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Spieletest: Chronicles of Riddick - Vin Diesels Action-Hit

Xbox-Spiel mit Edel-Grafik. Als vor einiger Zeit die Meldung die Runde machte, dass Muskelpaket Vin Diesel auch als Produzent von Videospielen aktiv werden will, sorgte dies bei den meisten wohl nur für ein müdes Schulterzucken - die wenigsten trauten dem Schauspieler zu, dabei etwas ernst zu nehmendes auf die Beine zu stellen. Mit "Chronicles of Riddick" ist nun aber der erste Titel erhältlich, an dem Diesel tatkräftig mitgewirkt hat - und das Spiel ist nichts weniger als eines der bestaussehenden Videospiele, das man je zu sehen bekam.
/ Thorsten Wiesner
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Prinzipiell handelt es sich bei "Chronicles of Riddick" um ein Spiel zum Film, allerdings ist der zugehörige Leinwandstreifen, der die Vorgeschichte des auch hier zu Lande erfolgreichen Kino-Hits Pitch Black erzählt, in Deutschland bisher auch nicht angelaufen. Die ersten in den USA veröffentlichten Kritiken zum Film waren allerdings eher vernichtend - und so könnte es sich hier um einen der wenigen Fälle handeln, in denen das Spiel zum Film den Film selber qualitativ locker hinter sich lässt.

Die Story ist schnell erzählt: Der als Schwerverbrecher verhaftete Richard Riddick wird mit einer Reihe anderer gefährlicher Krimineller in das Hochsicherheitsgefängnis Butcher Bay eingeliefert. Kaum ist er dort eingetroffen, umtreibt ihn natürlich nur noch ein Gedanke: so schnell wie möglich weg hier. Das ist allerdings leichter gesagt als getan - denn neben unzähligen Wachen, Sicherheitsvorrichtungen und einer unwirtlichen Umgebung sind auch die anderen Gefängnisinsassen kaum Faktoren für ein langes und gesundes Leben.

Bereits kurz nach der Intro-Sequenz darf man seinen ersten Fluchtversuch starten und sich dabei mit der grundlegenden Steuerung vertraut machen: Riddick kann sich in bester Splinter-Cell-Manier von hinten an Wachen anschleichen und sie bewusstlos schlagen oder sich etwa auch an Rohren an der Decke entlanghangeln und Kontrahenten durch einen beherzten Sprung in die Tiefe erledigen. Kommt es zum Kampf Mann gegen Mann sind aber auch handfeste Prügeleien kein Problem - die rechte Trigger-Taste dient zum Schlagen, mit dem linken Analog-Stick führt man zudem nach ein bisschen Einarbeitungszeit raffinierte Combos aus.

Zwar entpuppt sich die anfängliche Flucht schnell als Tagtraum, dem Riddick erlegen ist, als Tutorial erfüllt das Ganze seinen Zweck aber hervorragend. Als Nächstes allerdings gilt es erst einmal, sich mit dem rauen Alltag im Knast abzufinden - und der ist nicht nur brutal, sondern hält einen mit viel Abwechslung auch von Anfang an auf Trab. So geben einem die zahlreichen Knastinsassen immer wieder Aufträge, für deren Erledigung sie sich mit kleinen Gefälligkeiten bedanken - so gelangt man dann etwa auch schnell in den Besitz einer Klinge, mit der sich die ersten "Probleme" recht gut lösen lassen.

Zimperlich darf man allerdings nicht sein - von Beginn an gilt es, Mitgefangene auf oftmals recht brutale Art und Weise aus dem Weg zu räumen oder in blutigen Faustkämpfen auf dem Gefängnishof den Angreifer niederzuringen, bevor man selbst in einer Lache des eigenen Körpersaftes niedergeht.

