Interview: NX - die Revolution des Netzwerk-Computing?
Golem.de: Mit der Möglichkeit, Linux ohne Installation auf der Festplatte zu testen, hat Knoppix mit Sicherheit viel zu dessen Verbreitung beigetragen. Mit einer breiten Verfügbarkeit von NX sollte es noch einfacher werden, erste Erfahrung mit Linux als Desktop-Betriebssystem zu sammeln. Wird man künftig einen Blick auf brandneue KDE-Funktionen via NX werfen können?
Pfeifle: Ja. Und das kann man sogar heute schon. Denn seit mehreren Monaten "missbrauche" ich einen root-Server bei "1&1", um darauf nächtlich per Skript das aktuelle KDE zu kompilieren, das sich jetzt gerade zu KDE-3.3 mausert.
Das KDE-Projekt wird nach der aKademy die NX-Technologie in breitem Rahmen verwenden, um seine eigene Entwicklung zu straffen und zu beschleunigen.
Franz: Sie müssen verstehen: KDE besteht aus mehr als 1.000 mehr oder weniger aktiven Helfern. Dabei sind nur ca. die Hälfte ausgesprochen "technisch orientierte" C++-Programmierer. Ein großer und gleich wichtiger Teil der Arbeit wird von grafischen Künstlern, Übersetzern, Dokumentationsschreibern und Betatestern gemacht, die nicht unbedingt programmieren können.
Die nicht technischen Entwickler tendieren nicht gerade dazu, die "bleeding edge"-Version von KDE täglich zu verwenden und jede Woche sich ihr KDE aus dem HEAD-Quellbaum des CVS-Repository neu zu kompilieren. Sie warten eher das Release ab und installieren das neue KDE frühestens dann, wenn ihre Lieblingsdistribution fertig kompilierte Update-Pakete zum Download anbietet.
Bei jedem KDE-Release-Zyklus in der Vergangenheit klaffte somit eine zwangsläufig große Lücke: Dokumentationsschreiber, Übersetzer und Künstler "hinkten" mit ihrer Arbeit oft mehrere Monate hinter dem aktuellen C++-Programmcode her.
Pfeifle: NX kann das ändern. Ein automatisch von Skripten jede Nacht gebautes und von einem Team erfahrener KDE-Entwickler überwachtes, "ofenwarmes" KDE-HEAD kann dann remote von mehreren hundert KDE-Aktivisten zeitnah getestet, verwendet, übersetzt, dokumentiert, poliert, ge-bugfixt oder auch verworfen werden. NX erlaubt uns sogar, mehrere KDE-Versionen parallel zu installieren und zeitgleich zu verwenden. So steht künftig immer eine Referenz-Installation für die Verifizierung von Bugzilla-Berichten zur Verfügung. Das kann den Prozess von Bugfixing erheblich beschleunigen und effizienter machen. Bedenken Sie, dass es für manchen Entwickler äußerst zeitraubend sein kann, sein System mit KDE 3.2.3 zu starten, um einen Fehler zu verifizieren oder zu untersuchen, da er in der Regel meistens das aktuelle KDE-HEAD hochgefahren hat.
Wir werden einen oder mehrere starke FreeNX-Server einrichten, die allen KDE-Entwicklern und -Helfern ständig zugänglich sind, um daran zu arbeiten, und sowohl das aktuelle KDE HEAD als auch die letzten stabilen Versionen zur Benutzung anbieten. Insbesondere alle Mitarbeiter der neuen KDE Quality Teams werden hier zu dem privilegierten Nutzerkreis gehören.
Wir sind zwar bereits in Kontakt mit potenziellen Hardware- und Bandbreiten-Sponsoren, aber die Gespräche sind noch nicht abgeschlossen. Wer uns hier unterstützen will, kann auf den Zug noch aufspringen.
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