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Automatisches Raumschiff aus Deutschland wird ISS versorgen

Lieferverträge für sechs Raumfahrzeuge unter Dach und Fach. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) teilte mit, dass Deutschland nun das automatisierte Versorgungsfahrzeug für die Internationale Raumstation ISS herstellen wird. Mit der Unterzeichnung eines 850 Millionen Euro schweren Liefervertrages für sechs Raumfahrzeuge zwischen der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und dem Unternehmen EADS sollen langfristig Arbeitsplätze in Bremen gesichert werden.
/ Christian Klaß
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Das Automated Transfer Vehicle (ATV) soll "das modernste und komplexeste Raumfahrzeug Europas" sein und die ISS mit Verbrauchsgütern und wissenschaftlichen Geräten versorgen. Der für 7,7 Tonnen Nutzlast gedachte Transporter könne die Rendezvous- und Andockmanöver mit der Raumstation automatisch ausführen; die Missionsschritte werden vom europäischen ATV-Kontrollzentrum in Toulouse aus überwacht.

Am ATV sind 30 Firmen aus 10 europäischen Staaten beteiligt. Darüber hinaus liefern 8 Firmen aus Russland und den USA Bauteile. Das ATV gilt als ein wesentlicher Bestandteil des europäischen Beitrags zum ISS-Entwicklungsprogramm. Deutschland trägt davon 41 Prozent, was laut BMBF rund 1,3 Milliarden Euro entspricht. Die Entwicklung des ATV wurde 1997 von der EADS in Les Mureaux (Frankreich) begonnen, den Bau soll die EADS Weltraumabteilung "EADS SPACE Transportation" nun in Bremen durchführen.

Bisher gibt es nur einen weitgehend fertig gestellten Prototypen mit Namen "Jules Verne", dessen Tests jedoch schon recht vielversprechend sein sollen. Der Prototyp soll im Oktober 2005 auf einer Ariane-5-Trägerrakete von Kourou aus starten. Zusammen mit dem Prototyp sind insgesamt sieben ATV-Flüge im zeitlichen Abstand von jeweils 15 bis 20 Monaten geplant – dabei soll jeweils auf die Ariane 5 gesetzt werden.

Der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Wolf-Dieter Dudenhausen, bezeichnete die Vereinbarung vom 13. Juli 2004 in Bremen als Beleg für eine erfolgreiche deutsche Raumfahrtpolitik: "Der Vorsprung in der Forschung sichert Arbeitsplätze in Deutschland."

Zur EADS gehören der Flugzeugbauer Airbus, der Hubschrauber-Hersteller Eurocopter und das Waffenproduktions-Joint-Venture MBDA (zweitgrößtes Lenkflugkörperunternehmen). Die EADS ist der größte Partner im Eurofighter-Konsortium, agiert als Hauptauftragnehmer für das Trägersystem Ariane, entwickelt das militärische Transportflugzeug A400M und bezeichnet sich als den wichtigsten industriellen Teilnehmer am Programm für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo.

Die Bremer EADS SPACE Transportation ist als Projektleiter auch an der Entwicklung des unbemannten deutschen Spaceshuttle-Konkurrenten "Phoenix" beteiligt. Dabei handelt es sich um eine 1:7-Miniaturausgabe des Hopper-Konzepts, eines automatisierten, von einem 4 km langen Schlitten in den Weltraum katapultierten wiederverwendbaren Raumtransporters (50 Meter Länge, 27 Meter Spannweite) für 7,5 Tonnen Nutzlast. EADS SPACE Transportation kümmert sich dabei um die komplette Software-Entwicklung, insbesondere für die KI-gesteuerte automatische Landung. Beteiligt an Phoenix sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig sowie weitere Partner, die sich um den Bau des wiederverwendbaren deutschen Raumtransporters kümmern.

Beim Bremer Phoenix-Flugmodell, einer rund 1.200 Kilogramm schweren Aluminiumkonstruktion, sind die Trag- und Steuerungsflächen mit einer Spannweite von 3,9 Metern so klein wie möglich gehalten. Phoenix ist – im Gegensatz zum nun in Auftrag gegebenen ATV – ein rein deutsches Projekt, mit dem die Position Deutschlands in der europäischen Raumfahrt gestärkt werden soll.

Ziel der bereits laufenden Phoenix-Flugerprobung sind Erkenntnisse über das Verhalten des Fluggeräts während eines steilen Landeanflugs und dem automatischen Aufsetzen auf der Erde. Sollte sich die ESA auf Basis der Phoenix-Ergebnisse für das Konzept Hopper entscheiden, könnte das Fluggerät ab dem Jahr 2020 einsatzbereit sein.

Noch ist es allerdings laut EADS etwas früh, zu sagen, welche Raumtransportsysteme ab 2020 Nutzlasten ins All befördern werden – EADS SPACE Transportation prüft neben Phoenix noch die Projekte Pre-X, Ares und Themis.


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