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Spieletest: Saga of Ryzom - Noch grün hinter den Ohren

Interessantes französisches Online-Rollenspiel muss noch reifen. Mit "The Saga of Ryzom" hat der französische Entwickler Nevrax im September 2004 ein zumindest optisch ungewöhnliches Online-Rollenspiel gestartet: Die magische Pflanzenwelt scheint lebendiger als die Welten so einiger anderer Spiele, wirkt jedoch etwas unfertig und – in Hinsicht auf Mitspieler – unterbevölkert.
/ Christian Klaß
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Ryzom spielt auf der Welt Atys lange nach der "grünen Katastrophe", welche die alte Welt der Menschen unter wuchernden Pflanzen begrub. Wissen um Technik und Schmiedekunst sind verloren gegangen und werden nur noch von den mysteriösen Karavan beherrscht, deren starker Gegenpol die Herren der Pflanzen und der Lebensmagie sind, die Kamis. Als dritte Kraft gibt es Stämme unterschiedlicher Wesen, die um Einfluss auf Atys ringen und den Spielern nicht immer wohl gesonnen sind. Darüber hinaus gibt es noch die Kitin, insekten- bzw. krabbenähnliche Wesen, welche die Völker von Atys angriffen und sich dann zurückzogen.

Den Spielern selbst stehen vier Völker zur Verfügung: die kämpferischen Fyros, welche die Heilungs- und Zerstörungskraft des Feuers nutzen, die ungestümen Tryker, welche das Element Wind meistern, die naturbeeinflussenden Matis und die auf Lebensmagie spezialisierten Zorais. Während der Charaktererschaffung haben die Spieler die Möglichkeit, die Einteilung zwischen Magie, Waffenfertigkeit und Handwerkskunst einzustellen – man kann von allem etwas beherrschen oder einzelne Bereiche hervorheben. Ab Level 20 teilen sich die Fertigkeitsbereiche feiner auf – etwa in Offensiv- und Defensiv-Magie oder Nah- und Fernkampfwaffen.

Im Laufe des Spiels kann alles gelernt werden, doch etwas Strategie ist schon nötig. Verbessern können sich die Online-Helden in der Regel zudem nur in den Bereichen, in denen sie sich auch betätigen – nur jemand, der z.B. auch mit Waffen herumfuchtelt, kann sich im Waffenbereich weiter verbessern und neue Fertigkeiten lernen oder alte verbessern. Interessant ist dabei, dass auf Basis des bereits Gelernten auch neue Fertigkeiten zusammengebastelt werden können. So können etwa mächtigere Zauber erstellt werden, die mehr Schaden machen als die bisher erlernten Standardsprüche, aber dafür eine geringere Reichweite haben und mehr Mana bzw. "Sap" benötigen.

Die Berufe kristallisieren sich also erst im Laufe der Zeit heraus. Wurden bestimmte Fähigkeiten gelernt, so stehen bestimmte Bezeichnungen zur Verfügung, die der Spieler auf Wunsch unter dem Namen des eigenen Charakters einblenden kann. Zum Start befinden sich die Spieler auf einer Insel, von der sie sich – tunlichst erst ab dem 20. Level in den Kampf- und Magiefertigkeiten – auf die Hauptwelt teleportieren lassen können. Gekämpft wird per Klick auf die jeweiligen Fertigkeits-Icons, wobei ein Doppelklick leider nur in Verbindung mit Waffen einen automatischen Dauerangriff auf den per Mausklick ausgewählten Gegner auslöst.

Die durch die Gegend laufenden Tiere und Pflanzen – allesamt mit eigenen Verhaltensweisen und mal schaurig, mal putzig aussehend – sind im Anfängerbereich einfacher zu besiegen, zumal das Herdenverhalten nicht so ausgeprägt scheint und nicht einzelne Viecher dabei sind, die einige Stufen über einem stehen und bei Angriff eines identisch aussehenden, aber nur etwas anders benannten Artgenossen sofort Vergeltung üben und das frühzeitige Ableben fördern. Die Wiederbelebung kostet Erfahrungspunkte – allerdings werden Charaktere nicht degradiert, sondern müssen die Punkte abarbeiten, bis sie wieder regulär Erfahrung sammeln.

