Test: PalmOS-Notebook Dana mit WLAN und langer Akkulaufzeit

Das PalmOS-Notebook zieht sofort neugierige Blicke auf sich, da die Außenhülle auf den ersten Blick den Eindruck eines Spielcomputers hat. Aber das steife Chassis weist eine vollwertige Notebook-Tastatur im deutschsprachigen QWERTZ-Layout mit angenehm festem Anschlag und großzügig dimensionierten Tasten auf. Anstatt eines normalen TFT-Bildschirms kommt ein "Sichtfenster" in Form eines Touchscreens mit 16 Graustufen und einer Auflösung von 560 x 160 Pixeln zum Einsatz, das einen Sichtbereich von rund 19 cm Breite und 5,7 cm Höhe liefert. Allerdings müssen entsprechende PalmOS-Applikationen speziell für diese Auflösung angepasst werden, ansonsten erscheinen die Inhalte in einem 160 x 160 Pixel großen Ausschnittsfenster. Da alle PIM-Applikationen für die Termin-, Adress-, Notiz- und Aufgabenverwaltung an das Dana-Display angepasst wurden, steht in diesen mehr Anzeigeplatz zur Verfügung. Das Display ist schräg zur Tastatur angeordnet, so dass es sich beim Tippen gut einsehen lässt. Damit erfüllt Dana ihre Hauptaufgabe als elektronische, mobile "Schreibmaschine" mit Internetfunktionen vorzüglich.
Auch in einer weiteren Disziplin punktet Dana und lässt jegliches Notebook abgeschlagen hinter sich: bei der Akkulaufzeit. Denn mit einer Akkuladung werkelt Dana ohne Murren mal eben nonstop 30 Stunden am Stück – absolute Traumwerte für jedes auf dem Markt befindliche Notebook, das oft nur 1/10 dieses Wertes erreicht. Nicht nur in der Bahn erkennt man Notebook-Besitzer oft an dem ständig suchenden Blick nach einer freien Steckdose. Mit Dana gehört das der Vergangenheit an. Der im Dana verwendete Akku besteht aus einzelnen leicht wechselbaren Zellen im Mignon-Format. Zur Not lassen sich darin sogar herkömmliche Batterien betreiben, die man im Grunde überall auf dem Globus bekommt, was die von einer Steckdose unabhängige Betriebszeit quasi bis ins Unendliche verlängert.
Neben dem wenig stromhungrigen Prozessor sorgt der Einsatz des monochromen Touchscreens für die langen Akku- bzw. Batterielaufzeiten. Sowohl Notebook-Nutzern als auch Besitzern eines modernen PDAs dürfte das monochrome Display befremdlich vorkommen, allerdings bietet dies noch einen weiteren Vorteil: Das Display ist bei jeder Lichtsituation gut ablesbar – selbst direkte Sonneneinstrahlung macht keine Probleme. Ganz im Gegenteil lässt sich der Bildschirm dann besonders gut einsehen, eine Situation, wo viele Notebook-Displays wegen unzureichender Helligkeit ins Straucheln geraten und an ein sinnvolles Arbeiten nicht mehr zu denken ist. Bleibt als Wermutstropfen, dass die Display-Entspiegelung besser sein könnte und sich gelegentlich störend bemerkbar macht. Bei schwachem Umgebungslicht trumpft das Display mit einer vorzüglichen Hintergrundbeleuchtung auf, die sowohl das Arbeiten in Dämmerlicht als auch in totaler Finsternis erlaubt. Letzteres dürfte jedoch nur die Abfrage von Informationen betreffen, weil eine Texteingabe ausschließlich für "Blindschreiber" möglich ist, da die Tastatur wie auch bei Notebooks üblich unbeleuchtet ist.
