Jagged Alliance 2: Wildfire - Entwickler abgezockt?
Die Geschichte von Wildfire ist laut i-Deals "sehr eigenartig und unglücklich" , so i-Deal in seiner Pressemitteilung. Die Qualitätssicherung des Spiels habe 2003 nicht schon im frühen Sommer 2003, sondern auf Grund von Problemen bei Strategy First bzw. deren Produkttestpartnern erst zum Jahresende beginnen können. Als dann die Qualitätssicherung nach zwei Monaten Vorlaufzeit im Februar 2004 habe richtig starten können, hätte der Publisher plötzlich verkündet, dass das Spiel bereits Anfang März 2004 erscheinen werde.
Darüber hinaus sei dann auch noch – auf Verschulden von Strategy First – eine falsche, offenbar ältere Spielversion an verschiedene Distributoren gesandt worden. Die Schelte für die enthaltenen Fehler habe letztlich i-Deal einstecken und im Mai 2004 auf eigene Kosten schnelle Fehlerbehebung mittels mehrerer "Quickfixes" betreiben müssen – auch die Arbeit an einem generellen Patch habe zu dem Zeitpunkt bereits begonnen.
Das Spiel war dann zwar veröffentlicht und wurde verkauft – den eigenen Anteil habe man seitdem jedoch nicht erhalten. Schließlich sah sich i-Deal aus Kostengründen gezwungen, die Kunden durch Schließen des Online-Supports zu enttäuschen. Strategy First warf man nach vergeblichen Kontaktaufnahmeversuchen im Juni 2004 Vertragsbruch vor, musste aber trotz zwischenzeitlicher Verhandlungen Ende Juni weiterhin aufs Geld warten. Zwar habe man Strategy First mehrere Vorschläge zu Schuldentilgung unterbreitet, es sei jedoch keine Lösung gefunden worden.
Ende August 2004 musste Strategy First wegen finanzieller Probleme Gläubigerschutz nach dem kanadischen Chapter 11 anmelden, der Schuldenberg soll 5 Millionen US-Dollar hoch sein. I-Deal ist nicht der erste kleine Entwickler, der davon berichtet, seit 2003 kein Geld von Strategy First gesehen zu haben. Ende September 2004 teilte das britische Entwicklerstudio Introversion mit, bereits seit Frühjahr 2003 kein Geld für das von Strategy First in den USA und Kanada vertriebene Spiel "Uplink: Hacker Elite" gesehen zu haben – dabei soll es um mehrere zehntausend US-Dollar gehen. Weder Introversion, die weiter an ihrem neuen Titel Darwinia arbeiten, noch i-Deal Games scheinen aber trotz der finanziellen Misere, in die sie Strategy First gebracht zu haben scheint, aufgeben zu wollen.
Die Insolvenz von Strategy First lässt auch die Frage aufkommen, was aus dem dritten Teil von Jagged Alliance und dem davor erscheinenden Jagged Alliance 3D wird. Beide werden von MiST Land South entwickelt, ebenfalls einem russischen Entwicklerstudio.



