Interview: Nokia über die Strategie und Probleme des N-Gage
Rücken: Nokia hat das N-Gage von Anfang an mit einem sehr breiten Vertriebskonzept angeboten. Discounter stellen eine attraktive Handelsplattform dar, die in den letzten Jahren auch für hochwertige Markenartikel aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik erschlossen wurde.
Golem.de: Image spielt bei Handys und portablen Spielekonsolen zweifellos eine wichtige Rolle. Hat man keine Angst, den "Coolnessfaktor" des N-Gage deutlich zu senken, indem man das Gerät beim Discounter Lidl anbietet?
Rücken: Schon seit längerem wird hochwertige Unterhaltungselektronik auch bei so genannten Discountern angeboten. Dem Smart-Shopper ist dabei wichtig, dass er ein gutes Produkt zu einem guten Preis bekommt und nicht wo er es kauft.
Golem.de: Man nennt weiterhin keine offiziellen Verkaufszahlen des N-Gage, trotzdem ist es recht offensichtlich, dass Nokia die selbst vorgegebene Zahl von 9 Millionen verkauften Geräten in den ersten zwei Jahren nicht mal ansatzweise erreichen wird. Hat man sich den Einstieg in das Gaming-Segment leichter vorgestellt, als er letztendlich war?
Rücken: Wie bereits mehrfach in der Vergangenheit betont ist es unser Ziel, in den ersten 24 Monaten mehrere Millionen Geräte weltweit abzusetzen. Bei Nokia war man sich von Anfang an bewusst, dass der Einstieg in den komplexen und hart umkämpften Games-Markt eine Herausforderung darstellt. Wir sehen unser Engagement in diesem Bereich aber langfristig.
Golem.de: Nokia hat von Beginn an betont, dass beim N-Gage die Spielfunktion – und nicht die Telefon-Funktionen – im Vordergrund steht. Dies scheint bei den Konsumenten aber bis heute nicht angekommen zu sein – die meisten potenziellen Kunden betrachten das N-Gage als Handy mit Spieloption und entscheiden sich oftmals für aus ihrer Sicht hinsichtlich der Telefon-Funktionalität attraktivere Handys. Hat Nokia da trotz Einführung einer neuen Marke Fehler in der Kommunikationspolitik gemacht oder ist man einfach schon zu tief im Telekommunikationsmarkt verwurzelt, um den Sprung in andere Branchen zu schaffen?
Rücken: Mobiles Online-Gaming ist ein Markt der Zukunft, darin sind sich Mobilfunkanbieter und Spieleentwickler einig. N-Gage ist die einzige Plattform, mit der mobiles Multiplayer Gaming heute möglich ist. Die Spiele Ashen, Operation Shadow oder Pocket Kingdom, die demnächst erscheinen, sind die ersten exklusiven N-Gage-Titel. Sie nutzen die Hardware und die Online-Features dieser Plattform erst so richtig aus. Dies müssen wir unseren Kunden sicherlich noch deutlicher als bisher näher bringen, aber wir sind sicher, dass uns das auch gelingen wird.
Golem.de: Derzeit wird über den Nachfolger des N-Gage spekuliert, der Mitte April 2004 der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Neben einem einfacheren Wechsel der Spiele – ohne dabei den Akku herausnehmen zu müssen – soll am neuen Gerät der Telefonlautsprecher an der Vorderseite und nicht mehr seitlich angebracht werden, was ein "normales" Telefonieren mit dem N-Gage ermöglicht. Diese beiden Punkte wurden am ersten N-Gage massiv kritisiert – wie konnte es kommen, dass Nokia trotz sorgfältiger Entwicklungs- und Planungsphase diese eigentlich recht offensichtlichen Design-Fehler gemacht hat?
Rücken: Die geschützte Position der MMC-Karte im N-Gage hat auch Vorteile und mittlerweile gibt es eine wahre Fangemeinde von begeisterten "Sidetalkern". Die Kritikpunkte am N-Gage sind jedoch bei Nokia angekommen und Nokia ist ein Unternehmen, das sich Kritik nicht verschließt und gegebenenfalls umsetzt.
Golem.de: Spiele-Hardware verkauft sich bekanntlicherweise ja erst dann, wenn auch die überzeugende Software vorliegt – ein großes Problem beim N-Gage, da viele der im Handel erhältlichen Third-Party-Titel qualitativ beispielsweise nicht mit Game-Boy-Advance-Spielen mithalten können und aus Kundensicht zudem überteuert sind. Mittlerweile bemüht sich Nokia zwar um Eigenentwicklungen, aber hätte man nicht schon deutlich früher eigene und hochwertige Spiele auf den Markt bringen müssen, um über die Software dann die Hardware zu verkaufen?
Rücken: Zum Start waren für das N-Gage einige sehr attraktive Titel erhältlich, die sich auf Grund ihrer 3D-Grafik-Performance und ihrer kabellosen Multiplayer Features von anderen Handhelds abhoben. Zudem bot fast jeder Titel Extra Features, die auf anderen Plattformen nicht verfügbar waren. Mit der Entwicklung eigener Titel hat Nokia schon lange vor dem N-Gage-Start begonnen. Als Newcomer gute Spiele für eine ganz neue Plattform zu entwickeln, die deren Features auch voll zur Geltung bringen, kostet allerdings Zeit. Mit Titeln wie Ashen, Operation Shadow oder Pocket Kingdom, die ab Mai erscheinen, werden Hardware und Online-Features der Plattform erst so richtig ausgenutzt.
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