Zur direkten Konkurrenz von Dana gehören neben dem Notebook auch Kombinationen aus gewöhnlichem PDA oder Smartphone samt – häufig klappbarer – Zusatztastatur , welche einen ähnlichen Funktionsumfang liefern. In puncto Betriebsdauer können es diese Combos im Prinzip mit Dana aufnehmen, allerdings haben sich bei PDAs und Smartphones immer mehr Modelle mit Farbdisplay durchgesetzt, so dass keine derart langen Laufzeiten wie bei Dana machbar sind. In früheren PDA-Modellen wurden noch monochrome Displays verwendet und die Stromversorgung übernahmen normale Batterien, womit zumindest diese Kombinationen de facto unbegrenzt lange einsetzbar sind. Unabhängig von der Betriebsdauer der PDA-Tastatur-Sets haben sie aber oft einen gehörigen Nachteil: Sie benötigen meist zwingend eine stabile, ebene Unterlage und lassen sich nicht etwa auf dem Schoß drapieren. Dieser Nachteil ergibt aber wieder einen anderen Vorzug: Eine PDA-Tastatur-Kombination nimmt auf Reisen konkurrenzlos wenig Platz ein, weil die häufig zusammenklappbaren Tastaturen meist kaum größer als der PDA selbst sind.
Der Verzicht auf gewöhnliche Notebook-Komponenten und der Einsatz von schmalbrüstigen PDA-Bauteilen im Dana stellen jedoch auch einen Nachteil dar: Normale Windows- oder MacOS-Applikationen funktionieren damit nicht, so dass sich manche Aufgaben mit dem Gerät nicht durchführen lassen. Gerade die Wiedergabe oder gar Bearbeitung von Multimediadaten sowie ähnlich rechenintensive Aufgaben sind mit Dana nicht möglich. Die üblichen Büroaufgaben kann Dana jedoch mit leichten Einschränkungen erledigen, so liegt dem Paket die Software DocumentsToGo in der Professional-Ausführung von DataViz bei, um um etwa Excel- oder PowerPoint-Daten zu bearbeiten. Nur, wenn die Bearbeitung entsprechender Dateien zwingend einen Farbbildschirm erfordert, stößt Dana auf Grund des monochromen Displays erneut an ihre Grenzen.
Neben der Tastatureingabe lässt sich Dana auch über ein Soft-Graffiti-Feld gemäß Graffiti 2 bedienen. Dieses wird wahlweise auf der linken oder rechten Seite eingeblendet, wenn eine Applikation nicht die hohe Auflösung des Displays unterstützt. In an das Dana-Display angepassten Applikationen gibt es daher keine Möglichkeit, das Graffiti-Feld zu aktivieren.
Dana liegt unter anderem eine Textverarbeitung namens AlphaWord bei, die eine umgelabelte und an die Dana-Funktionen angepasste WordSmith-Version darstellt. Sie bietet den von WordSmith bekannten Funktionsumfang samt gleicher Bedienung sowie Oberfläche und unterstützt darüber hinaus die Dana-Auflösung. Wer WordSmith 2.x bereits kennt, wird beim Programmstart von AlphaWord allerdings die Dokumentenübersicht vermissen, über die man Dokumente bequem kategorisieren, umbenennen oder löschen kann, worauf AlphaSmart bei der Dana-Variante verzichtet hat. Auch die Merkzettel-Funktionen von WordSmith fehlen, so dass AlphaWord nur zur Verwaltung von Textdokumenten genutzt werden kann. Dokumente lassen sich direkt aus AlphaWord heraus zu Papier bringen, vorausgesetzt, der genutzte Drucker verträgt sich mit dem PalmOS-Gerät.
Wird Dana mit AlphaWord zur mobilen, elektronischen Computer-Schreibmaschine, übernimmt ein Internet-Kit den bequemen Internet-Zugang etwa über die eingebaute WLAN-Funktion nach 802.11b. Das Internet-Kit besteht aus Web-Browser, E-Mail- sowie Instant-Messaging-Client und übernimmt dann noch die WLAN-Konfiguration, welche leicht von der Hand geht.
Der Web-Browser nutzt die volle Displaybreite, unterstützt JavaScript, Tabellen und Cookies, kommt aber weder mit Frames noch mit CSS-formatierten Seiten klar. Hilfreicherweise informiert der Browser den Nutzer, wenn bestimmte Funktionen in einer Webseite nicht unterstützt werden. Webseiten mit Tabellen werden wahlweise wie auf einem Desktop-Browser oder wie auf einem PDA-Browser dargestellt, wobei Letzteres einzelne Tabellen in einer Seite dann untereinander anzeigt. Welche der beiden Anzeigeoptionen sinnvoller ist, hängt vor allem von den Webseiten ab. Leider kann der Browser immer nur eine Seite verwalten, so dass von Webseiten aufgerufene Unterfenster nie erscheinen, was die Bedienung einiger Seiten unmöglich macht.
