Interview: PDAs und Smartphones wachsen stärker zusammen
Larry Berkin: Mit der Namenszuteilung wollen wir Verunsicherungen umgehen, die eine nummernbasierte Benennung hervorrufen kann. PalmOS Cobalt und PalmOS Garnet werden in einer Reihe unterschiedlich teurer Geräte integriert und beide Betriebssysteme sind so konzipiert, dass sie im Markt gleichberechtigt existieren können.
Golem.de: Was für neue Funktionen kommen mit PalmOS Garnet?
Berkin: PalmOS Garnet eignet sich vorzüglich für aktuelle PDAs und Smartphones – damit lassen sich Einstiegs- und Mainstream-Geräte mit Telefon- und Drahtlos-Funktionen entwickeln. PalmOS Garnet setzt auf PalmOS 5 auf und enthält neue Funktionen wie etwa die Unterstützung mehrerer Display-Auflösungen, ein Soft-Graffiti-Feld, verbesserte Netzwerkfunktionen und Bluetooth. PalmOS Garnet ist so konzipiert, dass Lizenznehmer zügiger PalmOS-PDAs oder -Smartphones auf den Markt bringen können und dabei Entwicklungskosten sparen.
Golem.de: Und welche Neuerungen bringt PalmOS Cobalt?
Berkin: PalmOS Cobalt wurde komplett neu geschrieben und dient als Basis für die Entwicklung einer neuen Kategorie intelligenter, mobiler Endgeräte und richtet sich an neue Marktsegmente. PalmOS Cobalt enthält die Möglichkeiten von PalmOS Garnet und liefert zudem die Grundlage für moderne Multimedia- und Unternehmensanwendungen.
So verbessert PalmOS Cobalt die Kompatibilität mit Microsoft Windows und bietet erweiterte Funktionen wie Multitasking und Multithreading, Speicherschutz, Unterstützung für mehr Speicher und größere Displays, standardisierte Sicherheitsfunktionen sowie erweiterte Kommunikations- und Multimedia-Frameworks, die mehrere Verbindungen gleichzeitig betreiben können. Außerdem bringt PalmOS Cobalt zahlreiche Grafik- und Multimedia-Funktionen, die vom 2001 aufgekauften BeOS stammen.
Golem.de: Welche Hardware-Anforderungen stellen PalmOS Garnet und PalmOS Cobalt?
Berkin: PalmOS Garnet läuft auf Prozessoren der 68K-Familie, während PalmOS Cobalt für ARM-basierte Prozessoren optimiert ist.
Golem.de: Wie sieht es mit der Software-Kompatibilität zwischen PalmOS 5.x und PalmOS Cobalt aus?
Berkin: Bei der Entwicklung von PalmOS Cobalt wurde darauf geachtet, dass sauber geschriebene PalmOS-Applikationen auf beiden Plattformen laufen. Wie bei jedem Betriebssystemwechsel werden jedoch einige Inkompatibilitäten auftreten. Wir erwarten, dass der Übergang ähnlich sein wird wie beim Wechsel von PalmOS 4 auf PalmOS 5.
Wir haben das "Palm Powered Solution Program" gestartet, um Software zu kennzeichnen, die auf Kompatibilität für verschiedene PalmOS-Versionen getestet wurde. Nutzer sollten beim Kauf auf dieses Logo achten, um sicher zu gehen, dass das betreffende Produkt auf allen PalmOS-Geräten läuft.
Golem.de: Eine Frage zu Graffiti und Graffiti 2. Die aktuellen PalmOS-Versionen sind mit Graffiti 2 bestückt und es wird vermutet, der Grund für den Wechsel von Graffiti nach Graffiti 2 liegt im Patentrechtsstreit mit Xerox, ist das korrekt?
Berkin: Wir können solche rechtlichen Angelegenheiten nicht kommentieren. Das neue Graffiti 2 bietet eine intuitive und natürlichere Eingabemethode, vermindert die Lerndauer für neue Nutzer und vereinfacht auch den Wechsel erfahrener Anwender.
Golem.de: Welche Erwartungen stellen Sie in nächster Zeit an den Smartphone-Markt?
Berkin: Der Smartphone-Markt wächst schnell und PalmSource aktualisiert ständig das Betriebssystem, um das Unternehmen als einen Teilnehmer in diesem wachsenden Bereich zu positionieren.
Golem.de: Wie schätzen Sie den schrumpfenden PDA-Markt ein? Sehen Sie durch den ständigen Rückgang eine Gefahr für die PalmOS-Plattform?
Berkin: Wir glauben, der PDA-Markt reift und teilt sich in eine Vielzahl von Bereichen auf, die sich an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kunden richten. Die Produkte der PalmOS-Lizenznehmer Tapwave und Garmin zum Beispiel konzentrieren sich auf den mobilen Entertainment-Markt und den GPS-Bereich.
