Interview: Nokia zum neuen Spiele-Handy N-Gage QD
Rücken: Die von uns bisher genannten öffentlichen Verkaufszahlen sind vom Januar dieses Jahres. Im Rahmen unseres Berichtes zum Geschäftsjahresabschluss haben wir mitgeteilt, dass wir bis Ende des Jahres 2003 über 600.000 Stück verkauft haben. Wie Anssi Vanjoki auf der E3 in Los Angeles sagte, werden wir bald das millionste Gerät der N-Gage-Plattform verkaufen. Leider kann ich Ihnen zu den Verkaufszahlen zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr sagen – aber im Juli zu den nächsten Quartalsmeldungen werden wir sicher neue Fakten liefern.
Golem.de: Der auffälligste Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten N-Gage ist die Behebung der gröbsten Design-Mängel – Spiele lassen sich jetzt auch ohne Herausnahme des Akkus wechseln und man kann mit dem N-Gage QD jetzt auch vernünftig ohne "Sidetalking"-Effekt telefonieren. Ist das N-Gage QD nicht eher ein Eingeständnis der groben Design-Mängel beim Vorgänger als ein wirklich neues Produkt?
Rücken: Im Nachhinein betrachtet war das Design des ersten N-Gage zur Zeit des Verkaufsstarts absolut einzigartig, nichtsdestotrotz hätten wir ein paar Sachen anders machen können. Mit dem N-Gage QD als zweitem Gerät der N-Gage-Plattform haben wir gezeigt, dass wir sehr gut zuhören, schnell dazulernen und Veränderungen konsequent umsetzen wollen. N-Gage QD richtet sich von seinen Funktionen und seinem Design her an eine eigene Zielgruppe und ist daher natürlich ein eigenständiges Produkt, in dem viele Erfahrungswerte aus dem ersten Gerät stecken.
Golem.de: Wieso hat man beim QD auf das Radio und den MP3-Player verzichtet – zwei Funktionen, die am Vorgänger durchaus geschätzt wurden?
Rücken: Das N-Gage QD ist als preiswertes Einsteigergerät für eine junge Zielgruppe konzipiert. Daher haben wir aus Platz- und aus Kostengründen diese Funktionen weggelassen. Jemand der nur spielen will, ist nicht bereit, Features, die er nicht braucht, mitzubezahlen und gerade der Preis war ja ein wichtiges Thema in den letzten Monaten. Beides haben wir im N-Gage QD berücksichtigt. Dadurch können wir jetzt ein Gerät anbieten, welches wirklich "pocketable" – also hosentaschentauglich – ist und einen sehr attraktiven Preis hat.
Golem.de: Apropos Preis: In der ersten Pressemitteilung zum QD hieß es, dass der Gerätepreis bei Abschluss eines Mobilfunkvertrages wohl bei 99,- Euro liegen würde. Pünktlich zur Auslieferung senkte man den Preis auf 49,- Euro, nun bieten viele Mobilfunkanbieter das N-Gage QD vom Start weg für 1,- Euro an. Wie will man da noch verhindern, dass dem N-Gage QD von Beginn an der Ruf eines Billig-Handys anhaftet? Versucht man hier, mit aller Macht ein Gerät auf den Markt zu drücken und verzichtet gleichzeitig darauf, die Wertigkeit des Handys in den Vordergrund zu stellen?
Rücken: Nokia verkauft das N-Gage QD für 229,- Euro (inkl. Mwst.), daran hat sich nichts geändert. Aber der Punkt, den Sie ansprechen, ist sehr interessant. Während im Mobilfunk-Markt die Subventionen der Netzbetreiber die Endkundenpreise für Telefone rapide senken, sind Konsolen von einer starken Preisstabilität gekennzeichnet. Schon ohne Vertrag bieten wir das N-Gage QD mit 229,- Euro zu einem sehr attraktiven Preis an. Diesen werden wir auch langfristig stabil halten. Für den Kunden eröffnet sich die Möglichkeit in Kombination mit den Angeboten der Netzbetreiber, das gleiche, qualitativ hochwertige Produkt zu einem niedrigeren Preis zu erwerben. Diese Wahl zu haben finden wir sehr positiv und freuen uns natürlich über attraktive Angebote der Netzbetreiber wie das EM-Bundle von E-Plus mit FIFA 2004 für 49,- Euro.