Eine weitere Browser-Option erlaubt es, Webseiten auf die Display-Auflösung von 560 x 160 Pixeln zu skalieren, was aber zumeist dafür sorgt, dass die Schrift auf den Webseiten kaum noch lesbar ist. Für die Strukturansicht einer Seite kann es aber durchaus hilfreich sein, wenn man etwa bestimmte Bereiche eines Webauftritts sucht. Als sehr praktisch erweist sich, dass der Browser bei einem Abbruch der WLAN-Verbindung diese automatisch wieder aufbaut. Eine kleine Skurrilität im Browser kann durchaus zu Verwirrung führen: Der Browser stellt nämlich das Euro-Zeichen in Webseiten nicht dar, sondern schreibt stattdessen "Euro" aus. Etwa bei Tabellen mit wenig Platz für das Euro-Zeichen kann dies zu unschönen Resultaten führen.
Aber nicht nur das fehlende Farbdisplay trübt den Surfgenuss, auch die Geschwindkeit beim Seitenaufbau verleidet einem das Vergnügen, da man sich – trotz breitbandiger WLAN-Anbindung – doch häufig einige Zeit gedulden muss, bis die Webseiten gerendert sind. Grund dafür ist der schmalbrüstige, mit 33 MHz getaktete Motorola-Dragonball-Prozessor, der ansonsten genug Rechenleistung für die anderen PalmOS-Applikationen liefert.
Weder das monochrome Display noch der Dragonball-Prozessor haben hingegen einen negativen Einfluss auf den E-Mail-Client oder den Instant-Messenger. Bei Letzterem entschied sich AlphaSmart für VeriChat von PDAapps(öffnet im neuen Fenster) in der Version 1.86, der die Instant-Messaging-Protokolle AOL Instant Messenger, ICQ, MSN- sowie Yahoo-Messenger unterstützt und an das Dana-Display angepasst ist. VeriChat separiert in der Kontaktliste die Online- und Offline-Kontakte, so dass man diese leicht auseinander halten kann. Der Wechsel zwischen unterschiedlichen Chat-Instanzen geht leicht vonstatten. Wird die Software mit mehreren aktiven Chat-Instanzen beendet, werden diese bei einem Neustart automatisch restauriert. Etwas unglücklich fiel die Anzeige des Chat-Status anderer Teilnehmer aus, da die betreffenden Icons keinen Aufschluss über den gesetzten Status geben, bei einem Wechsel poppt stattdessen ein Fenster kurze Zeit auf.
Insgesamt lassen sich die auf eine Stiftsteuerung ausgelegten PalmOS-Applikationen gut und recht umfassend über die Tastatur bedienen, da häufig benötigte PalmOS-Funktionen über entsprechende deutsch beschriftete Sondertasten aufgerufen werden können. Dazu gehört einerseits die Möglichkeit, bis zu vier Applikationen direkt aufzurufen, die in der Standardeinstellung wie üblich auf den Aufruf von Kalender, Adressen, Aufgaben und Memo gestellt ist. Aber auch das Senden von Dateien, der Aufruf des Programmstarters, der Suchfunktion sowie des Applikationsmenüs ist über Spezialtasten möglich. Die in vielen PalmOS-Applikationen enthaltenen Funktionen "Neu", "Abbrechen", "Fertig" sowie "Notiz" lassen sich ebenso wie "Löschen" ausführen, so dass man nur selten zum Stift greifen muss. Schließlich stehen noch die Funktionen "Kontrast", "Rechner" und "Shortcut" bereit.
Außerdem poppt in allen Programmen das Menü beim Druck auf die betreffende Taste auf und man kann darin mit den Cursortasten navigieren. Was nach einer Selbstverständlichkeit klingt, sucht man bei manchen PDA-Tastatur-Kombis vergeblich. In den Einstellungen findet sich zudem eine Option, Dana nicht nur über den Ein-Aus-Knopf, sondern auch über die Betätigung einer der sieben Sondertasten einzuschalten. Im Tastaturtreiber kann zudem ein Tastenklick aktiviert sowie die Verzögerung und Wiederholrate eingestellt oder eine andere Tastenbelegung gewählt werden.