Für "Crafter", also diejenigen, die sich mit der Erschaffung von Gegenständen beschäftigen, gilt es, wie in anderen Online-Rollenspielen Bodenschätze zu schürfen oder Tiere für Felle, Zähne oder Knochen zu jagen. Bei Bodenschätzen gilt es, im Einklang mit der Natur zu bleiben und nicht zu viel zu schürfen, andernfalls drohen Explosionen oder Angriffe durch die Wächter der Kami. Da getötete Tiergegner nur Erfahrungspunkte, Rohstoffe und – bei Auftragsjagd – nur Geld bringen, aber keine magischen oder nicht magischen Gegenstände fallen lassen, spielen Händler und Handwerker eine wichtige Rolle. Ohne Handwerkskunst ist man also auf seine Mitspieler stärker angewiesen, wenn es um den Erwerb einer vernünftigen und nicht zu teuren Ausrüstung geht. Erwerbbare Reittiere helfen Abenteurern beim Transport ihrer Ausrüstung und – ebenso wie Teleportmöglichkeiten – der schnelleren Überbrückung von großen Entfernungen.

Hat man sich zum Start den Ryzom-Server für deutschsprachige Spieler ausgesucht, so kommt man sich nicht nur im Anfängerbereich, sondern auch in der Hauptwelt mitunter noch recht verlassen vor. Zudem wirkt das Spiel an einigen Ecken noch unfertig, was die Programmierer aber durch regelmäßige Updates der Spielwelt und des Clients Stück für Stück zu beheben scheinen. So stimmen einige der von Nichtspielercharakteren verteilte Aufgaben nicht, die eingeblendeten, nicht immer deutschen Texte ragen über ihre Abgrenzungen hinaus und mitunter gibt es auch noch Netzwerkprobleme.

Grafisch und vom Sound her kann Ryzom allerdings überzeugen, zumal Atys und seine Bewohner ihren eigenen Charme haben. Nur stellt sich die Frage, wie lange dies vorhalten kann – solange Questen ohne Story-Elemente sind, viele computergesteuerte Charaktere nicht viel mehr zu bieten haben als den An- und Verkauf von Waren sowie die im Vorfeld versprochenen Einflussmöglichkeiten auf die Welt noch auf sich warten lassen, wird es auch ein vielversprechender Titel Ryzom schwer haben, die Kundschaft länger zu binden.

Das Windows-Spiel The Saga of Ryzom kostet rund 50,- Euro inkl. eines Freimonats. Die monatliche Abo-Gebühr liegt bei 12,90 Euro, wobei diese bei dreimonatiger, halbjährlicher und ganzjähriger Bezahlung im Voraus um bis zu 20 Prozent sinkt. Anders als bei vielen Konkurrenten aus den USA und Asien unterstützt Ryzom auch die Zahlung per elektronischen Lastschriftverfahren, eine Kreditkarte wird also nicht zwingend vorausgesetzt. Online kann das Spiel mittlerweile über Jolt(öffnet im neuen Fenster) gekauft werden, allerdings spart man beim Download nur Zeit, kein Geld.

Fazit:
The Saga of Ryzom bietet eine hübsche Fantasiewelt mit fremdartigen Geschöpfen und einige vielversprechende Ansätze, wird allerdings noch etwas Zeit zum Reifen und vor allem die stärkere Einbindung der Hintergrundgeschichte ins Geschehen brauchen. Im Moment bietet Ryzom nur die üblichen endlosen Kämpfe, wie sie auch dutzende andere Online-Rollenspiele zu bieten haben – nur dass Ryzom deutlich härter zu sein scheint und mehr Aufmerksamkeit vom Spieler verlangt. Im Moment ist Ryzom deshalb weit davon entfernt, auch Einsteiger ansprechen und für seine Welt begeistern zu können.


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