Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Spieletest: Fable - Revolution oder viel Lärm um nichts?

Peter Molyneuxs ambitioniertes Projekt für die Xbox. Wenn Peter Molyneux ein Spielprojekt anpackt, schaut ihm die ganze Videospielwelt dabei auf die Finger – nach Erfolgen wie Populous oder Black & White gehört Molyneux schließlich zu den wenigen weltbekannten Entwicklern, deren neue Werke immer mit großer Spannung erwartet werden. Sein aktueller Titel "Fable" sollte nicht weniger werden als die Revolution des Rollenspiels auf der Xbox; schade nur, dass längst nicht alle hochtrabenden Ankündigungen auch eingehalten werden konnten.
/ Thorsten Wiesner
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Bei Fable hatte man sich extrem viel vorgenommen – unter anderem war es das Ziel der Entwickler, eine lebendig wirkende Fantasiewelt zu erzeugen und dem Spieler nahezu unbegrenzte Handlungsfreiheit zu geben. Gleich zu Beginn hat man auch zunächst einmal das Gefühl, als wäre dies geglückt: In der Rolle eines namenlosen kleinen Jungen tollt man durch sein Heimatdorf, sucht dabei nach einem Geburtstagsgeschenk für die eigene Schwester und wird von den Nachbarn immer wieder zu kleineren Aufgaben herangezogen, bei denen man sich entscheiden darf, ob man eher böse oder eher gut vorgeht: Verpfeift man den Typ, der seine Frau betrügt und mit der schönen Bauerntochter fremdgeht? Hilft man einem Händler und passt auf seine Kisten auf – oder zerstört man sie lieber in seiner Abwesenheit, um zu schauen, ob etwas Wertvolles darin versteckt ist?

Die glückliche Kindheit wehrt allerdings nicht lange: Schon kurz nach Spielbeginn wird das kleine Heimatdorf Ziel eines brutalen Überfalls, unzählige Bewohner werden brutal dahingemetzelt – darunter auch der Vater des zukünftigen Helden. Die Mutter und Schwester hingegen werden verschleppt und unser Held selbst entgeht ebenfalls nur knapp dem Tod – in letzter Minute springt ihm ein mysteriöser Magier mit Namen Maze zur Seite und rettet ihn in die so genannte Heldengilde.

In der Gilde, die auch im späteren Spielverlauf immer wieder Dreh- und Angelpunkt sein wird, erlernt man nun in relativ kurzer Zeit all das, was ein Held so zum Leben braucht – den Entwicklern ist es gelungen, dieses Tutorial sehr geschickt in das Spiel zu integrieren. So wird man im Schwertkampf unterrichtet, nimmt das erste Mal Maß mit dem Bogen und lernt die ersten Zaubersprüche kennen, mit denen sich Kontrahenten brutzeln lassen.

Das Kampfsystem ist sehr intuitiv und gut umgesetzt – was zum Teil aber auch daran liegt, dass man ganz einfach die gelungene Steuerung des Nintendo-Hits Zelda adaptiert hat: Durch Drücken der Trigger-Taste wird der Feind beständig anvisiert, per Knopfdruck kann zwischen dem jeweiligen Angriffsziel hin- und hergeschaltet werden. Der Kampf selbst findet dann ebenfalls durch simples Knopfdrücken statt, wobei auch Combos möglich sind. Etwas problematisch ist einzig, wenn man für die Nutzung von Pfeil und Bogen aus der typischen 3rd-Person-Sicht in die Ego-Sicht umschaltet, da sich das Zielen nicht ganz einfach gestaltet.

Das Erlernen der Kampfmechanismen ist sehr wichtig, da Fable im Wesentlichen ein Action-Titel ist – Rätsel gilt es zwar auch immer wieder zu lösen, deren Schwierigkeitsgrad ist aber meist recht gering. Ohnehin ist Fable ein recht simples Vergnügen – fast alle Aufgaben sind recht einfach gehalten und dürften auch Spieleinsteigern wenig Schwierigkeiten machen.

Was jeweils zu tun ist, erfährt man in der Helden-Gilde – dort warten immer neue Quests auf den Spieler, wobei immer nur die Aufgaben zugänglich sind, für die man bereits reif genug ist. Die Reife erwirbt man durch das vorherige Erfüllen leichterer Aufgaben, für das man Punkte und damit auch eine Aufwertung der eigenen Charaktereigenschaften und des persönlichen Ruhmes erhält. Hier offenbart sich dann aber auch der erste große Schwachpunkt von Fable: Entgegen Molyneuxs Ankündigungen laufen diese Quests streng linear ab und müssen nach und nach abgearbeitet werden; zudem stehen bei der Lösung der Aufgaben nur selten wirklich unterschiedliche Optionen bereit.

