CCC: Biometrie in Ausweisen erhöht Sicherheit nicht
CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn bezeichnete den Beschluss unter Hinweis auf jüngste Forschungsergebnisse einer CCC-Arbeitsgruppe als "fragwürdige Sicherheitssimulation". "Die vermeintliche Erhöhung der Fälschungssicherheit von Ausweispapieren durch die Einführung biometrischer Merkmale ist in der Praxis de facto nicht gegeben. Zum Preis von mehreren Hundert Millionen Euro wird hier mit Steuergelden dem Bürger eine Sicherheitssimulation verkauft, die auch nicht im Entferntesten eine Erhöhung des Sicherheitsniveaus gegenüber qualifizierten Angreifern oder gar Terroristen bringt", kritisiert Müller-Maguhn.
Die CCC-Arbeitsgruppe Biometrie dokumentiert auf einer Internet-Seite des Chaos Computer Club(öffnet im neuen Fenster), wie einfach sich Fingerabdrücke fremder Personen zur Überlistung biometrischer Erkennungsgeräte fälschen lassen. Im Wesentlichen genüge es, sich den Fingerabdruck z.B. durch kurzzeitigen Zugriff auf ein Trinkglas oder einen anderen berührten Gegenstand zu verschaffen.
Die Einführung eines Identifikationssystems, das eine entwürdigende erkennungsdienstliche Erfassung aller Bürger erfordert, wie sie bisher nur für Straftäter üblich ist, stehe in keinem vertretbaren Verhältnis zum erzielbaren Sicherheitsgewinn.
Nach Ansicht des CCC dient das Projekt in nicht unwesentlichen Teilen einer Förderung der "Sicherheitsindustrie", die händeringend nach einem repräsentativen Pilotprojekt für ihre "praxisuntaugliche" Technologie suche.
Der CCC fordert daher eine öffentliche Debatte und die Aufklärung der Bevölkerung über die Risiken. Eine Einführung von biometrischen Systemen dürfe ausschließlich auf der Grundlage eines sachlich objektiv nachgewiesenen Bedarfs und nach ausführlicher öffentlicher und parlamentarischer Diskussion und Kontrolle stattfinden. Zudem sollen nur Systeme verwendet werden, die eine aktive Teilnahme der Personen bei der Überprüfung erfordern und somit nicht für eine verdeckte Fern-Identifikation geeignet sind.
Bei der Auswahl einer geeigneten Technologie für die staatliche Einführung von biometrischen Merkmalen müsse nicht nur eine fälschungssichere Technik gewählt, sondern auch die Haftungsfrage bei Missbrauchsfällen für unbescholtene Bürger geklärt werden. Zudem soll auf eine Speicherung von biometrischen Merkmalen in einer zentralen oder in vernetzten dezentralen Datenbanken verzichtet und keine RFID-Technologie zur Speicherung und Abfrage der biometrischen Daten verwendet werden.
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