Real Reflect: Digicam-Verbund knipst Materialeigenschaften
"Auf diese Weise können wir die Reflexionseigenschaften eines Materials in Abhängigkeit vom Beleuchtungs- und Blickwinkel äußerst detailliert erfassen" , erklärt Professor Dr. Reinhard Klein, Leiter der Arbeitsgruppe "Computer Graphik" am Bonner Institut für Informatik III. "Wenn Sie diesen Schreibtisch sehen, wissen Sie nicht nur sofort: Das ist Holz. Sie ahnen sogar, wie er sich unter Ihren Fingerspitzen anfühlt" , so Klein zu den Zielen des Projekts.
Die nächste Material-Digitalisierungskamera soll es noch genauer und schneller schaffen: 151 halbkugelförmig um die Probe angeordnete Digitalkameras sollen künftig pro Material mehr als 22.000 Bilder schießen. Für den unterschiedlichen Lichteinfall soll dabei eine geschickte Ansteuerung der Kamerablitzgeräte sorgen. Auf bewegliche Teile können die Informatiker so vollständig verzichten und wollen dann pro Materialprobe nur noch eine Stunde Zeit benötigen.
Beteiligt am Projekt Real Reflect sind neben der Uni Bonn auch weitere Virtual-Reality-Experten, etwa vom Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken, der TU Wien, der UTIA Prag und die Industriepartner DaimlerChrysler, der französische Automobil-Zulieferer Faurecia Industries, das ebenfalls französische Unternehmen INRIA (Erstellung des Offline HighQuality Renderingsystems), vra (Modellierung) sowie die deutsche IC:IDO GmbH. Letztere ist unter anderem für die Stereoprojektion (PowerWall, CAVE) in Echtzeit mit Tracking der Head- und Hand-Position sowie die Entwicklung der 3D-Benutzerschnittstelle zuständig.
Die Automobilindustrie hofft darauf, mit der neuen Technik künftig auf den Bau teurer Prototypen von Armaturen oder Sitzen mehr und mehr verzichten zu können. Allein die Entwicklung eines Autositzes soll bis zu 100.000 Euro kosten und könnte durch bessere Materialsimulation am Bildschirm preisgünstiger realisiert werden.