Opera: Browser-Krieg entscheidet sich auf dem Handy (Teil 2)

Jon S. von Tetzchner: Das hängt davon ab, wie man den Markt definiert. Zählt man alle WAP- und i-Mode-Browser dazu, haben wir einen winzigen Marktanteil. Betrachtet man aber Browser, die in der Lage sind, normale Web-Inhalte anzuzeigen, dann sind wir groß, wahrscheinlich sogar die Größten. Wir sind also groß in einem kleinen Bereich, aber dieses Segment wird in der Zukunft sehr groß werden.
Die Leute mögen WAP nicht, es funktioniert nicht wirklich. Mit WAP stehen einem einige zehn- oder hunderttausend Seiten zur Verfügung. Das Web hat vier Milliarden Seiten und das ist schon ein Unterschied. Es hängt also alles davon ab, wie man zählt. Berücksichtigt man all die Millionen WAP-Browser, schrumpft auch der Marktanteil von Microsofts Internet Explorer auf etwa 50 Prozent.
Golem.de: Wann können wir eine PalmOS-Version von Opera erwarten?
von Tetzchner: Das ist in gewisser Weise eine politische Entscheidung. Wir müssen schauen, in welche Richtung sich PalmOS entwickelt. Wir sprechen mit den Leuten von PalmSource, um zu sehen, wohin sie gehen wollen. Außerdem gib es ja Gerüchte, dass palmOne nicht ausschließlich mit PalmOS arbeiten will ...
Golem.de: Aber das sind nur sehr vage Gerüchte und palmOne ist auch nicht der einzige Hersteller von PalmOS-Geräten.
Golem.de: Es gibt aber eine Opera-Version für Windows Mobile?
von Tetzchner: Ja. Das war eine ganz wichtige Entscheidung für uns, denn eigentlich wollten wir gar nicht, dass wir Microsoft helfen. Aber – und das ist der Grund – einige Netzbetreiber wollten, dass wir auch Windows Mobile unterstützen. Sie wollen, dass wir jede wichtige Plattform unterstützen, wozu im übrigen auch PalmOS zählt.
Man geht soweit, wie jemand dafür zahlt, und in diesem Fall hat jemand für die Version bezahlt – und es war nicht Microsoft. Aber auch Microsoft hat uns darum gebeten. Aber es wäre sehr schwer für uns, eine Geschäftsbeziehung mit Microsoft aufzubauen, so lange sie unseren Browser aus MSNBC aussperren.
Golem.de: Gibt es ein Gerät mit Windows Mobile, das mit Opera ausgeliefert wird?
von Tetzchner: Nein, nur intern bei uns, nicht auf dem Markt. Als wir entschieden hatten, die Portierung zu machen, hat dafür – wie gesagt – ein Netzbetreiber bezahlt, aber ich kann hier keine Namen nennen.
Golem.de: Wie lange dauert es, Opera auf eine andere Plattform zu portieren?
Golem.de: Was ist für Opera die wichtigste Plattform? Der (Windows)-Desktop oder mobile Endgeräte?
von Tetzchner: Das hängt vom Blickwinkel ab. Die Desktop-Plattform ist sehr wichtig, denn wir haben hier steigende Umsätze und Nutzerzahlen, sehr treue Nutzer und rund 400.000 Leute, die täglich unser Portal myOpera.com besuchen. Der Desktop ist im Hinblick auf die Community wichtig, was auch für die Umsätze gilt.
Golem.de: Ist es möglich, die Software auf den Handys zu aktualisieren?
von Tetzchner: Ja schon, aber das ist nicht so einfach wie auf dem PC und in einigen Fällen steckt unsere Software im ROM und dann ist kein Update machbar.
Golem.de: Aber auf einigen Geräte geht es?
von Tetzchner: Ja, auf Geräten mit Nokias Series-60- oder auf UIQ-Geräten sind Upgrades möglich und wir bieten diese auf unseren Servern zum Download an, so dass die Leute ihren Browser aktualisieren können. Wir haben mit Version 6.0 angefangen, jetzt sind wir bei 6.2.
