Epcos sucht sein Heil in Billigstandorten
"Wir werden mehr und mehr Fälle haben, wo selbst die Geschäftsleitung nicht mehr aus Europa geleistet werden kann" , sagte der Chef des Münchner Unternehmens, Gerhard Pegam, der Financial Times Deutschland (FTD). Seit Jahresbeginn werde deshalb eine Sparte für die Unterhaltungselektronik aus Singapur gesteuert.
"Ich gehe davon aus, dass es in drei bis fünf Jahren mehr als 80 Prozent sein werden" , sagte Pegam. Ein Umzug der Konzernleitung stehe dagegen derzeit nicht zur Debatte. "Es ist nicht so, dass ich mich mit dieser Frage noch nicht beschäftigt hätte" , so Pegam. "Solange wir aber noch zwei Drittel unserer Geschäfte in Europa tätigen, haben wir das nicht im Sinn. Würden wir morgen eine größere Akquisition in Asien tätigen, kann das schnell anders aussehen."
Pegam führt rein betriebswirtschaftliche Gründe an: Sein einst im Dax notiertes Unternehmen, das Bauteile etwa zur Abschirmung oder zur Energieversorgung von Chips in Handys, Kühlschränken oder der Autoelektronik herstellt, hat unter der Krise der Halbleiter-Industrie gelitten. Anders als die Chipbauer, bei denen die Arbeitskosten nur ein Zehntel der Gesamtkosten ausmachen, beträgt der Anteil bei Epcos bis zu 40 Prozent – ein starker Wettbewerbsnachteil gegenüber der meist asiatischen Konkurrenz.
Als Konsequenz kehrte Epcos Hochlohnstandorten in rasantem Tempo den Rücken. "Heute erzielen wir 50 Prozent unserer Wertschöpfung in Niedriglohnländern. Vor fünf Jahren waren es erst zehn Prozent" , sagte Pegam. In Deutschland, wo Epcos im Jahr 2000 noch 3.700 Mitarbeiter beschäftigte, sollen es in zwei bis drei Jahren weniger als 2.000 sein. Die Zahl der Jobs in China hat sich dagegen auf 3.200 verdoppelt. "Das ist eine Tendenz, die leider unaufhaltbar ist" , sagte Pegam. "Das ist eine Frage unseres Überlebens." So lägen die Arbeitskosten in China nur bei vier bis fünf Prozent des deutschen Niveaus. Selbst die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche oder Lohnverzicht könnten das nicht ausgleichen.



