Droht eine Zweiklassengesellschaft in der Wissenschaft?
Besonders realitätsfern sei der neue Paragraf 53a: Eine Dokumentlieferung, wie sie beispielsweise Subito anbietet, sei auf klassische Formen wie Post oder Fax begrenzt. "Die unökonomischen Medienbrüche sind vorprogrammiert - soll ein Wissenschaftler tatsächlich in der Zukunft Daten oder wichtige Textpassagen wieder abtippen müssen, wenn er sie in seiner Arbeit verwenden will", kritisiert das Aktionsbündnis. Das sei insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender temporaler Daten wie Simulationen, Videos oder Animationen problematisch, die im elektronischen Material vorhanden sind. Diese seien schwer per Post oder Fax übermittelbar.
Auch die vorgesehene Regelung, dass eine elektronische Dokumentversorgung nur noch dann erlaubt sei, wenn die Verlage nicht selber ein Angebot bereitstellen, sieht man kritisch. "Das klingt marktkonform harmlos, ist aber schlicht eine Katastrophe", heißt es weiter. Für Subito bedeute dies das Ende - Wissenschaftler oder Studierende müssten dann nicht länger rund 5,- Euro pro Artikel bezahlen, sondern eher 20,- Euro und mehr.
Damit drohe eine Zweiklassengesellschaft in der Wissenschaft, zwischen denen, die dank ihrer direkten Wirtschaftsrelevanz bezahlen können und denen, die das nicht können, befürchtet das Aktionsbündnis und fordert, "den verhängnisvollen Trend der Informationsverknappung in Wissenschaft und Bildung zu stoppen".
Das Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft vertritt die Interessen von derzeit mehr als 40 Wissenschafts- und Ausbildungsinstitutionen, darunter die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, die Hochschulrektorenkonferenz, die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz, der Wissenschaftsrat, die Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheks- und Informationsverbände und der Deutsche Bibliotheksverband.
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