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Spieletest: Myst 4 Revelation - Hübsche Knobelei

Rätselspiel mit schöner Präsentation und erstmals auch mit Hilfestellungen. Die ungemein erfolgreiche Rätselspielserie Myst hat es geschafft, der Spielebranche neue Zielgruppen zu erschließen und vor allem weibliche Spieler für Abenteuer in fremden Welten zu begeistern. Mit dem neuen Myst-Spiel "Myst 4 Revelation", das sowohl für Mac als auch für PC erhältlich ist, verspricht das zuständige Ubi-Soft-Entwicklerteam um Produzentin Genevieve Lord, wieder zu den Wurzeln der Serie zurückzukehren und direkt an die erste Trilogie aus Myst, Riven und Myst III: Exile anzuknüpfen.
/ Christian Klaß
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In Myst 4 Revelation schließt sich der Kreis um die Geschehnisse der Familie von Atrus, der mit seiner Familie auf der nur durch ein magisches Buch erreichbaren Insel Myst wohnte, durch seine Söhne verraten und nach D'ni verbannt wurde und erst durch den Spieler wieder zu seiner Frau Katharina fand. Mittlerweile ist ein drittes Kind gezeugt worden, Yeesha, und die drei würden wohl friedlich bis ans Ende ihrer Tage alte und neue Welten erkunden, wenn da nicht noch die beiden in Verbannung lebenden erwachsenen Söhne wären.

Denn beide Söhne, die vor ihrer Verbannung nur das Ausbeuten und Zerstören anderer Welten im Kopf hatten, sind in ihren Gefängniswelten nicht untätig gewesen. Erst im Laufe der recht spannenden Geschichte stellt sich heraus, ob die Söhne wirklich geläutert oder in der Verbannung nicht eher noch machtgieriger geworden sind. Der mittlerweile mit seiner Familie auf Tomahna lebende Atrus sucht deshalb wieder Hilfe beim Spieler bzw. der Spielerin. Es gilt also, den beiden Söhnen auf den Zahn zu fühlen, ihre Gefängniswelten zu durchstreifen - und nach einer plötzlichen Wendung der Geschichte auch noch herauszufinden, wer Atrus' Tochter Yeesha entführt hat - und warum.

Grafisch hat Myst 4 wieder einen Zahn zugelegt. Die abwechslungsreichen Welten sehen teils deutlich lebendiger aus und durch passende Geräusche und grafische Effekte wie eine Tiefenschärfe versuchen die Entwickler, die Präsentation echter wirken zu lassen. Ständig kreucht oder fleucht Getier durch die Szenerie, Blätter und Wasser wogen im Wind und die eingeblendeten Schauspieler erledigen ihre Sache gut.

Anders als bei vorherigen Myst-Titeln gibt es deutlich mehr Kontakt mit anderen Lebewesen, seien es Tiere oder Menschen. Man fühlt sich nicht mehr allein auf den verschiedenen Welten - mal lassen sich Tiere anfassen, mal sollte man eher vor ihnen fliehen. Sind gerade keine Menschen in der Nähe, so hört man doch per Erinnerungs-Amulett ihre Gedanken oder sieht wichtige Szenen aus ihrem Leben, die einem die Hintergrundgeschichte näher bringen oder beim Lösen der Rätsel dienen. Wie bei den ersten Myst-Teilen bewegt man sich Stück für Stück durch die vorberechnete, mit dynamischen Elementen versehene Szenerie, kann sich aber frei um die eigene Achse drehen.

Die bedeutendste Neuerung an Myst 4 ist, dass die Entwickler eine Hilfe zur Lösung der vielen Rätsel ins Spiel integriert haben. Über das Optionsmenü lässt sich die Hilfe erreichen und gibt in drei verschiedenen Stufen Tipps zum Lösen der Aufgaben - von kleinen Hinweisen bis hin zur Komplettlösung. Eine weitere Hilfe stellt eine Fotoapparat-Funktion dar, die das Knipsen von Szenen und Objekten erlaubt und so das Tagebuch ersetzt. Zum Lösen der Rätsel ist es dabei immer wieder nötig, genau hinzuschauen und Gemälde, Zeichnungen und Statuen zu knipsen, die eine Bedeutung für die verschiedenen Rätsel haben.

De Rätsel selbst entsprechen dem von Myst gewohnten. Mal müssen Schalter in der richtigen Reihenfolge umgelegt und mal müssen Dinge verschoben und richtig angeordnet werden - selbst Affen müssen mal durch die Gegend gescheucht werden. Neben Rätseln, die in Ruhe gelöst werden können, gibt es auch solche, die Geschicklichkeit erfordern - eine Hürde stellt dabei die eher hakelige Maussteuerung dar.

Die Rätsel selbst sind mal leicht, mal schwer - wie für Myst üblich sind die Hinweise zum Lösen mitunter weit verstreut, in einigen, aber zum Glück nur wenigen Fällen hat man es schwer, die Lösung zu finden, die den Entwicklern vorschwebt - dann gibt es jedoch immer noch das Hilfesystem. Beim ersten Rätsel muss man übrigens Atrus helfen, ein Weltensichtgerät zu kalibrieren - und sich dabei anschnauzen lassen, wenn etwas nicht gleich richtig funktioniert. Dies ist allerdings zum Glück nur in diesem Rätsel so, sonst wäre die Motivation wohl bald dahin.

Die aufwendigere Grafik, die auf verschiedene Bildschirmgrößen angepasst werden kann, stellt im Vergleich zu den Teilen der ersten Trilogie größere Anforderungen an die Hardware. Mindestens ein 700-MHz-Pentium 3 und eine moderne Grafikkarte mit mindestens 32 MByte sind erforderlich - mehr sind vonnöten, um höhere Auflösungen und alle Effekte auch ruckelfrei mitzuerleben. Man sollte es übrigens tunlichst vermeiden, den ersten Myst-4-Patch zu installieren, da dieser die hübsche Grafik sonst durch Darstellungsfehler ruiniert - seit 16. November 2004 gibt es aber einen neuen Patch(öffnet im neuen Fenster) , der laut Ubi Soft keine neuen Fehler ins Spiel fügt und zudem die Leistung verbessern soll. Ob damit auch die Tiefenschärfe auf Radeon-Karten endlich funktioniert, gab Ubi Soft nicht an.

Fazit:
Myst 4 Revelations sollte in der Sammlung von Myst-Fans nicht fehlen, zumal die Geschichte weiter fortgeführt wird. Dadurch, dass die Welten von Myst immer lebendiger wirken und auch Hilfe bei den mitunter zu rätselhaften, aber eben auch Myst-typischen Rätseln geboten und die Geschichte schön erzählt wird, wird es Neueinsteigern einfacher fallen, Zugang zu den interessanten Welten zu finden. Ungeduldige Naturen und Rätselmuffel werden allerdings auch mit Myst 4 nicht recht glücklich werden.


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