Spieletest: Gran Turismo 4 Prologue - Rennspiel-Hit-Vorschau
Demo-Version fast zum Vollpreis. Die Gran-Turismo-Reihe ist eine der größten Erfolgsgeschichten im Videospiel-Genre - alleine die ersten drei Teile fanden bisher weltweit 35 Millionen Käufer. Um die Wartezeit auf den vierten Teil, der für Ende 2004 angekündigt ist, ein wenig zu verkürzen, veröffentlichte Sony jetzt unter dem Titel Gran Turismo 4 Prologue eine abgespeckte Vorabversion. Ob diese Rennspiel-Fans zufrieden stellt, darf allerdings stark bezweifelt werden.
Prinzipiell ist die Idee eines ersten Vorgeschmacks ja nicht schlecht - so kann man Spieler bis zum finalen Release beschäftigt halten und ihnen bereits einen ersten Eindruck von dem Titel vermitteln. Wenn man für dieses Test-Angebot allerdings 40 Euro verlangt, sollte man schon einiges zu bieten haben - und genau in diesem Punkt kann Gran Turismo 4 Prologue kaum überzeugen.
Herzstück des Spiels ist die vielen noch vom Vorgänger bekannte (und auf Grund des hohen Schwierigkeitsgrades verhasste...) Fahrschule. In 50 meist recht kurzen Missionen lernt man hier den Umgang mit dem Fahrzeug - zunächst das korrekte Beschleunigen und Bremsen sowie das Halten der Ideallinie, später dann auch das Abhängen von Konkurrenten. Alle Aufgaben werden sehr sorgfältig erklärt, Hilfen wie die angezeigte Ideallinie sorgen zudem dafür, dass auch Anfänger diesmal nicht schon von Beginn an verzweifeln.
Die umfangreiche Fahrschule hat durchaus ihre Berechtigung - in Sachen Realismusgrad haben die Entwickler nämlich gegenüber GT3 nochmal ein ganzes Stück zugelegt. Auf das eigene Auto wirken korrekte physikalische Kräfte, und wer nicht häufigen Gebrauch von der Bremse macht, hat kaum eine Chance - durchdrehende oder blockierende Reifen und Landungen im Kiesbett sind bei Kurvenfahrten ansonsten nicht zu vermeiden. Um das auf Dauer recht dröge Training ein wenig motivierender zu gestalten, ist jede Mission zudem mit einem "Geschenk" verbunden - für eine korrekt gelöste Aufgabe wird ein neues Fahrzeug freigeschaltet, der Fuhrpark wächst also schnell auf über 50 Fahrzeuge an.
Während die Garage also zumindest nach einiger Spielzeit genügend Abwechslung bietet, macht sich auf der Strecke selbst schnell Langeweile breit - gerade mal fünf Kurse sind im Angebot, und die darf man zum Spaß auch erst dann gegen KI-Konkurrenten befahren, wenn die komplette Fahrschule abgeschlossen ist. Noch schlimmer: Nicht alle Kurse sind für Rennen mit Kontrahenten vorgesehen - auf zwei von ihnen darf man nur an der eigenen Bestzeit arbeiten und dreht somit alleine seine Runden. Nur konsequent, dass man sich auch den Multiplayer-Modus gespart hat - wer will sich denn schon mit anderen Autos oder gar Freunden die Strecke teilen müssen?
Zumindest optisch lässt Prologue schon mal seine Muskeln spielen - einige der Streckendetails wie beispielsweise die Zuschauer holen schon einiges aus der PlayStation 2 heraus. Dafür ist das Geschindigkeitsgefühl aber auch alles andere als berauschend, und von Zeit zu Zeit trübt Kantenflimmern die optische Pracht.
Gran Turismo 4 Prologue ist bereits im Handel erhältlich; das exklusiv für die PlayStation 2 verfügbare Spiel kostet 39,95 Euro.
Fazit: Würde Sony GT 4 Prologue als kostenlose Demo-CD vertreiben oder einen Schnupper-Preis von 10,- bis 15,- Euro verlangen, könnte man zum Kauf raten, so kann man den Titel allerdings nur extrem zahlungsfreudigen GT-Fans ans Herz legen - 40,- Euro für eine auf Dauer recht dröge Fahrschule und gerade mal fünf Kurse sind definitiv ein deutlich zu hoher Preis.