Spieletest: Tom Clancy's Rainbow Six 3: Black Arrow für Xbox
Starkes Gameplay mit opulenter Online-Unterstützung. Vor rund einem Jahr, im November 2003, stieg Ubi Soft mit Tom Clancy's Rainbow Six 3 auf der Xbox ins Taktikshooter-Geschäft ein. Nun ist mit Tom Clancy's Rainbow Six 3: Black Arrow ein neues Spiel aus der Reihe erschienen, das wieder einmal die vier Teammitglieder Domingo "Ding" Chavez, Eddie Price, Louis Loiselle und Dieter Weber als Anti-Terroreinheit Rainbow Six im Kampf gegen das Böse zusammenführt.
Tom Clancy's Rainbow Six 3: Black Arrow bietet dazu zehn neue Level in so unterschiedlichen Terrains wie einer britischen U-Bahnstation, einem Hotel, den Straßen von Mailand, einer Raketenfabrik, einem Kernreaktor und anderen militärischen und industriellen Gebäuden. Hier muss man wie gehabt Geiseln befreien, Bomben entschärfen und natürlich Terroristen ausschalten. Die sequenziell aufgebaute Einzelspielerkampagne bietet insgesamt nichts wirklich Neues – außer neue Vorgeschichten und Szenarien.
Wie gehabt gibt es zur Mannschaftssteuerung Kurzbefehle, die auch mit dem Gamepad sehr einfach und effizient ausgewählt werden können. Dazu wählt man zunächst ein Kontextmenü aus und zeigt dann mit dem Fadenkreuz auf das Objekt, zu dem die gewünschte Aktion passt. Das kann beispielsweise eine zu öffnende Tür, ein zu besetzender Raum, eine zu sichernde Geisel oder eine Zielmarkierung sein. Je nach taktischer Situation ist die Befehlsausführung sofort oder erst auf Zuruf möglich. Letztere Option bietet sich an, wenn man selbst nicht zusammen mit den Teamkameraden vorgehen will, sondern z.B. eine andere Schussposition einnehmen will, wenn eine Tür geöffnet wird.
Die Befehle lassen sich auch mit einer angeschlossenen Xbox-Sprechgarnitur auf Englisch erteilen, wobei die Spracherkennung bei richtiger Aussprache überraschend gut funktioniert. Im Handbuch findet sich eine vollständig dokumentierte Befehlsübersicht, dankenswerterweise sind darunter auch lautschriftliche Hinweise zu jedem Kommando.
Die Mitspieler reagieren auf diese Befehle sehr prompt und auch das autonome Verhalten bei Bedrohungssituationen ist mittlerweile fast tadellos. In sehr engen Gängen empfiehlt es sich jedoch, die Gruppe nicht gemeinsam eintreten zu lassen, um ein ausreichend großes Schussfeld zu haben.
Im Spiel sind einige neue Waffen hinzu gekommen, so zum Beispiel das russische Scharfschützengewehr Dragunov SWDS und die halbautomatische PSG-1 von Heckler und Koch. Das .50-Gewehr ist zum Glück wieder aus dem Spiel entfernt worden, da es zumindest im Multiplayer-Modus einfach zu stark war und das Kräftegleichgewicht zu stark verschob.
Das Leveldesign ist hervorragend gelungen – neben vielen ansprechenden Orten wurde auch für die passende Geräuschkulisse gesorgt und auch die Zurufe sowohl der eigenen und der gegnerischen Partei sind klar verständlich und atmosphärisch dicht. Eine Musikuntermalung fehlt fast vollständig, wird aber auch nicht vermisst.
An der Grafik, die gegenüber dem Vorgänger nur leicht modifiziert wurde, gibt es nichts auszusetzen. Zwar ist sie damit nicht mehr auf dem neuesten Stand der Entwicklung, doch wie gehabt sind die Texturen detailliert und scharf gezeichnet und die Spielerfiguren sehr aufwendig und realitätsgetreu umgesetzt worden. Auch die Animationen spielen sich auf einem sehr hohen Niveau ab, was gerade dem Realismusgrad sehr zuträglich ist.
