Asche zu Asche - Rammstein macht Fansite platt (Update 2)
Der Betreiber der Fansite, Sebastian Zepper, erhielt das Schreiben der von der Berliner Rammstein GbR beauftragten Kanzlei am 29. Juli 2004 und entschloss sich notgedrungen dazu, die Website zu schließen. Wie nicht anders zu erwarten versucht man damit, den Fans die Verwendung jeglicher Inhalte bezüglich der Marke Rammstein, sowie Bildern der Band und des Namens "Rammsteinfan.de" zu untersagen.
"Die Fans sind das Herz von Rammstein, wenn ihr auf zu schlagen hört, gibt es Rammstein nicht mehr" , betonte Rammstein-Bandmitglied Richard Kruspe Bernstein am 16. Dezember 2000 in einem Fan-Chat. Führt man sich die denkwürdigen Worte vom Bandmitglied Richard Kruspe Bernstein zu Gemüte, erscheint die Aktion gegen Rammsteinfan.de wie ein Schuss ins eigene Herz – nämlich in das der Fans. Ein Beweggrund könnte sein, mehr Fans auf die offizielle Website Rammstein.de zu lotsen – dort ist eine Aufnahme in den Fanbereich nämlich kostenpflichtig.
Vom Betreiber von Rammsteinfan.de(öffnet im neuen Fenster) heißt es nun, dass es unter den gegebenen Umständen nicht mehr möglich sei, die Seite wie bisher weiter zu betreuen. "Die Begründungen der Anklage stellen nicht nur unsere, sondern Fanseiten im Allgemeinen in Frage" , so Rammsteinfan.de. Die Rammstein-Fan-Community soll dennoch weiter leben; unter der neuen Adresse www.Rfan.de(öffnet im neuen Fenster) wird ein Forum, das sich um "eine Berliner Band" dreht, erhalten bleiben.
Wie einer der Rammsteinfan.de-Helfer gegenüber Golem.de angab, feierte die Fansite am 10. Juli 2004 das 4-jährige Bestehen. Man habe es in der Zeit geschafft, zur grössten deutschsprachigen Rammstein-Fanseite zu werden. Nach einer anfangs sehr guten Beziehung zum Rammstein-Management sei etwa zum Jahreswechsel 2003/2004 das Verhältnis abgekühlt, vermutlich weil der Rammsteinfan.de-Webmaster aus zeitlichen Gründen nicht das Angebot annahm, sich um den Bezahlbereich von Rammstein.de zu kümmern.
Anschließend habe es plötzlich Beschwerden seitens der Rammstein GbR gegeben, dass Bilder, MP3-Klingeltöne mit Musikausschnitten und schließlich noch ein bisher unveröffentlichter Liedtext im Forum der Fansite aufgetaucht sei. Seitens Rammsteinfan.de beteuerte man aber, jedes Mal reagiert und das jeweilige Material entfernt zu haben. Dann kam überraschend das Schreiben mit "ungenauen" Vorwürfen über Urheberrechtsverletzungen. Rammsteinfan.de nutze die Marke Rammstein in werblicher Form – es wurden eBay-Banner eingesetzt, mit der die Hosting-Kosten für die Website kaum gedeckt werden konnten – und veröffentliche unerlaubt Songtexte, Streamings und einen Bildschirmschoner.
"Ganz abgesehen von der Ungeheuerlichkeit, gegen die eigenen Fans, die auf ihre Weise mit ihrer Seite den Plattenverkauf ankurbeln vorzugehen, ist dieses Vorgehen vor allem eine Gefahr für das Konzept 'Fanseite' an sich. In Zukunft müsste jeder Betreiber einer Fanseite Angst haben, wegen unrechtmässiger Markennamensnutzung verklagt zu werden. Ein Statement von der Band selbst steht übrigens aus, es ist gut möglich, dass sie davon gar nichts weiss" , hieß es seitens eines der Fansite-Helfer.
Golem.de wartet derzeit auf ein Statement der Rammstein GbR. Auch bei Universal Music – der Plattenfirma von Rammstein – war bisher noch niemand zu erreichen.
Nachtrag vom 30. Juli 2004, 19:51:
Auf der offiziellen Rammstein-Homepage findet sich nun eine erste kurze Stellungnahme zum Streitfall: "Der Domainbesitzer und Webmaster der rammsteinfan.de- Site erhielt lediglich eine 3-seitige Abmahnung, in der er u.a. aufgefordert wurde, die Verbreitung von Tonaufnahmen und Abbildungen zu unterlassen, sowie diese zur Bewerbung von Dienstleistungen/ Produkten etc. zu nutzen." Die restlichen drei Seiten des Schreibens hätten lediglich aus der Unterlassungserklärung bestanden, die er zurück schicken sollte.
"Da wiederholten Aufforderungen des Managements im Vorfeld nicht, teilweise oder nur zeitweise nachgekommen wurde, sah sich das Management gezwungen, seinen Forderungen mit einem anwaltlichen Brief mehr Gewicht zu verleihen" , so das Rammstein-Management. Man darf gespannt sein, wie Rammsteinfan.de darauf reagiert, denn dort ging man ja eigentlich davon aus, den Aufforderungen jeweils Folge geleistet zu haben.
Nachtrag vom 31. Juli 2004, 16:18 Uhr:
Mittlerweile findet sich auf der Fansite die Kopie eines im geschlossenen Rammstein.de-Forum ("Fan Area") zwischen dem Rammstein-Management und Sebastian Zepper erfolgten offenen Briefwechsels. Für von Mitgliedern veröffentlichte problematische Beiträge (z.B. Downloadlinks, ein Liedtext) in eben diesem Forum machte Rammstein Zepper offenbar persönlich verantwortlich, obwohl dieser eigenen Angaben zufolge die entsprechenden Beiträge jeweils gelöscht habe – und die teilweise recht kurios erscheinenden Anschuldigungen der Rammstein GbR deutlich zurückwies. Der offene Briefwechsel dürfte Fans nicht gerade viel Hoffnung machen – und scheint sie eher noch mehr gegen Management und letzlich auch die Band aufzubringen, wie die Diskussionen im Rammsteinfan.de-Forum zeigen.