Mehr Spannung kommt da schon in den zahlreichen – freiwilligen – Nebenquests auf, die man am Wegesrand immer wieder aufschnappt. Hier kommt dann auch das Persönlichkeitssystem zum Tragen, da oft die Wahlmöglichkeit zwischen guten und bösen Taten besteht: Soll man lieber verhandeln oder gleich zuschlagen? Nett und hilfsbereit sein oder Unschuldige niedermetzeln und Häuser anzünden?

Wie schon bei "Knights of the old Republic" wirkt sich das eigene Verhalten auf die Charaterentwicklung aus, was bei Fable allerdings vor allem optische Folgen nach sich zieht: Während gute Helden im Laufe der Zeit sogar einen Heiligenschein erwerben können und von Dorfbewohnern freudig und mit Applaus begrüßt werden, sorgen böse Gestalten mit ihrer dunklen Rüstung und der blauen Gesichtsfarbe allein schon durch ihr Äußeres für Angst und Schrecken.

In Fable kann übrigens nicht nur sprachlich miteinander kommuniziert werden, auch ein Gestensystem steht zur Verfügung – per Knopfdruck kann unser Held etwa schlechte Körpergerüche von sich geben oder wahlweise auch hübsche Frauen anflirten und ihnen so den Kopf verdrehen. Auch dies gehört zu den nicht notwendigen, aber durchaus unterhaltsamen Aktionsmöglichkeiten, wenn man durch die Wälder und Dörfer streift.

Neben den Charaktereigenschaften gibt es natürlich auch zahlreiche Extras, die im Laufe der Zeit erworben werden können; unter anderem stehen unterschiedliche Möglichkeiten bereit, das eigene Äußere mit unterschiedlichsten Gegenständen wie neuen Waffen und Rüstungen aufzuwerten. Die spielerischen Möglichkeiten erweitern sich ebenfalls, unter anderem durch das Dazulernen beständig neuer Zaubersprüche. Von denen hat man drei immer griffbereit auf den Aktionstasten, im Menü kann man sich aber auch eigene Wunschkombinationen selbst zusammenstellen.

Optisch ist Fable zweifellos das Highlight geworden, das man sich erhofft hatte – die Landschaften sind wunderschön und glänzen durch zahlreiche kleine und lebendige Details und auch die Charakterdarstellungen überzeugen größtenteils. Allerdings erkauft sich Fable diesen Grafikglanz auch mit einigen technischen Tricks; so sind die jeweils geladenen Spielwelten immer recht klein, zudem kann man sich fast immer auf einigen wenigen vorgegebenen Pfaden bewegen. Sobald man ein paar Schritte weiter geht und den nächsten Abschnitt erreicht, muss nachgeladen werden – und diese Ladepausen dauern oft länger als zehn Sekunden und gehen mit der Zeit ganz schön auf die Nerven.

Die deutsche Sprachausgabe hingegen ist rundum gelungen, zumal die meisten Bewohner auch oft vor sich hinbrabbeln, ohne dass man sie anspricht – was zu dem gewünschten Eindruck der lebendigen Spielwelt führt.

Fable ist für die Xbox bereits im Handel erhältlich. Umsetzungen für andere Systeme wird es nicht geben – selbst eine PC-Version hat Microsoft kürzlich kategorisch ausgeschlossen.

Fazit:
Eines vorweg: Fable ist ein großartiges Spiel und gehört sicherlich zum Besten und Schönsten, was man auf der Xbox bisher zu sehen bekam. Die zahlreichen im Test geäußerten Kritikpunkte muss sich der Titel aber dennoch gefallen lassen, da Molyneux und Microsoft im Vorfeld deutlich mehr versprochen hatten, was nicht eingehalten wurde. Die Story ist recht genretypisch und oft klischeebeladen, die Handlungswege sind eng vorgegeben, die Gut-/Böse-Entwicklung kaum spannender oder ausgefeilter als in Knights of the old Republic und das Kampfsystem letztendlich fast eine 1:1-Kopie von Zelda. Wer spielerische Innovationen oder gar eine neue Genre-Referenz sucht, wird enttäuscht sein; hat man sich hingegen von den zahlreichen Vorabankündigungen nicht blenden lassen und ist einfach auf der Suche nach einem sehr guten, actionlastigen Rollenspiel, darf man zugreifen.


Relevante Themen