GeForce 6800 - Mehr Effekte, mehr Leistung, mehr Video

Grafikkarten mit GeForce 6800 Ultra werden einen Chiptakt von 400 MHz (FX 5950: 475 MHz) und einen Speichertakt von 550 MHz (effektiv 1,1 GHz) aufweisen; zumindest Letzteren können Grafikkartenhersteller auch anheben. Die Taktraten der anderen GeForce-6800-Modelle nannte Nvidia noch nicht. Die "normale" 6800 wird mit 128 MByte DDR-1-RAM bestückt, während die Ultra-Ausführung zunächst mit 256 MByte DDR-3-RAM ausgeliefert wird. Erst zu einem späteren, nicht genannten Zeitpunkt sollen Ultra-Varianten mit 512 MByte DDR-3-RAM vorgestellt werden. Der Speicher ist, wie bei High-End-Grafikchips üblich, 256-bittig angebunden.
Die Besonderheit vom GeForce 6800 liegt in der erstmaligen Unterstützung der komplexeren Shader-3.0-Grafikeffekte, die deutlich aufwendigere, flexiblere und auf viele Objekte ("Multiple Render Targets") gleichzeitig anwendbare 3D-Effekte ermöglicht. So können etwa Pixel-Shader-2.0-Programme von DirectX 9 nur 96 Zeilen lang sein, während 3.0-Shader bis zu 65.535 Programmzeilen umfassen können, wobei in diesen u.a. Sprünge, Schleifen und Subroutinenaufrufe möglich sind.
In einem Spiel können Shader-3.0-Programme etwa genutzt werden, um viele 3D-Charaktere aus einem Objekt zu schaffen, diese aber leicht unterschiedlich und nicht wie Klone voneinander aussehen zu lassen. Gleichzeitig soll dank der höheren Shader-Komplexität die Darstellung von zum Teil transparenten Objekten, besseren Licht- und Schatteneffekten (z.B. "Soft Shadows"/weiche Schatten), realistischer Haut und mehr als nur ein paar Haaren in Echtzeit möglich werden. Dafür müssen jedoch erst einmal die entsprechenden Spiele vorhanden sein - bisher gibt es nur nur nett anzusehende Technik-Demos - was aber bei DirectX 9 Shader 2.0 anfangs auch nicht anders war.
Mittels direkter Hardware-Unterstützung - also ohne Shader-Nutzung - für 16-Bit-Fließkomma-Farbformate beim Speichern, Überblenden, Schattieren, Texturieren und Filtern während der Beleuchtungsberechnung sollen für Licht und Schatteneffekte deutlich feinere Farbabstufungen zur Verfügung stehen. So sollen etwa grobe Farbverläufe oder übertrieben beleuchtete Szenen der Vergangenheit angehören, so dass man noch ein bisschen mehr in Richtung Fotorealismus geht.
Für alte Spiele interessant ist der neue Hardware-Kantenglättungsmodus "Centroid Sampling", der auf einem "Rotated Grid" anstatt auf einem weniger optimalen "Ordered Grid" basiert und deutlich höhere Grafikqualität verspricht als Nvidias bisherige Techniken. Das Resultat laut Nvidia: schärfere Polygonkanten durch genauere Farbwiedergabe - das Bild wirkt demnach also schärfer und nicht weich gezeichnet.
Dank der höheren Leistung der GeForce-6800-Familie sollen die verschiedenen Techniken erstmals sinnvoll in Echzeit für Spiele und Anwendungen miteinander verbunden werden können - z.B. Textur-Filterung, High-Dynamic-Range-Effekte, Tiefenschärfe, Bewegungsunschärfe und 16fache anisotrophische Filterung.
Es spricht einiges dafür, dass Nvidia mit seiner neuen Grafikchip-Familie nicht nur mit zukünftiger Shader-3.0-Software beeindruckendere Grafiken bieten wird, sondern sich zumindest mit der GeForce 6800 Ultra den Grafikkartenthron von ATIs Radeon 9800 XT zurückerobern wird. Das belegt nicht nur ein von Nvidia genannter beachtlicher 3D-Mark-2003-Wert von 12.353 Punkten (3,2-GHz-P4-EE-CPU, 512 MByte RAM, i875-Chipsatz), sondern auch die von Nvidia im Vergleich zur GeForceFX 5950 genannte Shader-Beschleunigung etwa bei Far Cry (2fach), Splinter Cell (3fach), Half Life 2 (5,5fach) und der neuen Unreal Engine 3 (5,5fach). Wie der Geschwindigkeitsvorteil jeweils im Blick auf die erreichten Bilder pro Sekunde aussieht, gab Nvidia nicht an.
Bevor allerdings im Vorfeld auf Grund der Fähigkeiten zu viele Lorbeeren verteilt werden: Noch konnte Golem.de die GeForce 6800 Ultra nicht testen, die entsprechenden AGP-8X- und insbesondere PCI-Express-Grafikkarten werden erst im Mai 2004 verfügbar sein und für diesen Zeitpunkt soll auch die Vorstellung und vielleicht sogar die Auslieferung von ATIs Konkurrenzchip geplant sein. Dieser soll gerüchteweise zwar kein Shader 3.0 unterstützen, aber Shader-2.0-Berechnung deutlich beschleunigen. Die Auslieferung der 6800 soll dann im Juni 2004 erfolgen.
GeForce-6800-Grafikkarten sollen von Albatron, AOpen, ASUS, BFG Technologies, Biostar, Chaintech, eVGA.com, Gainward, Gigabyte, Jaton, Leadtek, MSI Computer, PNY Technologies, Prolink und der Pine-Tocher XFX Technologies ab Mitte/Ende Mai 2004 angeboten werden. Die als Erstes erscheinende Ultra-Version soll - wie bei High-End-Grafikkarten-Produktstarts üblich - preislich bei etwa 549,- Euro liegen. Für die "normale" 6800 werden etwa 349,- Euro fällig.



