Spieletest: Viewtiful Joe - Genialer Action-Hit nun für PS2
Capcom bringt Neuauflage für Sonys Konsole. Als Capcom Ende 2003 in Europa das ungewöhnliche Action-Spiel Viewtiful Joe für Nintendos GameCube veröffentlichte, waren sämtliche Videospielmagazine voll des Lobes und überschütteten den Titel förmlich mit Auszeichnungen; gekauft wurde das Spiel allerdings fast gar nicht. Jetzt versucht man mit einer PlayStation-2-Portierung einen zweiten Versuch, um zumindest die Besitzer der Sony-Konsole zum Kauf zu animieren.
Mögliche Erklärungen für den Verkaufsflop der GameCube-Version gibt es einige – unter anderem die fehlende Bekanntheit des Hauptcharakters sowie eine wirklich zunächst gewöhnungsbedürftige Grafik. Zudem wollten sich viele Spieler ganz offensichtlich nicht auf ein derart innovatives Spielkonzept einlassen und griffen doch lieber zu vertrauten Neuauflagen alter Ideen, die sie kannten. Capcom hat für den PS2-Port nichtsdestotrotz inhaltlich kaum etwas geändert – wer Viewtiful Joe auf dem GameCube schon gespielt hat, braucht die PS2-Version also definitiv nicht noch zusätzlich.
Der Spieler schlüpft in die Rolle von Joe – einem eigentlich ganz normalen Jugendlichen, der in seiner Freizeit am liebsten alte Superhelden-Filme im Kino anschaut. Bei einem seiner Ausflüge gerät die Leinwand aber außer Kontrolle: Nicht nur, dass Joes Vorbild – Captain Blue – am Filmende nicht den Sieg davonträgt, sondern auch von seinem bösen Widersacher gnadenlos niedergestreckt wird, ist bedenklich. Zu allem Überfluss ergreift eines der Filmmonster auch noch Joes Freundin Silvia und entführt sie. Um sie wieder zurückzuholen, muss Joe ebenfalls in den Film hinein – und wird so selbst zu einem Superhelden im Cel-Shading-Look.
Viewtiful Joe ist grundsätzlich ein 2D-Beat'em-Up: Man läuft mit Joe durch seitwärts scrollende Szenerien, prügelt sich mit Massen von seltsamen Monstern, Dronen und skurrilen Endgegnern, überwindet Hindernisse mit gekonnten Doppelsprüngen und muss zudem Geschicklichkeit und Ideenreichtum bei der Lösung kleinerer Rätsel beweisen. Allerdings ist Joe wie angesprochen ab Spielbeginn ein Superheld – und das wirkt sich natürlich auch auf seine Fähigkeiten aus.
Insgesamt drei verschiedene Superkräfte lernt Joe in den ersten Kapiteln zu nutzen. Zunächst wird ihm beigebracht, eine Zeitlupe zu aktivieren – auf Tastendruck läuft alles verlangsamt ab. Diese Art Bullet-Time im Cartoon-Stil hilft dabei, auch große Mengen von Gegnern mit gezielten Tritten und Schlägen auszuschalten, außergewöhnliche Moves im Matrix-Stil sind ebenfalls möglich und Bomben und Geschosse der Kontrahenten können zum Teil einfach zurückgeschleudert werden. Das Aktivieren der Zeitlupe hilft aber auch dabei, bestimmte Rätsel zu lösen: Befindet man sich etwa auf kleinen Plattformen, die von Rotorblättern angetrieben werden, muss man nur die Zeitlupe aktivieren, um sicher zu laden – denn dann drehen sich die Blätter nicht mehr schnell genug, um die Plattform in der Luft zu halten.
Die zweite Spezialfähigkeit wirkt genau entgegengesetzt zur ersten und ermöglicht Joe ebenfalls per Knopfdruck, plötzlich rasend schnell zu agieren und wie ein Wirbelwind durch die anstürmenden Gegner zu wüten. Die letzte Spezialkraft schließlich ist der Zoom, mit dem man Bildausschnitte vergrößern kann, wodurch sich einige Gegner effektiver bekämpfen lassen. Alle Superkräfte stehen dabei übrigens nicht unbegrenzt zur Verfügung – hat sich die Energieleiste geleert, verwandelt sich der Superheld vorübergehend in den normalen Joe zurück. Allerdings regenerieren sich die Kräfte mit der Zeit von alleine wieder, zudem kann die Länge der Leiste durch das Einsammeln von Extras variiert werden. Zwischen den Leveln gibt es zudem die Möglichkeit, im Spiel eingesammelte Münzen gegen Extra-Leben oder aber auch Bonus-Waffen wie etwa Bomben einzutauschen.
Einziger gewichtiger Unterschied zwischen GameCube- und PS2-Version ist übrigens ein neuer Schwierigkeitsgrad – während sich viele GameCube-Besitzer an den harten Gegnern und den Rätseln die Zähne ausgebissen haben, geht es auf der Sony-Konsole etwas moderater zu. Ebenfalls erfreulich: Viewtiful Joe für die PS2 wird von Beginn an zum Mid-Price von etwa 30,- Euro im Handel angeboten.
Fazit: Jedem Spieler mit Hang zu innovativen Spielkonzepten sei Viewtiful Joe nochmals eindrücklich ans Herz gelegt – wie schon auf dem GameCube ist der Titel auch auf der PS2 eine absolute Spielspaßgranate, die man unbedingt erlebt haben sollte – auch und erst recht, wenn man angesichts der Cel-Shading-Optik zunächst skeptisch ist.