Abo
  • Services:

Interview: Freie Bandbreite für alle (Teil 2)

Golem.de: Das bedeutet dann aber, dass in Ihren Augen die Zukunft drahtlos ist.

Stellenmarkt
  1. CSL Behring GmbH, Marburg, Hattersheim am Main
  2. Robert Bosch GmbH, Stuttgart

Moglen: Schauen Sie sich an, was in den 90er-Jahren passierte: Drei Glasfaserringe rund um Europa, gebaut von Organisationen, die nun bankrott sind und deren Top-Management es gerade schafft, nicht ins Gefängnis zu kommen.

Das Versagen von KPNQuest war enorm. Als KPNQuest zerstört wurde und jeder auf einmal merkte, wie schlimm dies war, rief einer meiner ehemaligen New Yorker Studenten, dessen Mutter ein Mitglied des niederländischen Parlaments und im Telekommunikationsausschuss tätig war, an und sagte: "Vor zwei Jahren im November 1999 haben Sie in der Vorlesung darüber gesprochen, dass KPNQuest versagen wird. Woher wussten Sie das?" Ich sagte, frag mich nach etwas, das schwer vorherzusagen ist.

Man hat am Ende des 20. Jahrhunderts zu viele drahtgebundene Netzwerke gebaut. Übermäßig viele. Jeder dachte, dass alle Welt mehr Kapazitäten benötigen würde und auch mehr dafür bezahlen würde. Und das war falsch. Man braucht diese ganzen Kapazitäten nicht. Was wir tatsächlich brauchen ist eine intelligente Nutzung des Frequenz-Spektrums. Vor vielen vielen Jahren schlug Nicolas Negroponte vom MIT etwas vor, das "The Network Switched" genannt wurde. Er war der Meinung, dass sich alles umkehren werde. Man solle die kommerzielle Nutzung des Netzes in Kabel, in Glasfaser und Firmennetze integrieren und die persönlichen Anwendungen in den Äther. Im Moment ist es noch genau umgekehrt. Diese Umkehr - die kommerziellen Anwender ins Kabel zu verfrachten und die nicht kommerziellen Anwendungen drahtlos zu machen - ist im Wesentlichen die Entwicklung, die wir jetzt durchmachen.

Das Problem ist: Niemand kriegt etwas kostenlos. Was eigentlich passieren müsste: Unternehmen sollten für die Bewegung ihrer Bits zahlen, sobald diese ein Maß übersteigt, in dem einzelne Individuen ihre Bits übertragen wollen.

In meinem Buch, das wie ich hoffe irgendwann in diesen Tagen erscheint, schlage ich etwas vor, das ich ein "Geburtsrecht auf Bandbreite" nenne. Sie existieren, also sind Sie berechtigt, Ihren Pro-Kopf-Anteil an drahtloser Bandbreite zu nutzen. Vielleicht muss man noch einen billigen WLAN-Router kaufen, der in die Tasche passt und in etwa so teuer ist wie ein Handy, aber danach hat man das gleiche Recht, die Bandbreite zu nutzen wie jeder andere auch.

Wenn Sie am Morgen zur Arbeit fahren, nutzt Ihr Arbeitgeber Ihre Bandbreite. Wenn Sie am Abend in die Kneipe oder zum Bowling gehen oder zum Billiard-Club, nutzen diese ihre Bandbreite. Wenn Sie am Sonntag zur Kirche gehen, nutzt die Kirche ihre Bandbreite. Wenn Unternehmen mehr brauchen, um ihr Geschäft zu betreiben, dann sollten sie diese von Leuten kaufen, die ihnen drahtgebundene Bandbreite verkaufen.

Selbst wenn man nur einen kleinen Teil dieses Spektrums für entsprechende Zwecke nutzt, kann man jedem in der Gesellschaft eine Menge Bandbreite zur Verfügung stellen. Und je mehr dieses System nutzen, desto mehr Bandbreite gibt es, weil es mehr Möglichkeiten gibt, den Traffic zu routen.

Das funktioniert folgendermaßen: geographisch routende Netzwerke, bei denen jeder Knoten durch GPS bestimmen kann, wo er sich befindet und wie viel Sendeleistung benötigt wird, um eine Verbindung zum nächsten Knoten aufzubauen.

Damit ist es mit recht geringer Sendeleistung an jedem Punkt möglich, Daten von einer Person zur anderen zu transportieren. Wenn Sie beispielsweise unten auf dem Alexanderplatz stehen, können Sie mit jemandem auf der Budapester Straße sprechen, ohne einen zentralisierten Switch zu benötigen. Jeder wird so zur Funkstation.

