Schummelt Musikindustrie, um Umsatzrückgänge zu erzeugen?
Ein wenig seltsam mutete die kürzlich erfolgte Vorlage der aktuellen Verkaufszahlen schon an: Während die Recording Industry Association of America (RIAA) für das erste Quartal 2004 im Vergleich zum Vorjahresquartal erneut einen Umsatzrückgang feststellte, kamen die Marktforscher von Nielsen zu einem ganz anderen Ergebnis – laut ihnen gab es im ersten Quartal 2004 bei den Verkäufen Zuwächse von 10 Prozent. Schaut man sich allerdings an, wie die jeweiligen Zahlen ermittelt werden, sind die Gründe für die unterschiedlichen Ergebnisse schnell ersichtlich.
Nielsen Soundscan ermittelt seine Zahlen anhand der tatsächlichen Verkäufe – die Marktforscher erfassen also in korrekter Art und Weise direkt an der Kasse, was abgesetzt wurde. Die RIAA hingegen orientiert sich an den Auslieferungen – also das, was die Händler bestellt haben, nicht das, was die Kunden gekauft haben. Da viele Händler in letzter Zeit wohl stärker dazu übergegangen sind, ihre Lagerbestände möglichst gering zu halten – um so auch das gebundene Kapital zu reduzieren und letztendlich Geld zu sparen – ging die Zahl der von der Industrie an die Läden ausgelieferten CDs zurück.
Sollten diese Angaben stimmen, würde die RIAA tatsächlich versuchen, eine für sie positive Entwicklung (mehr verkaufte CDs, geringere Lagerkosten für die Händler und weniger Rückläufe an die Industrie, da CDs in den Läden stärker auf Grund der aktuellen Kundenbedürfnisse bestellt werden) als weiteren Negativ-Trend darzustellen.