CAcert - Digitale Zertifikate für lau (Update)
Zwar werfe man keinen Tee in den Hafen(öffnet im neuen Fenster) von Boston, wo die USENIX-Konferenz stattfindet, doch sei die Zeit für die "unnötige Steuer" abgelaufen, heißt es seitens des CAcert-Teams. CAcert-Präsident Duane Groth, seines Zeichens System- und Netzwerk-Administrator aus Sydney, betont aber: "Wir sind am Anfang eines monumentalen Wandels, eines Paradigmenwechsels, der den Sicherheitstechnik-Schauplatz in einer sehr realen und fundementalen Weise ändern wird."
Laut CAcert gab es bisher keine Alternative zu kommerziellen "Certificate Authorities" (CAs). Im Gegensatz zu CAcert, das seine Zertifikate kostenlos vergibt, hätte sich ein "Zertifikat-Oligopol" etabliert, das "unverschämte Gebühren" für simple Textdateien verlange, deren Erstellung im Grunde nichts koste. In den USA und vielen anderen Ländern würden Zertifikate schnell mehr als 10.000 US-Dollar kosten – und müssten jedes Jahr erneuert werden.
Vermeiden konnte man die Kosten bisher nur schwer, da digitale Zertifikate von fast jeder modernen Netzwerk- und Internet-Sicherheits-Technik etwa als Basis zur Verschlüsselung und Entschlüsselung, dem digitalen Unterzeichnen von Dokumenten und weiteren Transaktionen benötigt werden. Jeder bekannte Online-Händler – von Amazon bis eBay – nutze das zertifikatbasiere Sicherheitsprotokoll Secure Sockets Layer (SSL), um vertrauliche Daten wie etwa Kreditkartennummern oder Sozialversicherungsnummern und Ähnliches verschlüsselt über das Internet zu übertragen.
Das Internet, wie wir es heute kennen, würde es ohne Zertifikate nicht geben, so das CAcert und will damit zeigen, wie schwierig es ist, an den kommerziellen CAs und deren hohen Gebühren vorbeizukommen. Da man jedoch Zertifikate nach dem gleichen Zertifizierungsstandard X.509 formatiere, wie ihn auch die Digital-Zertifikat-Marktführer einsetzen, könne man die CAcert-Zertifikate einfach einsetzen und die "überteuerten Angebote der kommerziellen CAs einfach links liegen lassen", heißt es seitens der Nonprofit-Organisation.
Für extrem sicherheitskritische Anwendungen bietet das CAcert mit dem "CAcert's Assurance Programme" einen interessanten Ansatz: Um die Identität von Personen sicherzustellen, bestätigen Dritte – in der Regel andere CAcert-Nutzer – die Identität des Zertifikatanbieters, so dass so auch längere Zertifikate inkl. integriertem Name und E-Mail-Adresse genutzt werden können. Ein Problem muss aber noch gelöst werden: Wirklich anerkannt werden wird CAcert erst, wenn die entsprechenden Stammzertifikate dem Browser von vorne herein bekannt sind und nicht erst installiert werden müssen.
"Es ist schön, Internet-Sicherheit Endnutzern zu erklären und ihnen dann zu sagen: 'Oh, übrigens... es ist kostenlos'. Und sie wollen immer wissen, wo der Haken ist", so Adam Butler, Public Relations Director von CAcert. Aber es gebe eben keinen Haken, denn CAcert sei offiziell als Nonprofit-Organisation in Sydney, Australien, angemeldet und sei ein rein durch Spenden und Werbung auf der offiziellen Website www.CAcert.org(öffnet im neuen Fenster) finanzierter "Liebesdienst". "Endlich sind Internet-Privatsphäre und -Sicherheit für jeden verfügbar – und es ist kostenlos. Willkommen in der neuen Welt!", lautet die Kampfansage an die hohen Preise der kommerzielle Zertifikat-Vergabestellen.
Ein ähnliches Projekt namens CCC-CA(öffnet im neuen Fenster) gibt es etwa auch seitens des CCC. Hier wird allerdings nicht überprüft, wer das Zertifikat ausstellt. Deswegen wird das CCC-CA auch als Anonymous CA bezeichnet. Der CAcert-Vize ist übrigens der in Frankfurt beheimatete Christian Barmala, der auf seiner Homepage(öffnet im neuen Fenster) selbst eine "Freie CA(öffnet im neuen Fenster)" anbietet.
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