Datenschutzbeauftragter warnt vor digitalen Fotos in Pässen
"Wenn man eine Demonstration filmt, ist es technisch bereits heute möglich, automatisch einzelne Personen zu identifizieren. Voraussetzung wäre allerdings, dass deren biometrische Daten in einer zentralen Datei gespeichert würden", sagte Schaar der Financial Times Deutschland. "Deshalb sollte für den Reisepass ein anderes Merkmal verwendet und, wie vom Bundestag beschlossen, auf eine solche Zentraldatei verzichtet werden."
Die Innenminister der Europäischen Union müssen bis spätestens September festlegen, welche biometrischen Merkmale ab Ende 2005 in die neuen, fälschungssicheren Reisepässe aufgenommen werden. Voraussichtlich werden ein Foto und ein Fingerabdruck aufgenommen.
"Von Vorteil wäre ein kooperatives Verfahren, bei dem der Betroffene bei der Erhebung seiner Daten mitwirkt. Das ist beispielsweise bei der Gesichtserkennung nicht der Fall. Und Fingerabdrücke hinterlässt man ständig ungewollt."
Aus Datenschutzgründen sei ein Scan der Iris vorzuziehen, der nicht unbemerkt vorgenommen werden könne. Anders sei die Frage bei Visa-Anträgen zu beantworten. "Viele afrikanische Staaten haben kein kontrolliertes System für Personalpapiere", sagte Schaar. Hier sei es nicht schwer, Originalpapiere zu bekommen, ohne die im Pass angegebene Person zu sein. "Hier ist es durchaus sinnvoll, die Sicherheit zu erhöhen", sagte der von den Grünen vorgeschlagene Datenschutzbeauftragte: "Bei der Erteilung von Visa könnte deshalb eine Zentraldatei durchaus sinnvoll sein."
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