Es besteht weiterhin eine hohe Nachfrage nach Handhelds mit Mehrwertfunktionen, die die Kunden wollen und benutzen. Die Zire- und Tungsten-Produkte von palmOne waren sehr erfolgreich und bekräftigen die starke Nachfrage nach herkömmlichen PDAs im High-End- und Low-End-Segment. Jedoch gehen wir davon aus, dass PDAs und Smartphones weiter zusammenwachsen und wir tun alles, was wir können, um das Unternehmen so aufzustellen, dass es einen beträchtlichen Anteil am Smartphone-Markt hält.
Golem.de: Vor einigen Monaten verkündete Sony, außerhalb Japans die Entwicklung neuer PDAs einzustellen. Was bedeutet das für den PalmOS-Markt?
Berkin: Sony sah sich zunehmendem Druck anderer PalmOS-Lizenznehmer ausgesetzt, die einen höheren Marktanteil im US-amerikanischen und europäischen PDA-Markt besitzen. Wir verstehen und respektieren Sonys Entscheidung, sich voll auf den japanischen Markt zu konzentrieren. Wir erwarten, dass sich Sonys Marktanteile zwischen anderen PalmOS-Lizenznehmern in den USA und Europa aufteilen werden.
Sony bleibt weiterhin ein PalmOS-Lizenznehmer, ein Technikpartner für PalmSource und ein strategischer Investor sowie Aktionär von PalmSource.
Golem.de: Wie schätzen Sie die abermals marktdominierende Stellung von palmOne nach der Handspring-Übernahme und dem Teilrückzug von Sony ein? Da die meisten PalmOS-Lizenznehmer nur einen kleinen Marktanteil erreichen, erscheint es dem normalen Kunden, als ob palmOne als einziger Hersteller PalmOS-Geräte anbietet. Will PalmSource diesen Trend stoppen?
Berkin: Mit dem erfolgreichen Start des Xplore G18 auf dem deutschen Markt durch Quelle gehen wir von einer starken Nachfrage nach vielen PalmOS-Smartphones und drahtlosen Geräten aus. Ein anderes erfolgreiches Smartphone stellt das Samsung i500 dar. [Anmerkung der Redaktion: Der Marktstart des Samsung-Gerätes wurde mehrfach verschoben, so dass das i500 noch nicht erhältlich ist.] PalmSource wird weiterhin alle Lizenznehmer so unterstützen, dass diese erfolgreich im PDA- und Smartphone-Markt agieren können.
Golem.de: Wie beurteilen Sie die BlackBerry-Geräte von Research In Motion (RIM)? Sehen Sie darin einen direkten Konkurrenten für die PalmOS-Plattform?
Berkin: RIM schaffte einen außerordentlichen Erfolg mit der Kombination ihrer BlackBerry-Hardware und der E-Mail-Software. PalmSource kooperiert mit RIM, um gemeinsam RIMs BlackBerry-Connect-Client für PalmOS anbieten zu können.
Für uns ist die Kombination von PalmOS und dem E-Mail-Client von RIM ein klarer Gewinner, der unternehmensweite E-Mail-Funktionen mit der PalmOS-Plattform vereint – einem führenden mobilen Betriebssystem, das für seine einfache Bedienung bekannt ist. Wir freuen uns darauf, den E-Mail-Client von RIM an unsere Lizenznehmer liefern zu können.
Golem.de: Wann wird das erwartete BlackBerry-Connect erhältlich sein? Wird BlackBerry-Connect nur in neuen Geräten integriert sein oder wird es die Lösung auch für jetzige Besitzer eines PDAs oder Smartphones geben?
Berkin: Wir sind zuversichtlich, dass wir BlackBerry-Connect wie geplant bis November 2004 an unsere Lizenznehmer ausliefern werden. Dann liegt es an den Lizenznehmern, den Client in ihre Geräte zu integrieren. Diese werden die Option erhalten, BlackBerry-Connect auch für Besitzer von PalmOS-Geräten als Nachrüstmöglichkeit anzubieten.
Golem.de: Wie sieht die Entwicklergemeinde von PalmOS aus?
Berkin: PalmSource profitiert von einer starken und ständig wachsenden Entwicklergemeinde. Mit weltweit mehr als 320.000 PalmOS-Entwicklern und mehr als 20.000 erhältlichen PalmOS-Applikationen glauben wir, dass PalmSource eine der stärksten Entwicklergemeinden im Bereich mobile Applikationen darstellt.
Golem.de: Und wie wird man PalmOS-Entwickler? Welche Anforderungen muss man erfüllen?
Berkin: Interessierte Entwickler können sich im PalmSource-Entwicklerbereich auf www.palmsource.com/developers(öffnet im neuen Fenster) registrieren. Es existieren keine bestimmten Anforderungen für die Entwicklung von PalmOS-Applikationen, außer dem Wunsch, Software zur Lösung alltäglicher Probleme von Nutzern von PalmOS-Geräten zu entwickeln.

