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Interview: Freie Bandbreite für alle (Teil 2)

Golem.de: Aber was wäre in zehn Jahren anders gewesen?

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Moglen: Es ging nicht darum, dass das Recht in zehn Jahren anders gewesen wäre, der Grund war, dass die Richter dann in der neuen Welt der Fakten gelebt hätten. Wir allen wissen, was eine Welt mit dem von Walt Disney initiierten digitalen Urheberrecht bedeutet: Überwachung jedes Lesers und jedes Zuschauers auf dem Planeten. Sobald einmal digitale Rechte unter ein solch starkes Urheberrecht gestellt werden, wird überwacht werden, was ein jeder liest, um zu wissen, wofür er zu bezahlen hat.

Ich dachte, und ich denke noch immer, dass in zehn Jahren die datenschutzrechtlichen Konsequenzen eines starken, digitalen Urheberrechts Richter, Anwälte und normale Menschen in der ganzen Welt - insbesondere den US Supreme Court - höllisch ärgern werden. Ich dachte: Gibt man ihnen ein bisschen mehr Seil, werden sie sich in zehn Jahren selber hängen. Wenn man die Klage schon heute einbringt, wird man verlieren, da die Richter nicht wissen, warum sie auf deine Argumente eingehen sollten.

Ich denke, Larry hat meine Einschätzung bestätigt. Die Richter hörten die richtigen Argumente, aber sie glaubten sie nicht. In zehn Jahren werden sich diejenigen, die in Eldred vs. Ashcroft mit der Mehrheit entschieden haben, wünschen, sie hätten dies nicht getan. Aber nun gegen ein Urteil des Supreme Court anzugehen ist sehr schwierig und daher werden wir eine ganze Generation warten müssen, bis der Supreme Court willens ist, sich noch einmal damit zu beschäftigen.

Neue Verfahren sind ebenfalls zu früh. Dem US-Kongress wurde im Prinzip vom Supreme Court gesagt: "Ihr dürft Lobbygelder nehmen, woher ihr wollt und ihr könnt auf Basis der euch verliehenen Rechte mit dem Urheberrecht machen, was immer diese Leute wünschen, denn es gibt keine Grenzen, was der Kongress mit den Urheberrecht machen kann, so lange er nicht direkt gegen Gesetze verstößt."

Wäre der Fall in zehn Jahren zum ersten Mal eingebracht worden, dann wäre das Gericht zu einem anderen Urteil gekommen. Aber nun werden sie nicht zum ersten Mal mit dem Fall konfrontiert, sondern müssen eine Entscheidung im Schatten dessen treffen, was sie einst getan haben.

Wird irgendetwas, das heute, morgen oder später passiert, dies ändern? Ich denke nicht. Was etwas ändern wird, ist, dass die Gesellschaft, die unter diesem starken Urheberrecht leben muss, es hassen wird. Und dann werden sie es ändern.

Was Larry aber mit Creative Commons erreicht hat, ist Millionen Mal wichtiger als alles, was er in Eldred vs. Ashcroft getan hat. Es lag nicht an Larry, dass es nicht geklappt hat, es lag an dem Verfahren.

Golem.de: Lawrence Lessig spricht sich für die Wiedereinführung einer Registrierungspflicht von Urheberrechten aus. Würde dieses Konzept nicht die Entwicklung freier Software behindern? Das Modell freier Software basiert schließlich auf dem Urheberrecht und der Möglichkeit, dieses einzufordern.

Moglen: Das US-Urheberrecht enthält bereits heute Vorteile für die Registrierung und wir registrieren unsere Software auch heute schon. Aber es stimmt, Nicht-US-Anbieter freier Software wissen oft nicht, dass sie ihr US-Urheberrecht registrieren sollten und sie lernen es auf die harte Tour. Ein Beispiel dafür war das Samba-Team, die sich Mitte der 90er-Jahre, als Andrew Tridgell und Jeremy Allison nicht in den USA lebten und arbeiteten, wünschten, sie hätten ihr US-Urheberrecht früher registriert. Schon heute bietet das US-Urheberrecht genügend Anreize für eine Registrierung und clevere Anbieter freier Software registrieren ihr Urheberrecht in den USA. Die Free Software Foundation tut dies.

Die Wiedereinführung einer generellen Registrierungspflicht oder, was Larry jetzt vorgeschlagen hat, eine Verlängerung nach 50 Jahren, wäre kein Problem für freie Software. Sein Vorschlag dreht sich aber eigentlich gar nicht um Software und hätte kaum Konsequenzen für freie Software. Softwarerechte, die älter sind als 50 Jahre, bedeuten nicht wirklich etwas.

Sein eigentliches Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass kulturelle Materialien auch weiter in die Public Domain gelangen, denn das Urteil in Eldred vs. Ashcroft bedeutet augenscheinlich, dass der Kongress die Macht hat zu verhindern, dass jemals wieder etwas in die Public Domain wandert. Larry sucht nach Möglichkeiten, um das Gesetz so zu verändern, dass der Strom von Neuem, das in die Public Domains wandert, nicht versickert. Ich halte das für erstrebenswert, aber ich bezweifle, dass er vom US-Kongress irgendetwas bekommt. Versuchen sollte man es aber trotzdem und Probleme für freie Software ergeben sich daraus nicht.

 Interview: Freie Bandbreite für alle (Teil 2)
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Marcus... 21. Jun 2004

Die Luftbuchungen der freien Softwareszene Mit der freien Software verbinden sich große...

Bexx 21. Jun 2004

Freie Bandbreite... diese Nerds! Freibier!!!

Michael - alt 20. Jun 2004

na, du "verkehrtherum"? 100% deiner meinung.

Suomynona 20. Jun 2004

Es ist nicht bewiesen ob die Belastung durch elektromagnetische Strahlung in kleinen...

Raiden 20. Jun 2004

Außerdem ist noch nicht geklärt ob die drahtlose Kommunikation die Gesundheit schädigt...


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