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Musik- und Datenklau im Internet ohne Risiko?

Wittener Konsumforscher mit Theorie des kollektiven Konsumentenrisikos. Mit zahlreichen Klagen gegen Tauschbörsenbenutzer versucht die Musikindustrie derzeit weltweit, die beständig zunehmende Flut an Musik-Downloads einzudämmen - aus Angst vor hohen Schadenersatzforderungen sollen die Anwender dazu gebracht werden, keine urheberrechtlich geschützten Lieder mehr herunterzuladen. Der Wittener Konsumforscher Markus Giesler widerspricht allerdings den von der Industrie gemachten Äußerungen, dass man beim Datentausch über das Netz mit rechtlichen Folgen zu rechnen habe - ein Risiko sei praktisch kaum vorhanden.
/ Thorsten Wiesner
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In einer internationalen Studie will Giesler wissenschaftlich nachgewiesen haben, dass bei illegalen Downloads im Internet das Risiko des "Erwischtwerdens" quasi gleich null ist. "Der Nutzer ist doch nur einer von vielen. Warum sollte man gerade ihn erwischen?" verkündet Giesler, der seine "Theorie des kollektiven Konsumentenrisikos" kürzlich auch an der Harvard Business School vorstellen durfte.

Vier Jahre lang hat Giesler die Nutzer populärer Internet-Tauschbörsen wie Napster, KaZaA oder Limewire für seine Studien beobachtet und kam dabei zu der nicht wirklich neuen Erkenntnis, dass angefangen bei Musik-Tauschbörsen bis zu Cyber-Terrorismus schon heute ein oft folgenloser Verstoß gegen Gesetze möglich sei - eine seiner Meinung nach völlig neue Erkenntnis in der Risikoforschung. Hinter Gieslers Ergebnissen steckt das simple Prinzip, dass mit zunehmender Zahl der Nutzer in einer Tauschgemeinschaft das Risiko für den Einzelnen, bei seinen Handlungen erwischt zu werden, sinkt.

So richtig diese Annahme auch ist - den mehreren hundert Tauschbörsen-Nutzern, die bereits in den USA abgemahnt wurden und an die Musikindustrie Zahlungen in Höhe von mehreren tausend US-Dollar vornehmen mussten, wird es kaum weiterhelfen, dass sie zu den "Ausnahmefällen" gehören. Zudem gibt die Musikindustrie ohnehin selber zu, mit den eigenen Aktionen vor allem abschreckende Wirkung erzielen zu wollen - und viele Nutzer dürften sich auch zweifellos abschrecken lassen, selbst wenn das Risiko erwischt zu werden noch so gering ist.


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