Interview: Wettbewerb der Softwareparadigmen
Golem.de: Die grundsätzliche Einführung scheint zudem nicht sehr teuer. Die TPMs selbst sind ja gerade auf niedrige Kosten ausgelegt und werden schon heute unter anderem von IBM standardmäßig in fast allen Systemen integriert, obwohl sich der Nutzen für den Kunden mangels entsprechend breiter Softwareunterstützung noch in Grenzen hält?
Greve: Das Teure an TC ist nicht der eigentliche Chip, obwohl Ihnen die Hardwarehersteller zumeist erklären werden, dass teilweise Kosten von 50 Cent bereits über Erfolg und Niederlage einer Produktlinie entscheiden. Die wirklichen Kosten entstehen im Aufbau und Unterhalt der gesamten Infrastruktur, die für die Aufrechterhaltung von TC notwendig ist. Da diese die gebündelte Achillesferse für alle meine Systeme darstellt, muss ich sie sehr stark schützen und auf Redundanz auslegen.
Im Fall der Einführung von DRM rechnen die Plattenfirmen nach eigenen Aussagen damit, dass die Vertriebswege ähnlich viel kosten werden wie die analogen Vertriebswege heute, also um die 90 Prozent vom Endverkaufspreis.
Golem.de: Offene Schnittstellen sind die eine Sache, die Möglichkeit, diese auch in freier Software zu implementieren, eine andere. Dabei spielen Patente eine zunehmend wichtige Rolle. Inwiefern droht ein möglicher Erfolg vor dem EuGH daher, ein Pyrrhussieg zu werden?
Greve: Natürlich besteht zum Teil die Gefahr, dass der Nutzen unserer Arbeit in diesem Fall durch eine Entscheidung zu Gunsten von Softwarepatenten untergraben wird. Gleichzeitig würde eine Entscheidung gegen Softwarepatente diesen Fall in seiner Bedeutung noch stärken - denn dann ließen sich die Auflagen der Kommission vielleicht tatsächlich durchsetzen.
Insofern haben wir keine Perspektive darin gesehen, die Kommission vor dem EuGH im Stich zu lassen - ebenso wie es keine Perspektive darstellt, die Arbeit gegen Softwarepatente einzuschränken - auch wenn wir durch diese Mehrfachbelastung stark unter Druck gesetzt werden. Doch selbst wenn Softwarepatente kämen, wäre die Arbeit vor dem EuGH nicht umsonst gewesen. Denn dann würde die Kommission selbst und unmittelbar feststellen, dass ihr Sieg vor Gericht durch die Einführung von Softwarepatenten geschwächt wurde.
Es gibt keinen Zweifel, dass Softwarepatente weltweit abgeschafft werden müssen. Eine entsprechend motivierte Kommission und demaskierte Befürworter von Softwarepatenten wären nicht die schlechteste Ausgangssituation.
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