Golem.de: SCO hat der FSF eine Vorladung geschickt und umfangreiches Material angefordert, darunter auch vertrauliche E-Mails und Verträge. Wie wird die FSF mit dieser Vorladung umgehen?

Moglen: Wir werden SCO die Dokumente zur Verfügung stellen, von denen wir denken, dass sie SCO legalerweise von uns anfordern darf, unter der Einschränkung, dass wir dies ohne unangemessene Auflagen oder Kosten tun können. Wir verhandeln mit SCO, wie eine angemessene Dokumentation auszusehen hat. Und wenn wir mit SCO eine Übereinkunft erzielen, werden wir uns daran halten. Wenn wir nicht zu einer Übereinkunft gelangen, werden wir in den Streitfällen das Gericht bemühen müssen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir in Erwiderung auf die Vorladung SCO das liefern können, was ihnen vom Gesetz her zusteht. Ich will ihnen nicht den Zugang zu Informationen versperren, zu deren Einsichtsnahme sie berechtigt sind. Ich bin aber auch nicht bereit, ihnen etwas zu geben, nur weil sie es wollen - und auf vieles, nachdem sie verlangt haben, haben sie keinen Anspruch und werden es nicht bekommen, es sei denn, ein Gerichtsbeschluss fordert uns dazu auf.

 Interview: Freie Bandbreite für alle (Teil 2)Interview: Freie Bandbreite für alle (Teil 2) 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6. 5
  7.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals bei Alternate.de

Marcus... 21. Jun 2004

Die Luftbuchungen der freien Softwareszene Mit der freien Software verbinden sich große...

Bexx 21. Jun 2004

Freie Bandbreite... diese Nerds! Freibier!!!

Michael - alt 20. Jun 2004

na, du "verkehrtherum"? 100% deiner meinung.

Suomynona 20. Jun 2004

Es ist nicht bewiesen ob die Belastung durch elektromagnetische Strahlung in kleinen...

Raiden 20. Jun 2004

Außerdem ist noch nicht geklärt ob die drahtlose Kommunikation die Gesundheit schädigt...


Folgen Sie uns
       


Playstation Classic im Vergleichstest - Golem retro_ Spezial

Sonys Mini-Konsole Playstation Classic ist knuffig. In unserem Golem-retro_-Spezial beleuchten wir die Spieleauswahl und Hardware im Detail.

Playstation Classic im Vergleichstest - Golem retro_ Spezial Video aufrufen
CES 2019: Die Messe der unnützen Gaming-Hardware
CES 2019
Die Messe der unnützen Gaming-Hardware

CES 2019 Wer wollte schon immer dauerhaft auf einem kleinen 17-Zoll-Bildschirm spielen oder ein mehrere Kilogramm schweres Tablet mit sich herumtragen? Niemand! Das ficht die Hersteller aber nicht an - im Gegenteil, sie denken sich immer mehr Obskuritäten aus.
Ein IMHO von Oliver Nickel

  1. Bosch Touch-Projektoren angesehen Virtuelle Displays für Küche und Schrank
  2. Mobilität Das Auto der Zukunft ist modular und wandelbar
  3. Sonos Keine Parallelnutzung von Alexa und Google Assistant geplant

Geforce RTX 2060 im Test: Gute Karte zum gutem Preis mit Speicher-Aber
Geforce RTX 2060 im Test
Gute Karte zum gutem Preis mit Speicher-Aber

Mit der Geforce RTX 2060 hat Nvidia die bisher günstigste Grafikkarte mit Turing-Architektur veröffentlicht. Für 370 Euro erhalten Spieler genug Leistung für 1080p oder 1440p und sogar für Raytracing, bei vollen Schatten- oder Textur-Details wird es aber in seltenen Fällen ruckelig.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Geforce RTX 2060 Founder's Edition kostet 370 Euro
  2. Turing-Architektur Nvidia stellt schnelle Geforce RTX für Notebooks vor
  3. Turing-Grafikkarte Nvidia plant Geforce RTX 2060

Mobilität: Überrollt von Autos
Mobilität
Überrollt von Autos

CES 2019 Die Consumer Electronic Show entwickelt sich immer stärker zu einer Mobilitätsmesse. Größere Fernseher und leichtere Laptops sind zwar noch ein Thema, doch die Stars in Las Vegas haben Räder.
Ein Bericht von Dirk Kunde

  1. Link Bar JBL bringt Soundbar mit eingebautem Android TV doch noch
  2. Streaming LG und Sony bringen Airplay 2 nur auf neue Smart-TVs
  3. Master Series ZG9 Sony stellt seinen ersten 8K-Fernseher vor

    •  /