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Spieletest: Medieval Lords - Sim City im Mittelalter

Aufbaustrategie für PC. Das Mittelalter dient immer wieder als Szenario für Strategiespiele. Während in den meisten von ihnen allerdings große Gefechte im Mittelpunkt stehen, betont Medieval Lords von Pointsoft eindeutig den Aufbaupart: Ziel ist es hier, eine prosperierende und lebensfähige Metropole zu errichten.
/ Thorsten Wiesner
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Kern des Spiels ist die Kampagne, die mit mehreren Missionen aufwartet, prinzipiell aber immer das Gleiche vom Spieler verlangt: Die Stadteinwohner müssen glücklich werden, indem für genügend Nahrung gesorgt, Feinde vertrieben und eine Reihe alltäglicher Probleme bekämpft werden. Schade: Während andere Spiele die Kampagne mit einer spannenden Hintergrundgeschichte und sehenswerten Zwischensequenzen ausschmücken, muss man sich bei Medieval Lords mit recht drögen Texteinleitungen zufrieden geben – Atmosphäre sieht anders aus.

Entschädigt wird man dafür mit einer sehenswerten Städte-Grafik – vor allem die zahlreichen 3D-Gebäude mit ihren unterschiedlichen Funktionen wurden hübsch ausgearbeitet und lassen einen den Stadtausbau mit recht viel Spaß vorantreiben. Die recht komfortable Maussteuerung erlaubt ein problemloses Drehen und Zoomen der Ansicht, nur die sehr pixeligen Stadtbewohner wirken etwas unfertig.

Um die Stadtmauern weiter nach außen zu verschieben und den eigenen Ruhm immer weiter zu vermehren, muss vor allem für das Wohl der Bevölkerung gesorgt werden – erst wenn alle Bewohner eines Hauses stimmungsmäßig ein gewisses Niveau erreicht haben, steigt das Gebäude im Rang auf und man kann weiteren Expansionsplänen nachgehen. Insgesamt gibt es sechs Werte, die für die Bevölkerung beachtet werden müssen – neben Hunger und Durst sind dies Gelassenheit, Muße, Gesundheit und Sicherheit.

Für einigen Spielspaß sorgt die enge Verbundenheit dieser Werte: Stellt man etwa mehr Galgen auf, steigert das zwar das Sicherheitsgefühl, besonders wohl fühlen sich die Menschen im Angesicht zahlreicher Foltermaschinen allerdings nicht. Eine Kirche steigert die Stimmung, kostet aber Geld, und ein Bauernhof verbessert die Nahrungssituation, verschlechtert aber das Wohnambiente. Nichtsdestotrotz werden sich Strategieprofis auf Grund der wenigen Ressourcen (prinzipiell nur Geld und Nahrung) und dem Weglassen eines richtigen Handelsparts ziemlich in ihrer Aktionsfreiheit beschnitten fühlen.

Grund zur Klage gibt auch der sehr rudimentäre Kampfteil – kommt es mal zu einer Schlacht, etwa mit dem Oberhaupt der Nachbarstadt, ist eigentlich nur die Größe der eigenen Truppen relevant, strategische Planungen und Taktik spielen keine Rolle. Da es auch kaum unterschiedliche Einheiten gibt, wird man schon bald versuchen, sich so weit wie möglich auf den Aufbaupart zu beschränken und die Kämpfe links liegen zu lassen.

Fazit:
Hübsch sehen die Städte in Medieval Lords ja durchaus aus, viel Spaß beim Aufbau hat man trotzdem nicht – dafür sind die Möglichkeiten einfach zu gering. Den misslungenen Militärpart kann man ja noch verschmerzen, allerdings motiviert auch der Rest der Kampagnen nur wenig – zu gering sind die spielerischen Möglichkeiten, die einem an die Hand gegeben werden. Da rettet auch der Editor, mit dem man sich eigene Endlos-Szenarien erstellen kann, nicht mehr viel.


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