Neben den üblichen Tastatureinstellungen erlaubt Dana auch eine Schaltung auf so genannte "Einfingerbedienung". In diesem Modus müssen die "Umschalttasten" Shift, Strg, Funktion und Cmd nicht gleichzeitig mit anderen niedergedrückt werden. Stattdessen kann man bei gleichem Ergebnis die Tasten nacheinander eingeben, so dass etwa die Kombination Shift und ein beliebiger Buchstabe zur Großschreibung des betreffenden Buchstabens führt. Der Einfingermodus sorgt also dafür, dass die Umschalttasten aktiv bleiben, bis eine andere Taste betätigt wurde.
Der von Dana an die Tastaturbedienung angepasste Programmstarter unterstützt beide Kartenslots, welche in zwei gesonderten Kategorien in den Programmstarter eingebunden werden. Auf die Beigabe eines Dateimanagers wurde leider verzichtet, um den Inhalt der Speicherkarten umfassend bearbeiten und auslesen zu können, so dass nur die Dateioperationen im Programmstarter zur Verfügung stehen. Da Dana selbst keinen HotSync-Knopf aufweist, der einen Datenaustausch mit dem PC ausführt, wurde immerhin an eine entsprechende Tastenkombination gedacht, um diese bei PDAs häufig benötigte Funktion schnell und bequem ausführen zu können. Der Aufruf der HotSync-Funktion startet dann auch gleich einen Synchronisationsvorgang, so dass hier nicht etwa ein weiterer Arbeitsschritt anfällt, wie man es beim Sony-PDA UX50 mit Mini-Tastatur feststellen musste.
Bei der Tastaturbedienung kennt der Programmstarter zwei verschiedene Bedienmodi, die von AlphaSmart als "PC" sowie als "Mac" bezeichnet wurden. Damit wird die Auswahl von Applikationen durch die Eingabe des betreffenden Anfangsbuchstabens der betreffenden Applikation beeinflusst. Während im Mac-Modus immer nur die erste Applikation mit dem entsprechenden Anfangsbuchstaben ausgewählt wird, springt man im PC-Modus durch mehrfache Eingabe des Anfangsbuchstabens immer eine Applikation weiter. Will man etwa AlphaWord aufrufen, tippt man im PC-Modus zwei Mal die A-Taste, um die Adressen-Applikation zu überspringen und startet die Applikation durch beherzten Druck auf die Returntaste. Im Mac-Modus muss man zum Start von AlphaWord die Cursortasten zu Hilfe nehmen.
Eine LED zeigt zwar das Laden des Akkus an, allerdings vermisst man eine Signalisierung über das Ende des Ladevorgangs, so dass dafür ein Blick auf den Ladestand im Programmstarter erforderlich ist. Neben der Lademöglichkeit per Netzteil wird der Akku auch mit Strom befüllt, wenn Dana per USB mit einem anderen Rechner verbunden ist.
AlphaSmart bietet den Dana Wireless zum Preis von rund 500,- Euro an.
Fazit:
Das Konzept hinter Dana sieht vor allem Autoren als potenzielle Kunden, die viel schreiben und häufig unterwegs sind. Das können Schriftsteller, Journalisten oder auch Studenten sein, die mit Dana eine willige Gehilfin und ausdauernde Arbeitsstute für die mobile Texterfassung erhalten. Aber auch die mobile Bearbeitung von E-Mails erledigt Dana problemlos. Wer damit Excel-Tabellen pflegen oder PowerPoint-Präsentationen erstellen mag, wird mit dem PalmOS-Smartphone weniger glücklich, weil die geringe Display-Auflösung hier gewisse Grenzen setzt. Noch sind nur wenige PalmOS-Applikationen von Fremdherstellern an die ungewöhnliche Display-Auflösung angepasst, so dass die zur Verfügung stehende Auflösung nicht immer so nutzbar ist, wie man das gerne hätte. Wenn einem die mitgelieferten Applikationen ausreichen, stört dies jedoch nicht. Allerdings wünschte man sich einen niedrigeren Preis für Dana, da dieser doch im Vergleich zu einem Windows- oder MacOS-Notebook zu hoch erscheint, weil das PalmOS-Notebook viele Aufgaben nicht erledigen kann.



