Ohne Leinwand: Unverfälschte Heimprojektion auf Tapete (Upd)
Sie verwenden drei handelsübliche Komponenten: einen PC mit einer Spiele-Grafikkarte und einer TV-Karte, einen gewöhnlichen Camcorder sowie einen oder gar mehrere Videoprojektoren. Dabei wurden nur Geräte mit 1100 ANSI Lumen zu Preisen unter 1.000,- Euro benötigt, also beileibe nicht das, was Heimkinofreunde mit großer Brieftasche gelegentlich in Kleinwagenpreisklasse im Vorführraum stehen haben.
Mit Hilfe von Testrastern und -farben, die vom Beamer ausgesendet werden, wird mit der Videokamera die Oberfläche abgetastet. Dazu werden aber keine komplexen Geometriedaten, sondern lediglich Pixel-Displacement-Informationen für jedes Pixel im Videobild erfasst. Zudem wird die Farbe der Oberfläche erfasst – auch für jedes Pixel.
Dabei "verschwindet" die Untergrund-Oberfläche und man hat den Eindruck, als projiziere man auf eine plane, weiße Leinwand. Das Verfahren kann nach Angaben des Forschers für diffuse Oberflächen mit fast beliebiger Komplexität verwendet werden – Einschränkungen gibt es aber durch die Auflösung von Beamer und Kamera.
Bezüglich der Blickwinkelstabilität der Projektion erklärte Bimber, dass die Kameraposition der "Sweet-Spot" der Betrachtergruppe ist. "Es hängt aber stark von der [Projektions-]Oberfläche ab: Auf einer flacheren Steinmauer oder einem Vorhang treten weniger Verzerrungen auf, wenn man sich vom Sweet-Spot wegbewegt als bei der Projektion in eine Ecke" , so Bimber gegenüber Golem.de. Wenn das System kalibriert wird, sollte die Kamera also dort stehen, wo sich die Betrachter befinden – also zum Beispiel vor einer Couch.
Die Ergebnisse des Forschungsprojektes sind noch sehr jung – noch nicht einmal die wissenschaftlichen Veröffentlichungen dazu sind erschienen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Details zu den Verfahren auch noch nicht bekannt gegeben werden. Es besteht natürlich ein starkes Interesse daran, mit Industriepartnern eine Weiterentwicklung der Technologie in eine kommerzielle Richtung in Angriff zu nehmen.