zu bekommen.

"[...], die Leute deren Accounts wir deaktiviert haben, versuchten etwas im Wert von etwa 50 US-Dollar zu stehlen. 20.000 Accounts à 50 US-Dollar – das sind eine Million US-Dollar an illegalen Versuchen. Das ist schwer zu ignorieren" , so ein Valve-Support-Mitarbeiter ("Waldo") im Steam-Forum. Um Gerüchten entgegenzuwirken, wies Valve zudem deutlich darauf hin, dass man keine fingierten Raubkopien oder CD-Keys veröffentliche, um damit Neugierige zu fassen.

Valve warnt nicht nur davor, im Netz aufgetauchte CD-Keys zu verwenden, sondern weist auch darauf hin, dass man keine Steam-Accounts (Half-Life 2) von eBay erwerben sollte. Die Nutzungsbestimmung würde einerseits den Verkauf von Steam untersagen, andererseits handle es sich um gestohlene Accounts oder solche, die mit gestohlenen Kreditkarten eröffnet wurden. Valve will bereits eine Zusage seitens eBay haben, dass sie in den entsprechenden Fällen Betrogenen nicht helfen würden, da keine Ware physikalisch den Besitzer gewechselt hätte.

Nun ist es aber derzeit auch nicht möglich, Half-Life 2 nach dem Fertigspielen weiterzuverkaufen, denn es lassen sich CD-Keys bisher nicht an andere übertragen. Im Support-Bereich steht zwar, dass dies derzeit nicht möglich ist, es wird aber auch nicht angegeben, ob und wann diese Möglichkeit vorgesehen ist. Ehrlichen Kunden wird es also sehr schwer gemacht, Half-Life 2 und wohl auch künftige Steam-Titel gebraucht anzubieten, um weitere neue Spiele erwerben zu können. Unmöglich ist es nicht, doch der Weg ist teuer, umständlich und könnte den Account des Verkäufers gefährden – man kann den original CD-Key und die Original-CD an Valve senden, um sich gegen eine Gebühr von 10,- US-Dollar einen neuen CD-Key zukommen zu lassen.

Immerhin eines ist jedoch möglich und positiv zu bewerten: Valve erlaubt es, dass ein Steam-Account auf mehreren Rechnern installiert wird. Half-Life 2 kann damit zum Beispiel zu Hause auf dem PC, auf Arbeit und bei einem Freund gespielt werden – wobei Steam darauf achtet, dass das Spiel nicht auf allen Rechnern gleichzeitig, sondern nur auf einem Rechner gespielt wird. Damit ist so eine Art Verleih möglich, wenn man denn dem Freund traut, mit dem Account keinen Schindluder zu treiben.

Ohne Internetverbindung ist man mit Half-Life 2 weiter aufgeschmissen – es sei denn, man meldet sein Spiel auf einem anderen am Internet hängenden PC bei Steam an, erstellt ein Backup per Steam-Backup-Funktion und speichert dieses gemeinsam mit einer durch die Anmeldung erstellten Aktivierungsdatei auf den Rechner ohne Internetanschluss. Alternativ muss man den Rechner zu einem Freund schleppen – auch nicht gerade bequem. Wenig Spaß haben auch Modem-Nutzer, da Steam noch einige Daten auf den PC herunterlädt und so etwas Wartezeit anfällt. Für das weitere Spielen ist dann keine Internetverbindung nötig, sofern die Software mitbekommt, dass sie nicht ins Netz kommt, die anfallende Wartezeit lässt sich nur bei Deaktivierung der Netzwerkunterstützung verkürzen, so Valve.

Der Großteil der Probleme, die Spieler Valve mitteilen, soll jedoch anderer Natur sein: 95 Prozent der Support-Anfragen drehen sich um die mitunter stockende Sound-Ausgabe des Spiels ("Audio-Stuttering" ), Lesefehler ("Memory Read") und Probleme mit dem SecuRom-Kopierschutz der CDs. Die restlichen 5 Prozent der Support-Anfragen entfallen auf Beschwerden wegen der Notwendigkeit, Steam für Half-Life 2 nutzen zu müssen, die Frage, wie der Offline-Modus aktiviert wird und Account-Probleme. Darunter fallen auch Kreditkarten-Abrechnungsprobleme, denn Valve verhindert im Moment den Erwerb mehrerer Lizenzen über eine Kreditkartennummer, um Kreditkartenbetrügern das Handwerk zu erschweren. Doch auch sonst läuft noch nicht alles rund, auch wenn die Server nicht mehr überlastet scheinen. Der Autor dieses Artikels wartet z.B. nach etwa einer Woche noch auf das Upgrade vom ATI Coupon zum Silber-Paket, um Half-Life: Source endlich anschauen zu können.

Der Spielepublisher Vivendi Universal Games (VU Games), der Half-Life 2 für Valve im Einzelhandel verkauft, äußerte sich auf für deutsche Nutzer interessante Fragen gegenüber Golem.de bisher nur zögerlich bis gar nicht. Die Anwälte von VU Games und Valve streiten in den USA zwar gerade wegen des Steam-Service, der es Valve ermöglichen könnte, unabhängiger von Publishern zu werden und zudem weiteren Spieleentwicklern als Verkaufs- und Support-Plattform offen steht. Dahinter wird sich VU Games jedoch nicht verstecken können, denn auch die Einzelhandelsversion von Half-Life 2 ist ja mit Steam verwoben.

Kommentar:
Im Prinzip ist die Idee hinter Steam gut – der Support wird leichter, da Kunden das Suchen und eigenhändige Installieren von Patches erspart wird, bei Netzwerkspielen kann das Finden von Mit- und Gegenspielern erleichtert werden, Spiel und Support lassen sich besser verbinden und zudem können die Spiele online direkt vom Entwickler gekauft und dieser somit unabhängiger vom Publisher werden. Leider ist noch einiges an Steam verbesserungswürdig, damit es vom Kunden nicht als Bürde, sondern als Erleichterung gesehen werden kann – das Dilemma hat ein Half-Life-2-Spieler im Steam-Forum sehr schön ausgedrückt, indem er Valve bzw. deren Dienst Steam scherzhaft mit dem unterdrückerischen Combine-Regime verglichen und die Anfangssequenz des gelungenen Spiels entsprechend umgeschrieben(öffnet im neuen Fenster) hat.


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