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Frankreich bekommt HDTV - Deutschland nur DVB-T

Industrie-Forum will HDTV bereits ab 2005 nach Frankreich bringen. Anlässlich der für September 2004 erwarteten HD-DVD-Einführung wollen Industrie, Satellitenbetreiber und Medienunternehmen in Frankreich gemeinsam Zuschauern und Staat die Einführung hochauflösenden Fernsehens (HDTV) schmackhaft machen. Dazu wurde Anfang Juli 2004 das High Definition (HD) Forum gegründet, das den laut eigenen Angaben bedeutendsten audiovisuellen Fortschritt der letzten Dekade ab 2005 zum Wohle Frankreichs realisieren will.
/ Christian Klaß
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Im französischen HD Forum sind so einige namhafte Unternehmen vertreten: die (Unterhaltungs-)Elektronik-Hersteller Panasonic, Sagem, Samsung, Sharp, Sony und Thomson, der Chip-Entwickler STMicroelectronics, die französischen Handelsketten Darty und Fnac, die privaten Fernsehsender M6 (RTL Group), TDF (France Telecom) und TF1 (Bouygues Group), der Satellitenfernsehsender TPS, der Satellitenbetreiber Eutelsat und der Kabelnetzbetreiber Noos.

Vertreten ist auch der MPEG-4/H.264-Spezialist Envivio, auf das für die HDTV-Übertragung zu viel Bandbreite zehrende MPEG-2 wird man also zu Gunsten modernerer, allerdings auch höhere Hardware-Anforderungen stellende Kompressionstechnik verzichten.

Alle Beteiligten zeigen sich überzeugt, dass HDTV der Schlüssel zum Fernsehen der Zukunft ist und beschreiben den Schritt zum hochauflösenden Fernsehen als zweite digitale Revolution, da das Format hervorstechende Bildqualität bietet. Damit sollen Kundenwünsche nach mehr Bildqualität befriedigt werden können, die durch die schnelle DVD-Verbreitung geweckt wurden. Die in den Startlöchern stehende HD DVD dürfte demnach ihr Übriges dazu beitragen, den Wunsch nach einem besseren Fernsehbild zu verbreiten und das Interesse an HDTV zu steigern.

Die technische Ausrüstung für Fernsehproduzenten soll bereits zu vernünftigen Preisen verfügbar sein und immer mehr Programme in HD-Qualität produziert werden. Im Juni 2004 kündigte der beteiligte Satellitensender TPS laut verschiedenen Presseberichten bereits an, ab 2005 im MPEG-4-Format erstmals im HDTV-Format senden zu wollen.

Auf Seiten der Zuschauer sollen bereits 50 Prozent - und in naher Zukunft 100 Prozent - der verkauften Flachbildschirme eine zu HDTV-Übertragungen kompatible Auflösung unterstützen. Da Flachbildschirme auf Grund der höheren Kosten noch nicht sehr verbreitet sind, sollen laut HD Forum in Kürze günstige Röhrenfernseher mit HD-Auflösungen eingeführt werden. Auch Set-Top-Boxen für HDTV-Empfang sollen bereits verhältnismäßig günstig zu produzieren sein.

Das HD Forum bemüht sich, die wichtigsten Spieler im französischen Markt zu vereinen, um die nötige HDTV-Kette von der Produktion über die Übertragung bis zum Empfänger lückenlos zu schließen. Bei der Übertragung sollen verschiedene Distributionskanäle unterstützt werden: digitales terrestrisches Fernsehen (Télévision Numérique Terrestre, TNT), Kabel, Satellit und Breitband-Internet per ADSL.

Das Jahr 2005 soll dabei die ersten Früchte dieser Arbeit hervorbringen, die auch die Diskussion über die Wahl der technischen Standards, die Zusammenarbeit mit den Behörden und die Informierung der französischen Bevölkerung über HDTV und dessen Entwicklung in der Welt beinhaltet.

Kommentar:
Dass Frankreich nun also voll auf HDTV setzt, lässt die Bemühungen Deutschlands beispielsweise zum Wechsel zum terrestrischem Digitalfernsehen ( DVB-T ) in niedriger Auflösung und ineffizienter MPEG-2-Kompression im Vergleich etwas traurig aussehen. Bisher gab es hier zu Lande seitens der Industrie und Regierung in Hinsicht auf HDTV keine gemeinsamen Bestrebungen. Allerdings könnte DVB-T einen Weg für HDTV offen lassen, doch benötigt ein HDTV-Sender laut Wikipedia(öffnet im neuen Fenster) - je nach Auflösung - bis zu viermal so viel Bandbreite wie ein SDTV-Sender (Fernsehen mit Standard-Auflösung).


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