Neben den beschriebenen Schleich- und Kampfpassagen warten im Spielverlauf aber auch viele Shooter-Momente auf den Spieler - unter anderem lassen sich unterirdische Gänge und Lüftungsschächte erkunden, in denen dann auch zahlreiche unheimliche Monster auf einen warten. Da kommen dann die Maschinengewehre und Schrotflinten, die man dem Gefängnispersonal abgenommen hat, zum Einsatz - und sorgen für noch mehr Action und abgetrennte Körperteile.

Eine weitere Besonderheit von Riddick verursacht zusätzliche Adrenalinschübe: Auf Grund seiner Nachtsicht-Augen ist er in der Lage, auch in totaler Finsternis gut sehen zu können. Sorgt man also dafür, dass sämtliche künstlichen Lichtquellen den Geist aufgeben, ist das Anschleichen an ahnungslose Wachen eine recht simple Sache. Was bei Menschen funktioniert, ist bei Maschinen dann allerdings keine allzu große Hilfe mehr - Wachroboter lassen sich von Riddicks übermenschlichen Kräften kaum beeindrucken und müssen mit purer Waffengewalt von ihrem Ableben überzeugt werden.

Die beständige Ego-Sicht, aus der meist nur in den zahlreichen Zwischensequenzen in eine 3rd-person-Ansicht geschaltet wird, ist zu Beginn ein wenig ungewohnt, zudem bereitet die etwas hakelige Controller-Steuerung ein paar Probleme, die man mit etwas Übung aber bald unter Kontrolle hat. Und die hierfür nötige Geduld bringt man gerne auf - alleine schon, weil einen die Grafik von der ersten Minute an sprachlos macht. Was die Starbreeze Studios hier geschaffen haben, hätten viele der aktuellen Konsolengeneration wohl nie im Leben zugetraut.

Sämtliche Raumtexturen sind traumhaft detailliert, hinzu kommt eine wahre Flut von Effekten - alleine das Bump-Mapping ist mehr als sehenswert, hinzu kommen Lichteffekte, wie man sie vom PC auch nur von absoluten Highend-Titeln kennt. An einigen Stellen stößt die Microsoft-Konsole damit allerdings auch an ihre Grenzen - dann ruckelt es schon mal oder man kann geradezu mit ansehen, wie die Konsole Texturen runterrechnet, um das Ganze weiterhin flüssig darstellen zu können. Trotzdem: Wer immer noch glaubt, dass Spiele wie Halo weiterhin grafische Maßstäbe setzen, kann Chronicles of Riddick noch nicht gesehen haben.

Die Perfektion der Grafik setzt sich auf Sound-Ebene fort: Vivendi Universal hat sich eine deutsche Synchronisierung gespart, so dass nur deutsche Untertitel integriert wurden. Das erweist sich allerdings als absoluter Glücksfall - alleine wie Vin Diesel den Charakter von Riddick spricht, ist schon eine Klasse für sich, und auch die anderen Stimmen passen weitgehend perfekt.

Eine PC-Version von Chronicles of Riddick soll in Arbeit sein, hier gibt es aber außer einer offiziellen Bestätigung(öffnet im neuen Fenster) keine weiteren Infos. Selbst von einer PS2-Version ist zu hören, allerdings ist zu bezweifeln, dass sie die Grafikqualität der ausgereizten Xbox erreichen wird.

Fazit:
Man hat auf den aktuellen Spielekonsolen schon einige Spiele gesehen, die die Hardware bis aufs Äußerste ausgereizt haben, Chronicles of Riddick setzt dem allerdings die Krone auf - so hübsch war wohl noch kein Videospiel zuvor. Aber auch spielerisch ist der Titel erstklassig - wenn auch vieles von bekannten Hits wie Splinter Cell ausgeborgt ist und einige Stellen zudem unnötig brutal sind. Xbox-Besitzer werden um diesen Titel jedenfalls nicht drumherum kommen - einerseits, um ihre Freunde mit den grafischen Fähigkeiten ihrer Konsole zu beeindrucken, andererseits, um knappe zehn Stunden erstklassige Unterhaltung zu erleben.


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