Die Beleuchtungseffekte sind deutlich verbessert und in das Gameplay integriert worden: Schon in der ersten Mission gibt ein Terrorist unfreiwillig seine Position dadurch bekannt, dass er hinter einem beleuchteten Fenster steht und sein Schatten so überlebensgroß auf eine gegenüberliegende Wand fällt.
Leider ist immer noch keine Ausdauer-Berücksichtigung der Spielfiguren eingebaut worden, so dass die Figuren stundenlang in gebückter Haltung mit vollem Marschgepäck durch die Gänge hetzen können, ohne einmal eine Pause einlegen zu müssen.
Die Gegnerintelligenz ist auf einem beträchtlich hohen Niveau, wenngleich ein sinnloses Anrennen gegen die Angreifer leider gelegentlich immer noch zu beobachten ist. Meistens gehen die Angegriffenen nicht nur in Deckung und verschanzen sich, sondern versuchen auch zu fliehen. Die Terroristen machen neben dem Schusswaffen- auch häufigen Gebrauch von Tränengas- und Rauchbomben, um ihre Position zu verschleiern.
Gelegentlich scheinen gescriptete Ereignisse allerdings recht spät auszulösen, so dass man den Gegner schon aufklären kann, bevor er reagiert. Neben der normalen Waffensicht und der je nach Waffe unterschiedlichen Visiersicht gibt es noch einen Restlichtverstärker und einen Wärmebildmodus, der je nach Einsatzort sinnvoll einsetzbar ist.
Die Multiplayer-Unterstützung bietet sowohl einen scheinbar leicht detailreduzierten Splitscreen-Modus für zwei Spieler vor Ort (die zwei anderen Team-Mitglieder werden von der Konsole simuliert) als auch eine System-Link-Option für vier Spieler. Der Xbox-Live-3.0-Zugang, der für viele Spieler die interessanteste Option des Spiels sein dürfte, bietet neben der Clan-Verwaltung (Squads genannt) auch eine Reihe neuer, sehr weitläufiger Karten und Spielemodi an. Neben dem Altbekannten gibt es nun auch die Spieloptionen Total Conquest und Retrieval.
Bei Total Conquest versuchen die Parteien mehr und mehr Basen auf der Karte zu erobern. Der Basengewinn sorgt gleichzeitig für einen neuen Span-Point, so dass man schnell wieder im Spielgeschehen auftauchen kann. Der Retrieval-Modus ist ähnlich wie ein Capture-the-Flag-Spiel zu verstehen. Allerdings gibt es hier anstelle von zwei nur einen Gegenstand, in diesem Fall einen Behälter mit giftigem Inhalt. Die Teams starten an den Kartenenden, der Behälter steht in der Mitte. Es gilt nun, die Kontrolle über den Behälter zu erlangen und ihn in Sicherheit zu bringen, während das gegnerische Team das Gleiche versucht. Bei einem Punktegleichstand am Ende des Spiels folgt ein Death-Match.
Fazit: Tom Clancy's Rainbow Six 3: Black Arrow wird sofort jedem gefallen, dem das ursprüngliche Spiel schon zusagte. Durch die neuen Grafikeffekte, die sehr schönen Karten und das hervorragende Mannschaftsmanagement, aber vor allem durch die Multiplayer-Unterstützung ist es einer der Top-Titel auf der Xbox geworden, der anhaltenden Spielspaß und abwechslungsreiche Turniere verspricht. Leider sind gegenüber dem Vorgänger Tom Clancy's Rainbow Six 3 allerdings nur sehr wenige wirkliche Neuerungen eingeflossen, so dass Vorbesitzer eine Kaufentscheidung auf Grund der neuen Karten und der erweiterten Xbox-Live-Unterstützung treffen sollten.