Golem.de: Man muss also nicht warten, bis der Netzbetreiber selbst eine neue Version zur Verfügung stellt?
Golem.de: Wird Opera auch auf den neuen Geräten installiert sein, die Nokia in letzter Zeit angekündigt hat?
von Tetzchner: Ja, Opera wird auf den Series-80-Geräten 9300 Communicator und 9500 Communicator sowie dem Nokia 7710 installiert sein.
Golem.de: Wer sind ihre direkten Konkurrenten auf mobilen Endgeräten?
von Tetzchner: Das sind in der Regel Unternehmen aus der alten Welt, Firmen wie Openwave, die bei WAP eine starke Position haben, oder Access, die aus dem i-Mode-Bereich kommen. Auch Nokia hat einen eigenen WAP-Browser, obwohl sie Opera auf vielen Telefonen installieren. Wir denken, das wird so bleiben, so lange Opera signifikant besser ist und wenn man es vergleicht, ist Opera deutlich besser.
Golem.de: Was denken Sie, wenn Nokia beispielsweise mit KHTML experimentiert, schließlich hat Nokia Apples WebCore auf GTK portiert?
Golem.de: Welche Vorteile hat der Börsengang von Opera gebracht?
von Tetzchner: Wir als Unternehmen versuchen immer, das meiste aus dem Geld zu machen, das uns zur Verfügung steht. Durch den Börsengang konnten wir unsere Kasse füllen. Und dann gab es da ja noch diesen " reichen Onkel ", der uns zusätzliches Geld gegeben hat. Dennoch müssen wir uns an die Spielregeln halten und wirtschaftlich arbeiten. Aber wir denken, es macht aus wirtschaftlicher Sicht Sinn, neue Märkte zu erschließen.
Golem.de: Wo liegen die Herausforderungen für Browser-Hersteller in den nächsten Jahren? Das Rendern von Webseiten beherrschen alle, mehr oder weniger gut und standardgetreu.
von Tetzchner: So ganz einfach ist die Sache nicht. Wir sind die Besten, wenn es darum geht, Seiten in Formaten anzuzeigen, an die beim Web-Design noch niemand gedacht hat. Wir sind aber auch sehr gut, wenn es um Web-Standards geht, Mozilla ebenfalls, der Internet Explorer nicht. Manchmal hat Mozilla die Nase vor, manchmal liegen wir vorn.
Wir haben auch Opera-Show, unser PowerPoint-Killer. Es unterstützt CSS-Page-Media, so dass Webseiten in einzelne Seiten unterteilt werden können, um sie Stück für Stück anzuzeigen. Echte Web-Hacker machen daher ihre Präsentationen nicht mit PowerPoint, sondern mit Opera. Fragen Sie den Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee, welches Präsentationsprogramm er nutzt – wahrscheinlich ist es Opera.
Golem.de: Aber Microsoft hat wieder begonnen, die Internet-Explorer-Entwickler zusammenzubringen, um die Weiterentwicklung des Browsers wieder stärker zu fokussieren. Erwarten Sie, dass Microsoft Standards im Internet Explorer besser unterstützen wird?
von Tetzchner: Also, wenn sie das machen, wären das großartige Neuigkeiten. Uns geht es darum, dass die Leute ihren Browser nach seinen Funktionen und deren Umsetzung aussuchen. Aber dazu müssen sich die Browser-Hersteller an Standards halten.
Golem.de: Vor allem, wenn es um Web-Applikationen geht, kommt man derzeit am Internet Explorer kaum vorbei. Nun hat Opera zusammen mit Mozilla und Apple die Arbeitsgruppe WHAT ins Leben gerufen, um dem Internet Explorer in diesem Bereich Marktanteile abzunehmen. Wie wollen Sie das bewerkstelligen?
von Tetzchner: WHAT soll Standards weiterentwickeln. Microsoft hingegen versucht außerhalb von Internet-Standards vorzugehen, da sie solche Standards nicht kontrollieren können. Wir versuchen nun, die gleichen Funktionen innerhalb der Standards zu ermöglichen sowie die Standards auszubauen. Da ist es nur natürlich, mit Mozilla und Apple zusammenzuarbeiten. Und da werden spannende Dinge passieren.
