Manhunt: Medienrummel sorgt in England für Ausverkauf
Britische Medien hatten Ende Juli 2004 berichtet, dass ein 17jähriger Teenager seinen 3 Jahre jüngeren Freund umbrachte – angeblich weil er eine Obsession für Manhunt entwickelt hatte. Der Mord geschah bereits im Februar 2004. Nach Auskunft der Polizei gibt es keine Verbindung zwischen dem – übrigens beim Opfer und nicht beim Täter – gefundenen Spiel Manhunt und dem Mord.
Der Oberstaatsanwalt hatte gegenüber britischer Presse zudem angegeben, dass der Täter das Opfer berauben wollte – um Drogenschulden zurück zu zahlen. Dies macht den Fall etwas komplexer, als er erst von den Medien dargestellt wurde. Insbesondere weil die Frage aufkommt, wie das Opfer und auch der Täter, der laut der Mutter des Opfers ein Fan von Manhunt gewesen sein soll, an das in Großbritannien erst ab 18 freigegebene Spiel herangekommen sind. Ob es sich um ein Original oder um eine Raubkopie handelt, wurde nicht bekannt gegeben.
Das britische Boulevard-Blatt Daily Mail berichtete nun am 4. August 2004, dass sich die trauernde Mutter enttäuscht zeigte, dass die Geschehnisse das Kaufinteresse am bisher eher mäßig verkauften Manhunt noch gesteigert hätten. Die Mutter macht vor allem Manhunt für den Tod ihres Sohnes verantwortlich, drängt auf einen Verbot des Spiels und setzte sich deswegen mit dem umstrittenen US-Anwalt und stellvertretenden Mehrheitenfraktionsführer im US-Abgeordnetenhaus Jack W. Thompson in Verbindung, der die Manhunt-Entwickler Rockstar nun wortwörtlich " vernichten " will.
Wie der Sprecher einer Ladenkette gegenüber Daily Mail angab, wollen viele das Spiel nur wegen des Medienrummels kaufen und sähen teils auch einen Reiz darin ein Spiel zu kaufen, das kurz vor dem Verbot stehen könnte. Während viele Geschäfte das Spiel lieber aus dem Angebot nahmen, haben andere aufgrund der Nachfrage nachbestellen müssen.
Unterdessen hat sich Roger Bennet, der Vorsitzende der britischen Spielebranche-Vereinigung ELSPA, in einem offenen Brief an den britischen Innenminister David Blunkett gewandt, noch einmal eindringlich darauf hingewiesen, dass es weder im Mordfall noch generell wissenschaftliche Beweise dafür geben würde, dass Computerspiele für die Taten von Menschen verantwortlich gemacht werden dürften. Stattdessen sei die Spieleindustrie ein wichtiger wirtschaftlicher und ihre Werke auch ein kultureller Bestandteil Großbritanniens.
Grund für das ELSPA-Schreiben an die Regierung war nicht nur die reißerischere Berichterstattung in den britischen Medien, sondern auch das Vorpreschen des britischen Parlamentsmitglieds Keith Vaz, welcher öffentlich mitteilte, den Eltern des ermordeten 14jährigen bei einer Klage hilfreiche zur Seite stehen zu wollen.



