IGDA: Spielebranche behandelt Spieleentwickler schlecht
"Als der professionelle Interessenverband, der die Spieleentwicklergemeinschaft eint und als seine Stimme fungiert, ist die International Game Developers Association zutiefst beunruhigt über diesen bösartigen Ablauf und arbeitet daran, die Situation zu verbessern" , heißt es in dem offenen Brief. Die IGDA will sich nun bemühen, die Lebensqualität der Entwickler zu verbessern, weist allerdings darauf hin, dass man keine Gewerkschaft sei und dies auf Grund ihrer internationalen Aufstellung auch nicht werden könne.
Laut IGDA sei es erst einmal nötig, dass schlechte Lebensbedingungen symptomatisch für fundamentalere Herausforderungen der Industrie seien – darunter Konsolidierung, sich ständig weiterentwickelnde Technik, einseitig exklusive Verträge, mangelnde Projekt-Management-Erfahrung und fehlende Ausbildungs-/Job-Standards. Diese Probleme müssten alle gelöst werden, um wirklich die Arbeits-/Freizeit-Balance der Spieleentwickler zu verbessern.
Darüber hinaus sollten sich Spieleentwickler nicht einbilden, sich durch Selbstaufopferung würdig für die Spieleindustrie zeigen zu müssen, da sie so mitverantwortlich für schlechte Arbeitsbedingungen würden. "Unsere eigene Einstellung zur Arbeits-/Freizeit-Balance und der Produktionspraxis müsse sich ebenso ändern wie die Einstellung der Schlipsträger" , so die IGDA.
Es sei unglücklich, dass die Spieleindustrie nun an einem Punkt angelangt sei, in der Sammelklagen nötig seien, womit die IGDA auf die Streitigkeiten zwischen EA und mehreren Entwicklern anspielt. Die IGDA sieht in der gütlichen Einigung die bessere Alternative, zumal einige Spieleunternehmen gezeigt hätten, dass eine Fokussierung auf Lebensqualität großartige Spiele und gleichzeitig geschäftliche Erfolge hervorbringen kann.
Dazu zählen laut IGDA etwa BioWare, Firaxis, Team17, Blue Fang, Cyberlore und Ensemble, die sich sehr darum bemühen würden, dass ihre Angestellten gesund und glücklich bleiben. Das Ergebnis seien produktivere und kreative Arbeiter, die bessere Spiele produzieren würden – und der Spielebranche treu blieben, anstatt aus ihr zu flüchten. Die Industrie müsste lernen, dass es sich nicht lohne, Leute zu verheizen.
Neben einem veröffentlichten White Paper über erprobte Methoden zur Verbesserung der Lebensqualität soll in Zukunft noch eine IGDA-Initiative mit dem Titel "best companies to work for" starten, in deren Rahmen auf ihre Angestellten Rücksicht nehmende Unternehmen ihre Weisheiten an andere weitergeben sollen. Die IGDA will darüber hinaus auf Untersuchungen und Wissen hinweisen, das von außerhalb der Spieleindustrie stammt. Auf der nächsten Games Developers Conference im März 2004 in den USA soll eine eintägige Lebensqualität-Ideenschmiede veranstaltet werden. Weiterhin sollen die mehr als 80 über die Welt verteilten IGDA-Ortsverbände angeregt werden, das Thema in Treffen und Diskussionsrunden zur Sprache zu bringen.
"Das ist nur der Anfang und wir entwickeln noch Pläne. Wir regen jeden an, sich einzumischen" , so die IGDA in ihrem offenen Brief(öffnet im neuen Fenster) . Man habe keine Zweifel daran, dass man gemeinsam die Industrie und Kunstform retten könne, der man so leidenschaftlich verschrieben sei. Eine Liste laufender Verfahren, Erfolgsgeschichten, Ideen und sonstige relevante Informationen will die IGDA online veröffentlichen und bittet Mitglieder der Spieleindustrie um aktive Unterstützung und Hinweise, die per E-Mail an qol@igda.org gesendet werden können.