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Spieletest: Conflict: Vietnam - Eingängige Dschungel-Action

Dauerkrankenschwestereinsatz in Vietnam. Im Xbox-Spiel "Conflict: Vietnam" steuert man wie in den anderen Conflict-Spielen der Serie einen Trupp Soldaten. Diesmal sind es die vier US-Soldaten Ragman, Junior, Hoss und Cherry, die 1968 während der Tet-Offensive in Vietnam im Dschungelkampf, in unterirdischen Höhlensystemen des Vietcong und in vielen anderen Gefahrensituationen eingesetzt werden.
/ Andreas Donath
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Der Third-Person-Shooter ist so aufgebaut, dass man in den 14 Missionen, die das Spiel ingesamt bietet, wie bei einem Taktikshooter einen der Akteure jeweils selbst steuert und den anderen Befehle erteilen kann. Die Steuerung mit dem GamePad ist dabei recht trickreich, so dass man zumindest am Anfang des Öfteren beispielsweise aus Versehen eine Granate wirft, anstelle seinem Teamkameraden ein Ziel zuzuweisen.

Die Steuerung erfolgt entweder pro Mitspieler oder für die ganze Gruppe. Neben simplen Bewegungsbefehlen kann man auch mittels Zeiger bestimmte Orte zuweisen, an die sich die Mitstreiter zu begeben haben oder ihnen zeigen, welche Ziele sie bekämpfen sollen. Der Wechsel zu einem der vier Soldaten ist jederzeit möglich, so dass beispielsweise dessen Waffen oder seine günstigere Schussposition genutzt werden können.

In Conflict: Vietnam kann man aus der Third- in die First-Person-Perspektive wechseln, um das Waffenvisier oder das Fernglas benutzen zu können. In der 3-Person-Perspektive ist dann auch ein Auto-Zielmechanismus aktiviert, der zumindest in einem gewissen Radius von der Zielrichtung entfernt den Gegner automatisch aufs Korn nimmt. In der Visier-Sicht ist leider das Blickfeld durch die mehr oder minder große Waffenabbildung so stark verdeckt, dass man schnell die Übersicht verliert, so dass fleißiges Hin- und Herschalten zwischen den beiden Ansichten zur Pflicht wird.

Zur Auswahl stehen neben Messern, den schon erwähnten Handgranaten und Sturmgewehren auch MGs und MPs zur Verfügung. Gelegentlich darf man auch einmal ein Fahrzeug mit einer Panzerfaust knacken oder sich ans Steuer setzen.

Beim Schießen verreißen die Waffen unterschiedlich stark, die erneute Ausrichtung auf das Ziel ist jedoch nicht notwendig, sondern geschieht automatisch. Die Nachladezeiten sind viel zu schnell und auch die Unmengen von Ausrüstung und Munition, die die Soldaten scheinbar mit sich herumschleppen können, sind wie auch die Reichweiten der Waffen unrealistisch hoch.

Die Grafik des Spiels ist größtenteils hervorragend, auch wenn hin und wieder verwaschene Texturen, vor allem bei der Darstellung der Dschungel-Vegetation, den guten Eindruck etwas trüben. Man darf von Conflict: Vietnam keine simulationsgetreue Umsetzung des Themas erwarten: Bei den Explosionen, aber auch bei den Waffeneffekten ist ein deutlicher Arcade-Effekt zu spüren, der dem Spielspaß allerdings keinen Abbruch tut.

Der Dschungel, die Häuser und Ruinen, aber auch die Fahrzeuge und Waffen und vor allem die unterschiedlichen Lichtsituationen sind sehr schön dargestellt, wenngleich auch die Animationen im Spiel mitunter recht mäßig wirken. Bei den Fahrzeugen fällt dies weniger ins Gewicht als bei den Personen, die gelegentlich recht unbeholfen wirken.

Ein großes Lob verdient die Tonabteilung: Im Spiel bebt der Subwoofer, die kleinste Bewegung verursacht Geräusche und im Hintergrund spielt Originalmusik aus der Zeit auf, die man auch aus den vielen Vietnamfilmen kennt.

Die markigen Sprüche der Spielfiguren tun ihr Übriges, diese Klischees wieder aufzuwärmen. Bei der Sprachaufnahme ist die Qualität allerdings nicht so berauschend, teilweise hört es sich an, als hätte man sie über eine schlechte Telefonverbindung erledigt.

Neben viel Licht ist in Conflict: Vietnam auch etwas Schatten zu vermelden: So ist es nicht gerade schön anzusehen, wie dumm sich die eigenen Männer verhalten. Mal rennen sie zu dritt auf eine Granate zu, um sie zurückzuwerfen, was in den allermeisten Fällen schief geht, oder sie stehen vor festinstallierten MGs herum, mit denen man ja eigentlich auf den Feind zielen möchte.

Ist ein Spieler verwundet, kann man ihn und natürlich auch sich selbst mit Medizinpäckchen, die gelegentlich am Wegesrand zu finden sind, wieder heilen. Bleibt er längere Zeit unversorgt, kann er allerdings auch sterben. Durch die unmögliche KI der eigenen Leute ist man gerade in brenzligeren Missionsteilen ständig Sanitäter und muss seinen Trupp wieder aufpäppeln. Nachdem dies nicht gerade die spannendste Beschäftigung ist, leidet der Spielspaß an diesen Stellen gewaltig.

Die Möglichkeit, den Spielstand in jeder Mission zu speichern, sollte man zur Vermeidung von Frusterlebnissen auch reichlich verwenden, da Conflict: Vietnam selbst in der niedrigsten Schwierigkeitsstufe recht schwierig zu meistern ist.

Die Gegner verhalten sich ebenfalls recht einfältig. Sie ziehen sich immerhin gelegentlich zurück und greifen maskiert an, legen Fallen und Hinterhalte und tragen immer so viele Waffen und Munition mit sich herum, dass man sich, wenn die eigenen Vorräte zur Neige gehen, bei ihnen bedienen kann.

Nach jeder Mission erhält man je nach Erfolg mehr oder minder viele Bonuspunkte, die unter seinen Mitspielern zur Verbesserung diverser Eigenschaften wie Zielgenauigkeit mit den unterschiedlichen Waffentypen verteilt werden können. Dies geschieht auf Wunsch manuell oder automatisch.

Im Multiplayer-Modus kann man die Kontrolle der Soldaten auf bis zu vier menschliche Mitspieler verteilen. Dies erfolgt innerhalb der normalen Maps, sogar der Umstieg vom Single- in den Multiplayer-Modus ist nach jedem Speicherpunkt aus möglich. Damit fällt natürlich die schlechte KI weg und das Spiel wird wesentlich spannender.

Fazit:
Conflict: Vietnam ist ein anständiges Spiel geworden. Es ist durch seine abwechslungsreichen Missionen und optische Ausgestaltung stimmungsvoll umgesetzt worden und bietet im Multiplayer-Modus auch anhaltenden Spielspaß. Durch das teilweise hohe Schwierigkeitsniveau, vor allem aber durch die miese KI können partiell Frusterlebnisse aufkommen. Auch der daraus resultierende häufige Sani-Einsatz ist nicht gerade löblich. Die bombastische Tonuntermalung und die vor allem daraus resultierende dichte Atmosphäre reißen viel heraus, was das Spiel insgesamt empfehlenswert macht.


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