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Interview: Linux auf dem Desktop ist kein Tabu mehr

Golem.de: Red Hat hat den Verkauf von Linux-Boxen an Endkunden eingestellt und unterstützt nun das Fedora-Projekt. Könnten Sie die Beziehung zwischen Red Hat und Fedora näher erläutern?

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Tiemann: Red Hat entwickelt Fedora zusammen mit der Community. Unterstützen ist nicht ganz das richtige Wort - wir entwickeln Fedora, sind davon abhängig und wir investieren. Wir versuchen, mit Fedora zurück zu den Wurzeln von Innovation durch Open Source zu kommen und so ein Produkt ohne jegliche kommerziellen Erwartungen zu haben.

Laut IDC war Red Hat Linux von 1994 bis 2003 die erfolgreichste Linux-Distribution. Wir veröffentlichten die Distribution zweimal im Jahr und jedes Mal gab es eine Phase des Bugfixing mit geschlossenen und öffentlichen Beta-Tests und einer anschließenden Veröffentlichung. Aber auf Grund der Gewohnheiten im Handel kann man die Verfügbarkeit eines Produktes nicht ankündigen, das Release taucht einfach auf und jeder kauft es. Das Problem mit diesem Modell war aber, dass rund 50 Prozent der Zeit, in der wir mit der Community zusammen an Red Hat X hätten arbeiten können, wir dies aus diversen anderen Gründen nicht tun konnten. Wir versuchten, uns als Open-Source-Unternehmen zu verhalten, aber das Fenster für die Community war immer halb geschlossen, das ist, als müsste man mit einem Arm auf dem Rücken kämpfen.

Abgesehen davon war es sehr kostspielig, Support für die vielen Versionen anzubieten, die ständig auf den Markt kamen. Dennoch war es schwierig, Support für Unternehmensapplikationen anzubieten.

Wir hatten zwar eine Version, die für Oracle zertifiziert war und auch eine Version, die für SAP zertifiziert war, aber das waren zwei unterschiedliche Versionen von Red Hat Linux. Wenn also jemand fragte: "Auf welcher Version von eurem Betriebssystem kann ich SAP mit Oracle als Datenbank betreiben?", so war die Antwort: "Keine." Es gab nicht zwei Unternehmensapplikationen, die auf der gleichen Version von Red Hat Linux liefen, und das war ein großes Problem.

Wir konnten rund 20 Prozent der Aufgaben in einem Unternehmen, wie Datei- und Druck-Dienste, zu 80 Prozent der Kosten abdecken. Nur lernt man im BWL-Studium, dass es genau anders herum sein sollte.

Das haben wir dann 2003 geändert. Denn so gut wir in Bezug auf Open Source auch waren, wir wussten, wir können es besser. So erfolgreich Red Hat Linux geschäftlich gesehen auch war, wir wussten, wir können das besser. Wir begannen also, ein auf Unternehmen zugeschnittenes Release-Modell einzuführen, was bedeutet, die Release-Zyklen auf 12 bis 18 Monate zu erhöhen. Diese langen Release-Zyklen erlauben es Oracle und SAP, Veritas und BEA sowie insgesamt rund 750 Unternehmensapplikationen, auf einer Landebahn herunterzugehen. Damit haben wir heute ein wirkliches Produkt für Unternehmen.

Um nun auf die Frage "Was ist Fedora" zurückzukommen: Fedora ist die Design-Plattform für neue Open-Source- und Linux-Technologien. Es ist auf Robustheit ausgelegt, d.h. wenn ein Final-Release erscheint, dann ist das Red-Hat-geprüfte Qualität. Wenn wir also eine schlechte Version veröffentlichen, dann tut uns das genauso weh wie den Nutzern. Damit ist das zwar ein gutes Release, es gibt aber keine langfristigen Garantien. Es kann also sein, dass wir auf Grund eines Bugs 50 oder mehr Pakete zu aktualisieren haben, wir geben also die gleichen Garantien in Hinblick auf Abwärtskompatibilität und Stabilität wie bei unseren Enterprise-Produkten. Wir nehmen uns mehr Freiheiten, was wir wann aktualisieren.

Und wie ich schon eingangs sagte: Weder verkaufen wir es noch bieten wir Support. Wir wollen die Möglichkeit, die Open-Source-Community zu 100 Prozent einzubeziehen, in keiner Weise einschränken. Wir veröffentlichen früh, wir veröffentlichen offen, schauen nach vorn, anstatt Teile auf ältere Versionen zu portieren, und haben ein von der Community getriebenes Governance-Modell. Fedora deckt dadurch den Innovationsmarkt ab, während Red Hat Enterprise Linux an den Mainstream-Markt adressiert. Auch wenn es da gewisse Überschneidungen gibt.

Golem.de: War der Wechsel hin zu Fedora nicht auch eine Reaktion auf den Erfolg von Community-Distributionen wie Debian oder Gentoo?

Tiemann: Wie ich schon sagte, wir wussten, dass wir uns verbessern können. Wir wussten, dass die Kompromisse, die wir eingehen mussten, um Red Hat Linux wirtschaftlich so erfolgreich zu machen wie es war, zugleich die Kompromisse waren, die Red Hat Linux als Open-Source-Entwicklungsplattform Schaden zufügten. Als wir also begannen, auf Fedora zu setzen, war das unsere Art zu zeigen, wie Open Source bei Red Hat aussehen kann.

Fedora wird die Basis künftiger Versionen unserer Enterprise-Produkte darstellen. Es ist aber nicht notwendig, 10.000 Pakete zu unterstützen, und wir werden wohl nur rund 1.400 kommerzialisieren. Aber wir wollen sicherstellen, dass wir eine große Entwicklungs- und Test-Community haben, die sicherstellt, dass wir absolut auf der Höhe der Zeit sind.

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