Golem.de: Ein großes – wenn nicht das größte – Problem des N-Gage ist weiterhin das qualitativ wenig überzeugende Spiele-Angebot. Auch wenn mittlerweile ein paar bekannte Namen wie Splinter Cell oder Fifa verfügbar sind, erfüllen die Spiele nur selten die hohen Ansprüche der Spieler. Wäre es hier nicht ein logischer Schritt, den Preis der Titel zu senken? Schließlich scheinen weiterhin nur die wenigsten bereit zu sein, für ein N-Gage-Spiel bis zu 50 Euro zu bezahlen.
Rücken: Wir hatten zum Start nicht das optimalste Spiele Line-Up, das ist gar keine Frage und natürlich lebt eine Spiele-Konsole maßgeblich von der angebotenen Software. Daher haben wir in den letzten Monaten sehr intensiv an unserem Spiele-Portfolio gearbeitet. Aktuell sind wir dabei, unser Spieleportfolio massiv zu erweitern, vor allem auch mit Titeln wie Ashen und Pathway to Glory, die exklusiv für N-Gage entwickelt werden. Auf Ashen, das seit letzter Woche im Handel ist, haben wir sehr positives Feedback vom Handel und von Games-Medien bekommen, GamePro hat es z.B. mit einem Gold-Award ausgezeichnet. Am 18.6. kommt Tiger Woods PGA Tour 2004 und am 8.7. Spiderman 2 auf den Markt, gefolgt von Titeln wie Tom Clancy's Ghost Recon, Bomberman, Crash Nitro Kart, Operation Shadow, Call of Duty: United Offensive, Pocket Kingdom, FIFA Football 2005, SSX – Out of Bounce und vielen weiteren.
Natürlich machen wir uns auch über die Preisgestaltung der Spiele Gedanken. Bomberman z.B. wird demnächst für 29,- Euro im Regal stehen, während Ashen, als exklusiver und exzellenter Titel, für 49,- Euro zu haben ist.
Golem.de: Der Handy-Markt ist deutlich schnelllebiger als der Markt für Videospiel-Konsolen – während ein GBA über Jahre hinweg seine Käufer findet, wollen Handy-Besitzer zumindest alle zwei Jahre ein neues Gerät. Wie will man das Problem lösen, einerseits beständig neue Handys zur Verfügung stellen zu müssen, andererseits aber auch nicht zu bald die Technik des N-Gage zu verändern, da sonst die frühen N-Gage-Besitzer die Spiele der nächsten Generation nicht mehr spielen können?
Rücken: Genau aus diesem Grund haben wir die N-Gage-Plattform geschaffen, die unabhängig von der weiteren Entwicklung bei Mobilfunktechniken immer zwischen allen Geräten kompatibel sein wird. Die N-Gage-Plattform wird dann, wie jetzt beim N-Gage QD, von den aktuellsten Telefonfunktionen umschlossen. Damit sind wir in der Lage, jederzeit die aktuellsten Handy-Funktionen mit der Langlebigkeit einer Videospiel-Konsole zu verbinden. Und durch die kürzeren Entwicklungszyklen im Mobilfunkbereich können wir technische Verbesserungen, wie z.B. längere Akkulaufzeiten oder bessere Displays, schneller an die Nutzer weitergeben. Wie viel ungenutztes Potenzial in der N-Gage-Plattform noch steckt, zeigen die neuesten Titel wie Ashen, Sims und Pathway to Glory sehr eindrucksvoll.
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