Autos erhalten Roboterauge als elektronischen Beifahrer
Der im Boardcomputer steckende EyeQ-Chip nimmt seine Umgebung mittels einer auf dem Armaturenbrett des Autos montierten Kamera wahr. Dem Chip soll "beigebracht" worden sein, zwischen üblichen und nicht gefährlichen Objekten – etwa stationäre Objekte am Straßenrand – und drohenden Gefahren wie etwa plötzlich die Fahrbahn kreuzenden Passanten zu unterscheiden. In gefährlichen Situationen könnten die notwendigen Informationen dem Fahrer vom Computer z.B. per Warngeräusch mitgeteilt werden – oder der Computer gar automatisch eine Kurskorrektur vornehmen, um auszuweichen.
Das Unternehmen MobileEye wurde von Prof. Amnon Shashua, Chairman der Maschinenbau und Informatik-Fakultät der Hebrew University of Jerusalem, und seinem Kollegen Ziv Aviram im Jahr 1999 gegründet und hat mittlerweile 80 Mitarbeiter. Die zum Einsatz kommende EyeQ-Technik stammt aus einem früheren von Shashua für die (Qualitäts-)Kontrolle von Fertigungsprozessen entwickelten Projekt und kombiniert Optik und Computer-Analysen.
Überschaubare Fertigungsstraßen und regulärer Straßenverkehr sind jedoch zwei gänzlich andere Bereiche – und die Fahrt im Auto mit ihren tausenden vom Fahrer zu beachtenden Variablen deutlich komplexer als die im Vergleich dazu eher einfach und überschaubar wirkende Fabrikanlage.
Zu den Variablen zählen etwa unterschiedliche Licht- und Wetterkonditionen, Straßenspuren, unbewegte Objekte, sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten in verschiedene Richtungen bewegende Passanten und Fahrzeuge – die Liste ist fast endlos, heißt es in einer Mitteilung der Universität. Die Sammlung und Auswertung der entsprechenden visuellen Daten für EyeQ soll sowohl unter Laborbedingungen als auch in echten Fahrsituationen erfolgt sein.
Vorgeschlagene Anwendungen für EyeQ sind: Ein Warner für aus der Spur scherende Fahrer, eine automatische Geschwindigkeitsanpassung entsprechend dem Verkehrsfluss, eine automatische Straffung von Sicherheitsgurten und automatische Bremsverstärkung bei unmittelbarer Aufprallgefahr. Zwar gibt es schon einige Systeme, die dies teilweise bieten, aber eben auf teurer und in ihrer Anwendung begrenzter Radartechnik basieren. Hier will MobilEye mit seinem Bild- bzw. Videosensor-Technik mehr leisten können.
Bisher hat MobilEye in vier Finanzierungsrunden 45 Millionen US-Dollar aufbringen können – den fertigen EyeQ-SoC (System-on-a-Chip) stellte die Firma bereits im März 2004 vor. "Wir hoffen, dass wir etwas sehr, sehr Nützliches anbieten und arbeiten mit großen Auto- und Auto-Teile-Herstellern in den USA, Europa und Japan daran, die Technik in eine breite Auswahl von Produktsprogrammen zu integrieren" , so Prof. Shashua. Er zeigt sich trotz noch nicht fertiger EyeQ-Sicherheits-Produkte zuversichtlich, dass zumindest ein Teil der mit EyeQ möglichen Sicherheitsanwendungen bald zur Standardausstattung von Autos werden, so wie Sicherheitsgurte und Air Bags.
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