Spieletest: Red Dead Revolver - Action im Wilden Westen
Titel von Rockstar Games für Xbox und PlayStation 2. Nach dem recht enttäuschenden Dead Man's Hand steht mit Red Dead Revolver bereits der nächsten Konsolentitel in den Läden, der das im Videospielgenre jahrelang eher stiefmütterlich behandelte Western-Szenario nutzt. Und im Gegensatz zu den Kollegen von Atari bzw. Humand Head Studios beweisen die Entwickler von Rockstar Games San Diego, dass sich auch zwischen Saloon, Sheriff-Büro und Postkutsche ein spannendes Action-Spiel realisieren lässt.
Gut, für die Hintergrundgeschichte hätte man sich durchaus etwas mehr einfallen lassen können als die typische Geschichte vom Mann, der auszog, um seine Verwandtschaft zu rächen und damit ein Feuergefecht nach dem anderen provoziert. Stimmungsmäßig kann Red Dead Revolver allerdings mit jedem besseren Spaghetti-Western mithalten – die Szenarien und die Atmosphäre dürften Fans von "Spiel mir das Lied vom Tod" und ähnlichen Titeln durchaus gefallen, auch wenn Rockstar deutlich mehr Wert auf Action und ein wenig Humor denn auf todernste Familien-Epen gelegt hat.
Prinzipiell ist Red Dead Revolver ein typischer Shooter – somit betritt man ein Szenario nach dem anderen und versucht, oftmals gleich ganze Gruppen feindlicher Banditen oder Cowboys auszuschalten. Muss man zu Beginn noch mit einem simplen Revolver auskommen, erweitert sich das Waffenarsenal schnell um weitere Pistolen, Gewehre, Dynamit oder auch Wurfmesser. Ein automatisches Zielsystem vereinfacht den Kampf sowohl im Duell Mann-gegen-Mann als auch bei größeren Gefechten, allerdings verbringt man zwangsweise oft zu viel Zeit mit dem Justieren der Kamera.
Neben den Schießereien sind von Zeit zu Zeit auch mal ein paar handfeste Kampfeinlagen und ein wenig Akrobatik bei Hechtsprüngen hinter Kutschen, Kisten und andere Deckung gewährende Objekte gefragt. Zudem gibt es auch hier eine Art Bullet-Time, mit Hilfe derer sich Gegner in verlangsamter Zeit anvisieren und dann schnell hintereinander ausschalten lassen. Für spielerische Abwechslung sorgt zudem, dass man nicht die ganze Zeit in der Haut des nach Rache dürstenden Titelhelden Red steckt, sondern auch zeitweise andere Charaktere wie einen General, einen Indianer oder einen Farmer übernimmt und so auch mal die Seiten wechselt.
Optisch ist Red Dead Revolver sicherlich nicht das Beeindruckendste, was man zuletzt auf Xbox und PlayStation 2 zu sehen bekam; vor allem die Charakter-Animationen wirken stellenweise etwas unbeholfen. Dennoch haben die Entwickler auch hier grundsätzlich gute Arbeit geleistet. Es lässt sich also nicht nur mangels kaum vorhandener Alternativen festhalten, dass der Titel wohl das schönste Western-Spiel ist, das man bisher zu sehen bekam. Uneingeschränkt lobenswert sind die Hintergrundmusiken, die das typische Western-Flair gekonnt einfangen.
Red Dead Revolver ist bereits im Handel erhältlich; der Titel ist für PlayStation 2 und Xbox verfügbar, kostet knapp 60,- Euro und hat von der USK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
Fazit: Wieder einmal haben die Entwickler von Rockstar Games bewiesen, dass sie die Meister der Atmosphäre sind – viel stimmungsvoller lässt sich ein Western als Videospiel kaum inszenieren. Das Gameplay bietet zwar kaum Überraschungen, sondern größtenteils gewohnte Shooter-Kost, dank des unverbrauchten Szenarios lässt sich das aber verschmerzen.