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Keine Panik: ATI zu Far-Cry-Optimierungen und Doom 3

Nicht nur GeForce-6800-Optimierungen im zurückgezogenen Far Cry Patch 1.2. Viel Aufregung gibt es derzeit um erste Doom-3-Benchmarks, deren Ergebnisse Nvidias Marketing-Leute zum Ärger von ATI dazu veranlassten, die eigene Karte gleich zur idealen Doom-3-Hardware zu küren – noch bevor das Spiel erhältlich ist. Außerdem revoltiert gerade die Fangemeinde des deutschen 3D-Shooters Far Cry, dessen fehlerhafter Patch 1.2 vor allem wegen Nvidia-Optimierungen in aller Munde war – nun sieht sich ATI wegen doch recht wilder Gerüchte veranlasst, zu beteuern, dass man mit der Verspätung nichts zu tun habe.
/ Christian Klaß
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Gegenüber Golem.de hieß es seitens ATI Deutschland, dass der Patch "mit Sicherheit nicht auf Druck von ATI zurückgenommen" wurde. Erstens würde dies nicht ATIs Firmenpolitik entsprechen, zweitens wäre dies bei einem mit Nvidias "The Way It's Meant To Be Played"-Logo versehenen Titel wahrscheinlich unmöglich und drittens seien bereits im Patch 1.2 viele Optimierungen für ATI-Karten enthalten. Dies hatte das ohnehin nicht nur gegenüber seinen Fans im offiziellen Forum sondern auch gegenüber Journalisten eher schweigsame Crytek-Team allerdings nicht kommuniziert.

Folgende Optimierungen sollen bereits im derzeit in Überarbeitung befindlichen Patch 1.2 enthalten sein:

Geometry Instancing:
Geometry Instancing entlastet die CPU laut ATI dahingehend, dass wiederkehrende Objekte (Bäume, Grass usw.) in einem Batch generiert und somit beliebig oft (wieder-)verwendet werden können, ohne die CPU zusätzlich zu belasten – und bürdet dem Grafikchip dafür die Arbeit auf. Dies erlaube es beispielsweise, weit entfernte Objekte auch wirklich als Objekte zu rendern und nicht einfach durch 2D-Sprites (Billboard) zu ersetzen. Allerdings hat Crytek diese Funktion nicht als Standardeinstellung aktiviert – man sehe den Effekt erst, wenn man die "draw distance" in FarCry durch ein Konsolen-Kommando erweitere. Das Interessante dabei: Geometry Instancing ist, obwohl es zunächst als SM3.0-exklusive Funktion angepriesen wurde, auch auf allen DirectX-9-Chips von ATI verfügbar, kann also ab Radeon 9500 und höher genutzt werden – sofern der dafür zwingend benötigte Catalyst-Treiber ab der Version 4.8 installiert ist. Aktuell ist der Treiber Catalyst 4.7 , die Folgeversion kommt im August 2004.

Neuer PS-2.b-Renderpfad:
Neben dem – derzeit nur von der GeForce-6800-Architektur nutzbaren – Shader-Model-3.0-Renderpfad enthält schon der Patch 1.2 einen Pixel-Shader-2.b-Renderpfad, welcher in Verbindung mit X800-Grafikchips ab der noch nicht offiziell erhältlichen Catalyst-Treiberversion 4.8 genutzt werden kann. Dieser Renderpfad ermöglicht es laut ATI bis zu drei Lichtquellen in einem Shaderprogramm (Pass) zu berechnen. Technisch wären laut ATI auch 4 Lichtquellen möglich gewesen, dies habe Crytek allerdings nicht implementiert – primär ging es den Entwicklern wohl erst einmal um mehr Geschwindigkeit, nicht um eine gesteigerte Grafikqualität. Der PS-2.b-Renderpfad muss ebenfalls per Far-Cry-Kommandozeile aktiviert werden.

Der PS-2.b-Renderpfad verbessere die Performance von FarCry auf X800-Karten bei bestimmten Leveln ganz erheblich, teilweise sogar mehr als dies bei "Karten der SM 3.0 Klasse" der Fall sei, versprach ein Sprecher von ATI Deutschland gegenüber Golem.de. Einige Leistungsmessungen zu den beiden Optimierungsmethoden für Radeon 9500 bis 9800 sowie X600/X800 haben bereits Firingsquad(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht und deutliche Leistungssteigerungen ausmachen können.

Da der Patch 1.2 also auch für ATI erhebliche Vorteile bringt, wäre es natürlich dumm von ATI, diesen Patch zurückziehen zu wollen, hieß es gegenüber Golem.de . Das Gerücht sei daher wirklich "an den Haaren herbeigezogen" . Man wisse nur von Stabilitätsgründen, die zum Rückzug des Patch 1.2 geführt hätten. Ob der nächste Patch – der bereits im Netz erwähnte, aber von Crytek bisher nicht offiziell angekündigte Patch 1.3 – auch die X800-Funktionen High Dynamic Range (HDR) für sauberere Farbverläufe sowie die 3D-Texturkompression 3Dc integriert, könne derzeit nur Crytek beantworten.

Zu Doom 3 und Nvidias guten Abschneiden im HardOCP-Benchmark erklärte ATI Deutschland, dass id Softwares Chefprogrammierer John Carmack bisher selber keine Empfehlung gegeben habe. Stattdessen habe er darauf hingewiesen, dass alle modernen Karten sich sehr gut für das Spiel eignen und dass Benchmarkwerte nicht den Hauptentscheidungsgrund für einen Kauf sein sollten.

Allerdings wolle man dennoch die eigenen OpenGL-Treiber optimieren, die ATI seit etwa einem Jahr stiefmütterlich behandelt hat: "Wie in einem Interview von Beyond3D mit Dave Orten vor einiger Zeit erwähnt, arbeiten wir derzeit an der Neuentwicklung unserer OpenGL-Treiber. Da es sich hier um eine völlige Neuentwicklung handelt, dauert dies natürlich einige Zeit. Natürlich werden wir die Doom 3 Performance genauestens unter die Lupe nehmen und Performance-Verbesserungen schnellstmöglich integrieren, schließlich ist Doom 3 einer der heißesten Titel dieses Jahres. Jedoch ist auch dies nur eines von vielen Spielen, und in anderen Top-Titeln sehen die Performance-Vergleiche erheblich besser für ATI aus" , meint ATI gegenüber Golem.de.

ATIs abschließender Kommentar: "Wir sollten also wegen dieses einen Titels nicht den Kopf verlieren, ATI-Kunden werden Doom 3 (und alle anderen Spiele) mit sehr guter Qualität bei sehr guter Performance spielen können." Nvidia sieht das natürlich anders und macht derweil entsprechenden Wirbel um Doom 3 – kein Wunder, Doom 3 ist in den USA ab kommender Woche verfügbar und viele Kunden machen ihre Kaufentscheidungen von bestimmten Spielen abhängig, da sie dann einen Grund sehen, viel Geld in ihren Rechner zu stecken.


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