Wenn man DOM und andere Erweiterungen, an denen wir in der WHAT-Gruppe arbeiten, kombiniert, gibt es keine Grenzen bezüglich dessen, was möglich ist. Es wird mit Hilfe von WHAT möglich sein, mit sehr wenig Code sehr anspruchsvolle Dinge umzusetzen und das plattform- und geräteunabhängig. Das ist ein unglaublicher Vorteil und mit Sicherheit auch besser, als alles nur auf einer Plattform wie bei Microsoft zu ermöglichen und es bedeutet auch Vorteile gegenüber Java.
Golem.de: Welche Teile des Browsers sind plattformunabhängig? Nur der Kern?
von Tetzchner: Nein, es ist schon etwas mehr. Wir haben auch die Bedienoberfläche im Desktop-Bereich plattformunabhängig gestaltet. Mozilla hat XUL, wir haben Quick – und genau das ist es auch, schnell und einfach. Anstatt die Bedienoberfläche in einer Programmiersprache zu gestalten, haben wir einfache Textdateien, die jeder ändern kann. Auch wenn man die Mac-Version von Opera nutzt, kann man ein Skin herunterladen und dieser wird funktionieren. Das Ganze sieht zwar nicht zu 100 Prozent gleich aus, da beim Mac einiges ganz anders funktioniert, aber die Windows- und Linux-Versionen sind nahezu identisch. Auch der Code ist weitgehend gleich.
Golem.de: Nutzer beklagen sich mitunter, dass auch in Bezug auf CSS Opera und Mozilla Dinge unterschiedlich rendern, wodurch es mitunter schwierig ist, Seiten zu gestalten, die in unterschiedlichen Browsern gleich aussehen. Gibt es Bemühungen, hier zu einer Vereinheitlichung zu kommen?
von Tetzchner: Wir arbeiten zusammen, aber wir haben unterschiedlichen Code. Allerdings nutzen wir die gleichen Tests. Das eigentliche Problem ist aber mal wieder der Internet Explorer, denn sowohl Opera als auch Mozilla sind bemüht, für den Internet Explorer geschriebene Seiten so darzustellen, dass sie einwandfrei erscheinen. Und genau da fangen all die Probleme an: Man versucht, fehlerhafte Seiten anzuzeigen und das machen Mozilla und Opera auf unterschiedlichen Wegen. Die Standards zu implementieren, ist keine große Sache, die Schwierigkeiten fangen durch die ganzen alten Webseiten an, die sich nicht an Standards halten.
Golem.de: Zwingt man einen Browser also zu einer strikten Einhaltung der Standards, gibt es keine Unterschiede mehr?
von Tetzchner: Theoretisch. Hat man ein "striktes" Dokument, sollten die Seiten gleich aussehen, wenn nicht, muss man der Ursache auf den Grund gehen, denn manchmal sind die Standards schwer zu verstehen, dann muss man sich einigen, wie etwas gemeint ist.
Golem.de: Was das angeht, verspricht auch CSS3 neue Möglichkeiten. Wie steht es um die Unterstützung von CSS3 in Opera?
von Tetzchner: CSS ist wichtig für uns. Unser CTO Håkon Wium Lie war Hauptautor der ersten CSS-Spezifikation und wir haben vier weitere Autoren des CSS-Standards, die bei Opera arbeiten. Das zeigt, dass CSS – auch CSS3 – wichtig ist und wir planen, CSS3-Funktionen zu integrieren. Zuerst werden das wohl Sprachfunktionen sein, so dass es möglich sein wird, den Klang der Sprachausgabe per CSS zu steuern. Wir wollen eigentlich alle Standards implementieren, es gibt aber Standards, die keiner nutzt – diese werden dann auch nicht integriert.



